arbeiter neu in seine Umwelt tritt. Die Gegenwart und
Zukunft sah und beurteilte er stets nur im Spiegel seiner
ureigensten Gedankenwelt, die umso unwirklicher wurde,
je härter und unerbittlicher der verborgene und offene
Kampf um unser nationales Bestehen im Reiche und
außen entbrannte, je rauher das Geschick ein Stück dieser
Ideenwelt nach dem anderen zerschlug.
Einen hohen Platz in der von einer ritterlichen Ge—
sinnung getragenen Ethik des Kaisers nimmt der Begriff
der Treue ein. Er fordert sie restlos, und kaum irgend
ein anderer Verstoß trifft ihn schwerer als Handlungen
oder Unterlassungen, die er als Treubruch wertet. Ein
Beispiel nur: Niemals hat er in seinem Herzen dem
Fürsten Bülow jene Novembertage des Jahres 1908
verziehen, an denen der Reichskanzler ihm nicht die Rücken—
deckung gewährte, die er gerade damals erwarten durfte.
In der Tat bedeuteten jene schweren Novemberkonflikte
mit ihren stürmisch aufbrausenden Reichstagssitzungen
und ihrer Flut von Zeitungsangriffen für ihn, wenn
ich die Dinge recht erkenne, weit mehr als einen Echec
seiner kaiserlichen Stellung und Würde. Allein als sol—
cher stellte sich die Wirkung vielleicht den Außenstehenden
dar. Ich habe damals wohl tiefer in das Herz mei—
nes Kaiserlichen Vaters sehen können als irgend ein
Mensch sonst, außer meiner lieben Mutter, und ich bin
von der Überzeugung durchdrungen, daß sein Selbst—
vertrauen unter jenen für ihn kaum faßbaren und kaum
erträglichen Eindrücken einen Bruch bekam, von dem
es sich nie wieder ganz erholte. Seine bis dahin unver—
zagte Entschlußfreudigkeit und Willenskraft sind in jenen
Tagen geknickt, und ich glaube, daß die Geburtsstunde des
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