Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

lumm̃er  294

#ebung  von  Altschi  Tepe  beschossen,  richen
  leinen  Schaden  an.  .

Die  Bedrohung  Aegyptens.

Lugano,  19.  Dez.  Wie  der  Zeitung  „Ore“
  in  Ancona  aus  Kairo  berichtet  wird,  hazin
  die  Senussi  unter  Nuri  Bey,  dem  Vetter
n  Enver  Pascha,  den  Krieg  gegen  die  Enguder
  in  Aegypten  eröffnet.  Der  Großsenussi
idi  Ahmed  hat  sich  zurückgezogen  und  seinem
—*  Sidi  Halil  freie  Hand  gelassen.  Dieser
et  im  Einvernehmen  mil  Said  Mdriß  und  Sidie
sohamed  El  Abed  und  Nuri  Bey  den  Kriegsstand
  in  den  Gebieten  an  der  westlichen  Grenze
Llegyptens  erklärt.  In  mehreren  Gesechten  halen
  sich  die  Senussi  verschiedener  Oasen  be—
pächtigt  und  sind  bis  5  Marschstunden  von
Natsja  Mabruk  vorgerũckt.  Die  ägyptischen
büstenwächter  Hauptmann  Nedjib  Effendi  Moamed
  Bey  und  Major  Mohamed  Bey  Saleh
ind  mit  ihren  Soldaten  und  einem  Automobil
u  den  Arabern  übergegangen  und  eine  ägypbickte
  Batlerie  soll  sich  geweigert  haben,  auf  die
Kebellen  zu  feuern.  (J.)

die  türkischen  Erfsolge  am  Tigrie.
Konstantinopel,  19.  Dez.  Ein  Telegramm
  aus  Bagdad  meldet:  Von  wei  engischen
  Monitoren,  welche  die  türlische  Velazerungoartillerie
  um  Kut  el  Amara  zu  durch-Kchen
  versuchten,  wurde  einer  rersenkt,  der  ankete
  zur  Rückkehr  gezmungen.  Die  Nerluste  der
Engländer  während  der  letzten  türkischen  Angrisse
  werden  auf  1000  Mann  geschätzt.

Keigeude  Abnahme  der  Slerdlichkeil
  onserer  Verwandelen

Die  erfreuliche  Erscheinung,  daß  infolge  un-#erer
  hervorragenden  Verwundetenpflege  der
stößte  Teil  der  Verwundeten  wieder  dienstfähig
rird,  ist  während  aller  Kriegomonate  ständig
in  immer  günstigerer  Entwicklung  gewesen.  Es
ät  nämlich  die  bemerkenswerte  Tatsache  festzustellen,
  daß  nicht  nur  die  Diensttauglichkeit  der
Verwundeten  von  Monat  zu  Monat  wuchs,  sondern
  daß  auch  die  Sterblichleit  gleichfalls  von
Monat  zu  Monat  regelmäßig  abnahm.  Es  liegen
  darüber  die  in  Betracht  kommenden  Zahlen
des  ersten  Kriegsjahres  vor.

Während  schon  im  ersten  Kriegsmonat  August
  1914  von  100  Verwundeten  die  erstaunlah
  hohe  Ziffer  von  84.8  Dienstfähigen,  3.0
Gestorbenen  und  12,2  Dienstuntauglichen  und
Beurlaubten  festzustellen  war,  hat  dieses  schon
an  sich  recht  günstige  Ergebnis  unserer  Verwundetenbehandlung
  ein  Jahr  später  im  Angust
1915  bereits  ein  ganz  anderes  Bild  angenommen.
  Schon  im  September  1914  stieg  nämlich
die  Zahl  der  dienstfähig  (Gewordenen  auf  88,1,
also  fast  um  4  Mann  auf  100.  Ein  ungewöhn.
lich  glänzender  Erfolg!  Dieser  wird  dadurch
noch  größer,  daß  gleichzeitig  mit  der  Zunahme
der  Dienstfähigen  die  Anzahl  der  Todesfälle  von
3%7°  auf  2.7°%00  sank.  Wieder  einen  Monat  später,
  im  Oktober  1914,  war  die  Anzahl  der
Dienstfähigen  auf  88,9  gestiegen  und  die  Anzahl
  der  Todesfälle  auf  2,4  gesunken.  In  den
Monaten  November  bis  März  schwanktie  die
Jahl  der  Dienstsähigen  zwischen  87,3  und  88.,0,
sodaß  im  Mälz  die  gleiche  Zahl  von  Verwundeten
  wieder  dienstfähig  geworden  war,  wie
im  Oltober.

