Full text : Bilder aus der letzten Kaiserzeit.

VIII.  Der  Oberste  Kriegsherr.

Machwerk  ist  sofort  von  der  Wilhelmstraße  coram
publico  zu  vernichten.  Gelingt  es  der  Wilhelmstraße
nicht,  die  Giftpflanze  auszurotten,  wird  sie  von  ihrem
Gifte  mitgetroffen  werden.

„Politik  hält  im  Kriege  den  Mund,  bis
Skrategie  ihr  das  Reden  wieder  gestaktet.“=Wie

  gesagt,  Augenblichsstimmung,  Hochgefühl  des
Obersten  Kriegsherrn,  aber  doch  für  den  im  Hauptquartier
rücksichtslos  herrschenden  Geist  militärischer  Selbstherrlichkeit
  gegenüber  der  verfassungsmäßigen  Zuständigkeit
des  Kanzlers  äußerst  bezeichnend.

Die  „Frankfurter  Zeitung  hätte  für  die  den  Zorn  des
Kaisers  erregende  Lehre  von  der  Überordnung  der  Politik
über  die  Strategie  auch  im  Kriege  neben  Elausewitz  noch
Bismarck  anführen  können:  „Die  Feststellung  und  Begrenzung
  der  Ziele,  die  durch  den  Krieg  erreicht  werden
sollen,  die  Beraktung  des  Monarchen  in  betreff  derselben
ist  und  bleibt  während  des  Krieges  wie  vor  demselben  eine
politische  Aufgabe,  und  die  Ark  ihrer  Lösung  kann  nicht
ohne  Einfluß  auf  die  Art  der  Kriegführung  sein".“)  Die
entgegengesetzte  Theorie,  „welche  der  Generalstab  mir
gegenüber  zur  Anwendung  brachte  und  die  auch  kriegswissenschaftlich
  gelehrt  werden  soll',  drückt  an  dieser  Stelle
Bismarchk  so  aus:  „Der  Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten
  kommt  erst  wieder  zum  Work,  wenn  die
Heeresleikung  die  Zeit  gekommen  findet,  den  Januskempel
zu  schließen."  Das  deckt  sich  genau  mit  dem  Randvermerk
des  Kaisers.

Daß  aber  Wilhelm  II.  in  Wirklichkeit  nicht  der  wilde
Stratege  war,  als  den  er  sich  gelegentlich  gab,  vielmehr  den
Friedenskaiser,  der  er  vor  Ausbruch  des  Welkkrieges

*)  „Gedanken  und  Erinnerungen“,  27.  Kapitel.

GHammmanna,  Buder.  129