1803
Aug. 26
Sept. 8
34 Urkunden No. 636637.
halte, es bey demselben auch in Absicht der darin festgesetzten Stimmen
ohne Abänderungen oder Zusätze belasse und ihn ohne weiteres zur vollständigsten
Erfüllung und Ausführung bringe. Solches schliesse jedoch
nicht aus, dass demnächst, wenn diese Ausführung erfolgt sey, noch andern
qualificirtten Bewerbern, von welcher Religions-Seite sie auch seyen, neue
Stimmen bewilligt werden könnten. ... Will man indess kaiserlicher Seits
darauf beharren, der Nicht-Ratification Folge zu geben, so können die
Stände .... es allenfalls geschehen lassen, dass die im Deputations-Schluss
ganz neu creirte Stimmen bey dieser Deliberation bis auf die nähere Festsetzung
noch nicht ausgetibt werden. Dagegen haben sie darauf standhafı
zu bestelen, dass wenigstens die Stimmen der säcularisirten Entschädigung--Länder
von den neuen Landesherren ohne weiteres geführet werden, indem
diese die Länder mit allen Rechten, welche die vorigen Besitzer gehabt,
und also auch mit dem wichtigen reichsständischen Stimmen-Recht erhalten
haben.< ...
Unter gleichem Datum ergehen entsprechende Schreiben an die
»Geheimen Räthe« zu Dresden, Weimar, Gotha, Karlsruhe, Stuttgart,
Kassel, Darmstadt, Braunschweig, Schwerin, Strelitz und Oldenburg, die
ihnen von dem wesentlichen Inhalte dieser »Instruktion« Kenntniss geben,
und sie »zur Filhrung einer gleichen Sprache« einladen; ebenso Mittheilungen
an die preussischen Gesandten zu München, Dresden, Stuttgart und
Kassel, sowie ein Schreiben an Montgelas. Dieser äussert, nach Harnier’s
Bericht aus München vom 17. September 1803, Bedenken wegen der Aufnahme
neuer Bewerber, da diese nur den österreichischen Einfluss verstärken
würden.
Auf eine Anregung von Goertz vom 29. August 1803 bemerkt Hardenberg
am 8. September und wiederholt am 1. December 1803: »Kann
bei diesem Anlasse die gesetzliche Annahme einer allgemeinen und gleichen
Religionsduldung in ganz Deutschland, so wie Wir das Beyspiel davon
in Unsern Staaten gegeben haben, bewürkt werden, so wäre solches zur
Ehre Unseres Zeitalters sehr wünschenswerth.«e —
Die Berathungen am Reichstage tiber die Virilstimmen, diese »unangenehme,
trockene und verwickelte Angelegenheit<, wie sie Goertz am
8. Oktober 1804 nennt, beginnen am 14. November 1803, ohne bis zur
Auflösung des Reiches zum Abschlusse zu gelangen.