Erfreulich  ist  aber  auch  in  diesen  Monaten  die
Tatsache,  daß  die  Anzahl  der  Todessälle  weiter
ständig  sank.  Im  November  betrug  sie  nur  noch
2.1  von  hundert  Mann.  Im  Dezember  1914
sank  sie  sogar  unter  die  Zahl  2  und  betrug
nur  noch  1,700.  Im  Januar  1915  war  eine
weitere  Abnahme  der  Todesfälle  festzustellen,
denn  in  diesem  Monate  betrug  die  Zahl  nur
noch  1,4,  um  im  nächsten  Monat  Februar  weiter
auf  1,3  zu  sinken.  Aber  auch  diese  Zahl  ist  noch
nicht  die  kleinste;  nachdem  sie  im  April  und
Mai  wiederum  auf  10  gestiegen  war,  also  eine
ganz  geringfügige  Werschlechterung  erfahren
hatte,  fiel  sie  von  da  ab  im  Juni  und  Juli
auf  1,201  und  erreichte  damit  sast  die  niedrigst
denkbare  Zahl  überhaupt.

Im  Zusammenhang  damit  ist  noch  zu  erwähnen,
  daß  in  den  Monaten  von  April  bis  Jul
unsere  Verwundetenpflege  noch  dadurch  ein  be
deutend  günftigeres  Bild  erhält,  daß  die  Anzah
der  Dienstfähigen  wiederum  ganz  beträchtlich
stieg.  Nachdem  im  Monat  März,  wie  oben  mitgeteilt,
  88,  900  als  dienstfähig  entlassen  werden
lonnten,  stieg  die  Zahl  im  Monat  April  auf
91,2,  im  Monat  Juni  auf  91,8.  700  waren
dienstunbrauchbar  oder  beurlaubt.  Von  den  Beurlaubten
  ist  wiederum  eine  beträchtliche  Anzahl
  dienstfähig  geworden,  sodaß  die  Gesamtzahl
  der  Dienstfähigen  dadurch  noch  erhöht
wurde.

Wir  haben  zuletzt  also  das  erstaunlich  günstige
  Bild,  daß  nicht  weniger  als  98,6  Mann
von  hundert  dienstfähig  oder  zum  Teil  dienst
unsähig  geworden  waren  und  daß  nur  1.9

 

 

 

 

Rei#el##ssetäi  Yr  Selselch
5—  .  «

 

 

 

—

mit  dem  Tod  alging.  Die  Durchschnittszahlen.
für  das  ganze  Jahr  ergaben  89,5  Dienfstfähige,
B,8  Dienstunbrauchbare  und  Beurlanbte  und  nur
1.7  Todesfälle.  Keine  Armee  der  Welt  hat
ähnlich  günstige  Ergebnisse  auf  uweisen.

Lerschieden#  Na#richten.

Dusseldorf.  19.  Dez.  Dem  Regierungspräsidenten
  in  Düsseldorf  find  von  prirater
Seite  11uu00  Mk.  zur  Aersügung  gestellt  worden,
  deren  Zinsen  von  dem  1.  April  1916  ab
zur  Verteilung  an  linderreiche  Mütter  gelangen
sollen.  Es  sollen  dabei  die  Mütter  berüsichsichtigt
  werden,  die  seit  zuei  Jahren  im  Regierungobezirk
  Düsseldorf  ihren  Wohnsitz  haben.
Der  Kinderreichtum  muh  sich  in  vier  gutgehaltenen
  Kindern  ausweisen,  von  denen  das  älteste
im  14.  Lebensjahre  iteht  oder  im  Zaufe  des
Jahres  aus  der  Volleschule  entlassen  wird.

