282
hat, auch durch Gastfreundlichkeit hervor. „Geselliger
und gastfreier“, schrieb schon ver „reisende Franzos“, der
Mainzer Risbeck, der Mecklenburg im Jahre 1780
besuchte, „fand ich noch keinen Adel, als den von Mecklenburg,
besonders in und um Güstrow. Er ist auch
mit der feinen Lebensart und der großen Welt so unbekannt
nicht, als Ihr wohl wähnt. Die Tafeln sind hier
vortrefflich besetzt und man findet viel Leute mitunter,
die eine große practische Kenntniß vom Hofleben haben.
Die Literatur ist über alle Stände, die über dem Pöbel
sind, ausgebreitet. Die Frauen wissen nichts vavon,
was Ton geben heißt. Sie haben nichts von dem
Vordringlichen und Herrischen, und auch nichts von
der Eroberungssucht unserer Landsmänninnen.
sind sanft, nachgiebig gegen ihre Gauen, still und
züchtig. Allein alles, was sie reden, ist so naiv und
herzig, daß mir der Witz unserer berühmtesten Gesellschafterinnen
im Contrast damit anekeln würde."“
Sechszig Jahre nach Risbeck, 1842 noch erkannte
Lüders, der doch gegen die mecklenburgische Indolenz
der Bürger und namentlich gegen die mecklenburgische
Insolenz des Adels schrieb, die guten Seiten der Mecklenburger
an: „Mecklenburg, schreibt er, wo man nicht
sparsam und genau, sondern aus Lollen Kammern und
aus vollem Beutel wirthschafter, ist ein so gastliches
Land, im Charakter seiner Bewohner sind Geradheit,
Biederkeit, Offenheit, männliche Tugenden, tiefe Gemüthlichkeit,
herzliche, unerschöpfliche Gutmüthigkeit vorherrschend.
Mecklenburgs Adel hat sich weit weniger wie
der Adel anverer Länder, durch Staatölakaien= und
2