Full text : Protokolle der im October 1873 im Königlich Preußischen Unterrichts-Ministerium über verschiedene Fragen des höheren Schulwesens abgehaltenen Conferenz.

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vorher  aufgeführten,  das  9jährige  Gymnasium  (das  in  Vergleichung
mit  der  Norm  von  1856  nur  geringe  Abänderungen  bedürfe),  die
9jährige  Realschule  ohne  Latein,  die  6  jährige  Mittelschule;  die
combinirten  Formen,  insbesondere  die  Bifurcation  suchten  dem  ir
stande  Rechnung  zu  tragen,  indem  dadurch  den  Eltern  die  Wahl
unter  den  verschiedenen  Bildungswegen  für  ihre  Söhne  weiter  hinaus
  offen  erhalten  und  den  Schülern  der  Uebergang  von  den  Schulen
  der  einen  Art  zu  denen  der  anderen  erleichtert  würde.  ie
Unsicherheit  des  Gedankens  der  Bifurcation  erweise  sich  übrigens  in
der  Verschiedenheit  der  Ansichten  über  den  Zeitpunct  der  Trennung
der  beiden  Wege;  die  jetzige  Einrichtung  setze  dieselbe  nach  Ouarta,
Hr.  Fritsche  und  in  anderer,  ihm  billigenswerther  scheinenden
Weise  die  Schul-Conferenz  von  1849  nach  Tertia,  Hr.  Kruse  nach
Ober-Secunda,  Hr.  Reisacker  nach  Prima.

Eine  andere  Stellung  zu  den  Bifurcationsplänen  und  speriell
dem  Reisacker'schen  nahm  Hr.  Techow  ein.  Er  ging  davon  aus,
daß  nothwendig  zu  errichten  seien  Mittelschulen  mit  Hüthrigem
Cursus  und  den  bezeichneten  Zielen  und  Rechten  sowie  Realschulen
ohne  Latein  mit  9  jährigem  Cursus  nach  der  Weise  der  beiden  Berkiner.
  Die  Folge  solcher  Errichtungen  werde  sein,  daß  dann  in
mäßiger  Zeit  die  bisherigen  Realschulen  erster  Ordnung  in  Gymnasien,
  die  bisherigen  Realschulen  ohne  Latein  in  Gewerbeschulen
nach  Weise  der  beiden  Berliner  sich  verwandeln  würden,  zur  Förderung
  der  allgemeinen  bildenden  Wirkung  dieser  Anstalten;  denn
das  Latein  auf  den  Realschulen  ohne  Verbindung  mit  dem  Griechischen
  sei  etwas  Halbes  und  Hinkendes.  Für  die  Gymnasien  sei
der  Reisßacker'sche  Plan  zu  billigen,  weil  er  die  Mathematik  und
die  Naturwissenschaften  in  ihr  wohlbegründetes  Recht  einsetze  und
durch  eine  mäßige  Verminderung  der  für  das  Latein  bestimmten
Stunden  den  Anlaß  gebe,  unnützen  Ballast  philologischen  Apparates
aus  diesem  Unterrichte  zu  entfernen,  namentlich  den  aus  bloßen
Phrasensammlungen  bestehenden  sogenannten  lateinischen  Aufsatz
und  die  lateinischen  Sprechübungen.  (Für  diese  Beschränkung  im
lateinischen  Unterrichte  sprechen  sich  auch  die  HH.  Kruse,  Paur,  Ostendorf
  aus;  von  anderer  Seite  wurde  die  Erörterung  dieser  Frage
auf  die  Discussion  von  Nr.  4  der  Vorlage  verschoben.)  Der  Reisackersche
  Hlan  sei  deshalb  annehmbar,  weil  dadurch  weder  das  humanistische
  noch  das  realistische  Element  der  Gymnasien  geschwächt
werde.  Indem  durch  diese  mäßigen  Modificationen  die  Gymnasien
nach  allen  Seiten  ausreichend  sein  würden,  werde  hiedurch  zugleich
der  Streit  über  Erlangung  der  Universitätsrechte  geschlichtet  sein.

Gegen  den  speciellen  Inhalt  der  vorgelegten  Bifurcationspläne
wurden  von  den  Mitgliedern  der  Conferenz,  welche  darauf  eingingen
(Gandtner,  Dillenburger,  Ostendorf,  Kruse,  Paur),  hauttsächlich
  folgende  Einwendungen  erhoben:

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