Essen.  19.  Dez.  Inwiemeit  von  einzelnen
Industriellen  freiwillige  Unterstügungen  während
  des  Krieges  gewährt  worden  sind,  hat
u.  a.  der  Verein  Deutscher  Eisen=  und  Stahlindustrieller
  in  seinen  Kreisen  zu  ermitteln  gesucht.
  Wie  dad  Organ  der  Vereinigung  der
Deutschen  Arbeitgeberverbände  mitteilt,  haben
sich  an  den  Erbebungen  244  Mitgliedwerke  beleiligt.
  In  den  ersten  zwölf  Kriegemonaten
letrugen  die  gesamten  Zuwendungen  an  die
Angehörigen  der  unter  den  Fahnen  siehenden
Beamten  und  Arl  eiterschaft  annähernd  50  Millionen
  Marl.  Veililsen  sind  an  120//000  Familien
  gemährt  uorden,  so  daß  durchschnittlich
auf  die  unterstützte  Familie  eine  Jahreobeihilfe
von  über  34/1,  Mark  entfällt.

Münchener  Neuigkeilen.

münchen.  19.  Dez.  Die  bayerischen  Königsschlosser,
  die  in  normalen  Jakren  slets  das
Hauptziel  aller  Ausländer  waren  und  ob  ihrer
Pracht  den  in  Putio  Ausstaltung  eiwas  gewohnten
  Amerikanern  Beumunderung  abrangen,
waren  im  abgelaufenen  Jahre  das  iel  vieler
Tausende.  enn  auch  die  Besuchszissern  ganz
gewaltig  gegen  die  Vorjahre  zurückblieben,  was
ig  in  Kriegszeiten  nicht  zu  wundern  braucht.
Schloß  Herrenchiemsec.  das  für  den  Reiseverlehr
  am  leichtenen  zugänglich  i#,  sah  6500)
Besucher  (sonst  35  JolmO,  Linderhof  3000
(10  I12000,  Neuschwanflein  5000  (15  bis
20000.  Lob#enschwangan  2800  (65  3000)  und
das  Schachenhaus  8/0  (1000  1500  Besuucher,
also  insgesamt  18  107)  Besucher.  Der  Gesamtbesuch
  der  Schlösser,  die  seit  1886  dem  allgemeinen
  Besuche  (Hohenschwangau  erst  seit
1892,  geöffnet  sind,  hat  bereits  die  Zall  von
2  Millionen  erreicht.  Die  höchste  Frequenz  hatten
  die  Schlösser  im  Jahre  1910  (Passionsspieljahr
  mit  123  1#nd  Personen.

Bayerische  Kachrichten.

nürnberg,  19.  Dez.  Am  27.  September,
27.  Oltober  und  27.  November  1915  wurden  in
Wurzburg  Zefälschte,  an  eine  Frankfurter  und
Berliner  Firma  gerichtete  Postanweisungen  über
Beträge  von  dreimal  801  Ml.  und  759.50)
Mark  und  741.500  Mark  unter  Postsendungen
eingeschmuggelt.  In  Begleitbriefen  murden  die
genannten  Firmen  beauftragt,  die  Geldbeträge
samt  einigen  bestellten  Gegenständen  als  Wertpalet
  jeweils  an  eine  aufgegebene  Nürnberger
Adresse  zu  senden.  Nunmehr  murde  der
Schwindler,  der  sich  als  Oberleutnant  von  Megzler
  bezu.  von  Behlen  ausgab,  dahier  verhaftet.
Es  ist  ein  37  jähriger,  verheirateter  Postsekre- 



 

 

üär  von  Würzburg,  der  das  Geld  i  ν,
St  :  *l  *—  *  4

 

Bayerischer  Indufleiellen-Verband.

