Full text : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

hinziehen.  Und  Zurufe,  die  keine  Freundlichkeit  mehr  in
sich  tragen.  Die  ewige  Wiederkehr  der  dummen  Schlag—
worte  dieser  Tage,  mit  denen  einer  sich  vor  dem  anderen
großtut,  in  denen  Auflehnung  und  Renitenz  sich  groß—
mäulig  ausleben:  „Messer  her!“  „Haut  ihm!“  „Blut
rühren!“

Aufgehalten  werden  wir  nirgends.

Einmal  passieren  wir  einen  Viehtransport,  der  von
Landsturmleuten  getrieben  wird.  Ein  alter  Landsturmkerl,
  der  dicht  neben  dem  Auto  hergeht  und  eine  rote
Fahne  über  seinen  Ochsen  schwingt,  schimpft  laut  auf
mich  ein:  die  Offiziere  seien  an  allem  schuld  —  gefeiert
haben  sie  —  und  er  sei  halb  verhungert!  —  Das  geht
mir  denn  doch  über  die  Hutschnur,  und  ich  sage  diesem
elenden  Burschen  dermaßen  Bescheid,  daß  er  zitternd  und
schreckensbleich  eine  Ehrenbezeugung  nach  der  anderen
macht.  —  Pack,  das  niemals  vor  dem  Feinde  gestanden
hat  und  jetzt  Revolution  spielt!

Kurz  vor  Vroenhoven  sehen  wir  die  letzten  deutschen
Truppen:  einen  Landsturmposten,  der  sich  Marschrich—
tung  Heimat  davonmacht.

Und  bei  Vroenhoven  halten  wir  dann  im  holländi—
schen  Draht.

Mit  heißen  Schlägen  hämmert  mir  das  Herz,  wie
ich  jetzt  aus  dem  Wagen  springe.  Ganz  klar  bin  ich  mir,
daß  die  wenigen  Schritte  Raum  da  vor  mir  entscheidend
sind.  Und  wie  in  einen  einzigen  Augenblick  zusammen—
gepreßt  jagen  all  die  grausam  harten  Bilder  der  letzten
Tage  noch  einmal  an  mir  vorüber:  Spa  —  und  der
Kaiser  —  der  Feldmarschall,  Gröners  Gesicht  —  mein
Schulenburg,  der,  unerschütterlich,  immer  wieder  sich

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