Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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Hochfläche,  welche  zum  rechten  Ufer  der  Wütenden  Neiße  mit  steilen  Hängen
abstürzt.  In  dem  engen  Flußthale  liegen  zahlreiche  Ortschaften,  wie  Brechels—
hof,  Schlanpe  und  Schlauphof,  Ober-  und  Nieder-Weinberg,  Nieder-Krain,
  Schönau.  Auf  der  Hochfläche  selbst  liegen  Malitsch,  Eichholz,
Christianshöhe,  Bellwitzhof  u.  a.

Auf  der  Hochfläche  zwischen  Brechelshof  und  Schlaupe  hatte  das  Yorksche
Corps  am  26.  Angust  Aufstellung  zu  nehmen  mit  Vorposten  auf  dem  linken
Ufer  der  Katzbach;  rechts  von  York  das  Corps  von  Sacken  bei  Malitsch,  links
von  York  zwischen  dem  linken  Ufer  der  Wütenden  Neiße  und  dem  Gebirge  in
einer  von  Natur  sehr  festen  Stellung  bei  Hennersdorf  das  Corps  von  Langeron.

Um  10  Uhr  morgens  (26.  August)  hatten  die  Truppen  der  schlesischen
Armee,  dem  Befehle  gemäß,  diese  Aufstellungen  eingenommen.  Bleigraue  Wolken
hingen  vom  Himmel  herab  und  senkten  sich  in  die  Gebirgsthäler;  der  Regen
fiel  in  noch  dichteren  Strömen  als  an  den  Tagen  vorher.  General  von  Blücher,
der  sein  Hauptquartier  in  Brechelshof  hatte,  wollte  die  Truppen  erst  abkochen
lassen  —  so  gut  dies  bei  dem  strömenden  Regen  überhaupt  möglich  war  —
und  dann  um  2  Uhr  nachmittags  mit  den  vereinigten  Corps  an  verschiedenen
Übergängen  den  Vormarsch  über  die  Katzbach  antreten.

General  Graf  Langeron,  welcher,  wie  wir  wissen,  keine  anderen  Gedanken
hatte  als  den  Rückzug  nach  Schweidnitz,  war  entrüstet  über  den  —  nach  seiner
Ansicht  —  tollkühnen  Entschluß  Blüchers  zum  Vormarsch  und  zur  Schlacht.
Er  sagte  zu  dem  Adjutanten,  welcher  ihm  den  betreffenden  Befehl  überbrachte:
«  Votre  général  est  un  bon  sabreur,  mais  voild  tout.?  Und  über  Gneisenau
bemerkte  er  demselben  ironisch:  „Wir  bedürfen  bei  unseren  Unternehmungen
besonders  der  Einsicht;  aber  Sie  werden  mir  zugestehen,  daß  diese  gerade  nicht
der  Fehler  des  Generals  Gneisenau  ist.“  Graf  Langeron  folgte  daher  seiner
eigenen  Einsicht,  indem  er  seine  Vortruppen  immer  weiter  zurücknahm  und  sich
auf  seine  starke  Hauptstellung  bei  Hennersdorf  zurückzog,  hatte  aber  auch  die
Verteidigung  der  letzteren  sich,  wie  bereits  erwähnt,  durch  die  Zurücksendung
seines  schweren  Geschützes  nach  Schweidnitz  erschwert.

Es  war  gegen  zwölf  Uhr  mittags,  als  bei  der  Vorhut  des  Yorkschen  Corps
die  ersten  Kanonenschüsse  fielen  und  aus  dem  Thale  der  Katzbach  ein  rasch  sich
näherndes  Gewehrfeuer  gehört  wurde.  Die  Vorhut  hatte  ihre  Kavallerievedetten
jenseit  der  Katzbach.  Die  Dörfer  Kroitsch  und  Wültsch,  sowie  die  Furten  und  die
Katzbachbrücke  bei  Nieder-Krain  waren  von  Infanterie  besetzt.  Die  Vorhut  zog
sich  langsam  und  fechtend  über  die  Katzbach  und  Wütende  Neiße  zurück.  Der  Feind
drängte  mit  ungemeinem  Eifer  nach  über  Nieder-Krain  und  über  die  Neißebrücke
den  Thalrand  rechts  bis  Schlauphof  hinauf,  links  bis  Dohnau  hinab.  In  den
Schluchten  und  Hohlwegen  stiegen  die  französischen  Tirailleurs  zu  der  Hochfläche
hinauf.  Auf  der  Hochfläche  selbst  tummelten  sich  die  Kavallerietrupps.