München.  19.  Dez.  Der  Bayerische  IndustriellenVerband
  versendet  soeben  seinen  Barresbericht
  für  das  Geschäftsjahr  vom  1.  Okt.
1914  bie  30.  Sept.  1915.  Dent  Berichte  ist
zu  entnehmen,  daß  auch  die  Tätigkeit  des  Ver-Landes
  in  Anxassung  an  die  Kriegsverhältnisse
eine  völlige  Umgestaltung  erfuhr.  Die  Arbeit
des  Verl#andes  fand  eine  kräftige  Unterstützung
durch  den  „Kriegsaueschuß  der  deutschen  Industrie“.
  „  Den  Mitgliedern  wurden  zahlreiche
Rechtsauskünfie  erstattet,  auch  war  ihnen  der
Verband  bei  Erlangung  von  Heeresaufträgen
behilflich  und  unterstützte  Ausnahmegesuche  für
Auofuhr=  und  Durchfuhrverbote;  er  suchte  ferner
auf  Verkehrgerleichterungen  hinzuwirken  und
günstige  Transport=  und  Schiffsgelegenheiten
nach  dem  neutralen  Auslande  bekannt  zu  geben.
Auch  war  cr,  mo  moglich,  für  Freigabe  beschlagnahmter
  Rohstoffe  an  seine  Mitglieder  tätig.
Der  Verband  befaßte  sich  eingehend  mit  der
Kriegeinvalidenfürsorge  und  der  Beseitigung  der
Arkeitslosigkeit  somie  mit  der  Milderung  der
mißlichen  Lage  des  Baugewerles.  Seine  besondere
  Aufmerlsamleit  wandie  er  der  Frage
der  Sicherung  der  Forderungen  deutscher  Gläubiger
  ans  Ausland  und  dem  Auebau  der  wirtschaftlichen
  Beziehungen  zwischen  Deutichland
und  Oecsterreich  Ungarn  zu;  auch  befürwortete
und  begutachtete  er,  wo  zweckmäßig,  die  Zurückslellung
  und  Beurlaubung  von  Angestellten  und
Arbeitern  und  erleichterte  die  Beschäftigung  von
Kriegsgesangenen  in  induftriellen  Betrieben.  Die
Austauschuelle  für  kaufmännische  und  technische
Beamte  arleitete  mit  gutem  Ersolg.  Die  Täaligkeit
  der  Erportstelle  mußte  naturgemäß  eine
wesentliche  Einschränkung  erfahren,  doch  konnte
sie  immerbin  nützliche  Arbeit  leisten,  ihr  Programm
  soll  nach  dem  Kriege  wesentlich  erweitert
werden.  Die  Verdienstmedaille  des  Verbandes
wurde  an  insgesamt  880)  Angestellte  und  Arbeiter
  am  1.  Juli  1915  verliehen.  Von  der
Abhaltung  einer  ordentlichen  Hauptversammlung
  wurde  mit  Rücksicht  auf  die  Kriegeslage
abgeseben.  Der  Mitgliederstand  ist  fast  unverändert
  geblieben;  der  Verband  umfant  nach  wie
vor  L##rka  III|  Einzelfirmen  als  Mitglieder
sowie  23  angeschlossene  Verbände  mit  25/7)
Mitgliedern.  Die  Zahl  der  von  den  Verbandsmitgliedern
  beschäfligten  Arbeiter  beträgt  zirla
200  000.  ·

Rundschau-UT

DicBakcttaufsctzungdurchdcn
König.

"n%  *  v'V.

 

münchen.  19.  Dezember.

Zum  erstenmal  hat  ein  regierender  Wittelsbacher
  am  heutigen  Sonntag  einem  Mitcslicd
des  Obersten  Kirchenrates,  dem  apostolischen
Pro-Nuntius  Kardinal  Andreas  Frühwirth  das
rote  Bareit  aufgesetzt  und  ihn  damit  in  Vertretung
  des  Papftes  förmlich  in  sein  Amt  eingeführt.
  Bayern  ist  damit  in  den  begrenzten
Kreis  der  alten  katholischen  Mächte  eingerückt,
die  seit  Jahrhunderten  dieser  Ehre  seitens  des
Oberilen  Kirchenfürsten  teilhaftig  wurden  und
e§  ist  darin  auch  ein  Beweis  zu  erblicken  f##die
vertrauensrollen  Bezichungen  zwischen  dem
Münchner  Hof  und  dem  päpstlichen  Stuhl.

Der  feierliche  Akt,  bei  dem  sich  Röfischer  und
kirchlicher  Prunk  entsaltete,  vollzog  sich  in  der
stimmungsvollen,  im  hellsten  Lichterglanz  erstrahlenden
  Allerheiligen-Hofkirche  in  der  Reslidenz,
  wo  sich  eine  glänzende  Gesellschaft  ein.
gefunden  hatte.  Jn  zwei  Hofgalawagen  find  der
neuernannte  Kardinal  und  sein  Gefolge  von
der  Nuntiatur  nach  der  Residenz  abgeholt  und
durch  den  Olerstzeremonienmeister  Grafen  Mon
in  die  Reichen  Zimmer  geleitet  worden.  In  der
Kirche  hatien  sich  inzwischen  eingefunden  Kardinalerzbischof
  von  Bettinger,  die  Staatominister,
  an  der  Spitge  der  Ministerpräsident  Graf
Hertling,  die  Obersten  Hoschargen,  das  Diplomatische
  Korps,  der  Präsident  der  Reichsrats.
kammer  Fürst  Fugger,  das  Direktorium  der
Kammer  der  Abgcordneien,  Oberbürgermeister
von  Vorscht,  hohe  Offiziere,  Aebte  und  Vertretungen
  der  weltlichen  und  der  Ordensgeistlichkeit,
darunter  Palres  des  Dominikanerordens,  deren
Ordensgeneral  Dr.  Frühwirth  früher  war,  der
räpstliche  Nobelgardist  Graf  Colacichi  und  andere
  Ehrengäste.  In  den  Oratorien  sah  man
die  Königin  Marie  Therese,  die  hier  weilenden
Prinzen  und  Prinzessinnen,  darunter  den  vom
Felde  zurückgelehrten  Prinzen  Franz,  den  Fürsten
  und  die  Fürstin  von  Hohenzollern  und  Mitglieder
  der  Hofgesellschaft.

Fanfaren  kündeten  um  11  Uhr  den  Eintritt
des  Konigs  in  die  Kirche.  Die  Leibgarde  der
Hartschiere,  die  in  Galaunisorm  mit  den  Helle-Larden
  Spalier  bildete,  salutierte  und  in  feierlichem
  Zuge,  in  dem  sich  der  große  Cortege  besand,
  wurde  König  Ludwig  zu  dem  an  der
Seite  des  Hochaltars  errichteten  Thron  geleitet.
Kardinal  Frühwirth  nahm  währenddessen  seinen
lesonderen  Platz  an  der  Evangelienseite  ein.,
Darauf  bielt  unter  großer  Assistenz  der  Hofgeistlichkeit
  Stiftspropst  von  Hecher  das  seierliche
  Hochamt,  bei  dem  die  Missa  papae  Marcelli
  von  Palestrina,  das  Graduale  „Veni  Domine“
  von  Ett  und  beim  Offertorium  das  „Ave
Maria“  von  Ariadelt  zum  Vortrag  kam.

e-  MWulung  des  Ba-PDienstag,

  21.  Dezember  1915

hielt,  vor  dem  Throne  stehend,  eine  kurze  lateinische
  Ansprache  an  den  König,  kniete  an  der
untersten  Stufe  des  Thrones  nieder  und  reichte
das  Breve  dar.  Mit  dem  Worte  „Legatur“
gab  Se.  Majestät  den  Befehl  zum  Ablesen  des
Breves.  Nach  der  Verlesung  des  pöpstlichen
Schreibens  kniete  Kardinal  Frühwirth  auf  der
obersten  Thronstuse  nieder,  worauf  König  Ludwig
  das  vom  päpstlichen  Ablegaten  auf  goldenem
  Teller  gereichte  rote  Barett  entgegennahm
  und  es  dem  Kardinal  Frühwirth  aufs
Haupt  setzte.  Die  Hofookalkapelle  setzte  mit  dem
Tedeum  ein,  der  neuernannte  Kardinal  begab
sich  die  Stufen  des  Hochaltars  hinauf  und  erteilte
  den  Pontifikalsegen.

Im  Anschluß  an  die  kirchliche  Feier  wurde
Kardinal  Frühwirth  vom  König  in  Audienz
empfangen,  wobei  der  Kardinal  den  päpstlichen
Ablegaten,  den  Nobelgardisten  u.  sein  geistliches
Gefolge  vorstellte.  In  den  Reichen  Zimmern
der  Kgl.  Residenz  gab  der  König  mittags  zu
Ehren  des  Kardinals  Andreas  Frühwirth  eine
Hoftafel,  bei  der  dem  Ernste  der  Zeit  entsprechend
  Taselmusik  nicht  spielte.  Hierauf
wurde  kurzer  Cerlle  gehalten.

Der  hiülorische  Alt  der  Barettaussetzung  in
der  Allerheiligen-  Hofkirche  wurde  an  Ort  und
Sielle  im  Allerhöchiten  Auftrag  von  dem  Maler
  Professor  Hierl  Deronco  mit  dem  Pinsel  fest.
gebalten.  Die  Stkizze  soll  die  Unterlage  bilden
für  ein  später  zu  fertigendes  großes  Bild  über
das  geschichtlich  denkwürdige  Ereignis.

Kardinal  Frühwirth  wird  in  absehbarer  Zeit
von  München  scheiden.  Er  waltet  nur  mehr  als
Pro-Nuntius  seines  Amtes.  Der  Zeitpunkt  der
Uebersiedelung  nach  Rom  steht  allerdings  noch
nicht  fest.  Man  sieht  Kardinal  Frühwirth,  der
lich  in  allen  Kreisen  allgemeinen  Aertrauens
und  rückhalt  loser  Sympathien  erfreute,  nur
ungern  scheiden.

 

Sbrc##.

Niederaschau,  19.  Dez.  Vor  wenigen  Tagen
  wurde  in  der  Bahnbofreftauration  zu  Nie
deraschau  zu  Gunsten  der  „Soldatenfreunde“
ein  Vortrag  mit  Lichtlildern  vom  ilandrischen.
Kriegsschauplag  algehalten.  Das  Lolal  war
überfüllt.  Die  zahlreichen  farbigen  Lichtbilder
waren  sehr  interessant  und  vielseitig.  Der  Eindruck
  wurde  erhöht  durch  den  die  Bilder  begleitenden
  erklärenden  Vortrag.  Letzteren  hatie  Hr.
Leutnant  Schneider  vom  Offiziersgenesungsheim
in  Hohenaschau  übernommen,  der  selbst  in  Flandern
  gelämrft  hat.  Das  Ergebnis  der  Veranitaltung
  lelief  sich  auf  81  Mk.;  die  „Soldatenfreunde'
  llieden  auch  diesen  Abend  bei  ihrer
.,  Psüicht“  und  schickten  101  Paketle  ins  Feld.
Die  Anführung  dieser  Tatsache  sagt  dem,  der
hören  will,  mehr  als  Worte.

Grafing,  19.  Dcz.  Der  praki.  Arzt  Dr.  Hol.
er  aus  München  fand  diesrer  Tage  in  seinem
Jagdrevier  ein  von  einem  Wilderer  erschossenes
Reb.  Als  Dr.  Holper  bald  darauf  in  Begleilung
  seines  Jagers  im  Revier  puschte,  slichen
leide  auf  einen  Wilderer,  dem,  da  er  auf  wie
derholten  Anruf  sein  Gewelrr  nicht  ablegie,  zwei
Schrotschusse  nachgesandt  wurden,  worauf  cr  feir
genommen  werden  konnte.  Es  ist  der  Dienn
knecht  Georg  Schmieddarth  von  der  Paulusül



muhnie.

 

Don  den  bayertschen  Salzwerken.

tlünchen.  10.  Dez.  Jm  Finanzausschuß  der
Kammer  der  Abgeordneten  wurde  am  Samstag
der  Etat  der  Salzwerke  zu  Ende  beraten.  Daber
fragte  der  Berichterstatter  hinsichtlich  der  Saline
in  Reichenhall,  wie  es  mit  der  Modernisierung
der  Saline,  mit  der  Zulassung  des  Lanwagenverkehres,
  mit  dem  Bahnanschlusse  und  mit  einer
  Verlegung  der  Sudanlage  siehe  und  o#
wirklich  die  neue  mechanische  Pfanne  schlechter
als  die  alte  arbeite.  Angesichte  der  kommenden
Neuorganisation  der  Aemter  müsse  man  den
Grundsatz  hervorheben,  daß  ein  Ort,  der  eine
Behörde  oder  Anitalt  verliere.  Entschädigung
nicht  verlangen  konne.  Der  Minister  erklärte,
die  Annahme  dieses  Grundsatzes  durch  den  Ausschuß
  würde  eine  hocherfreuliche  Unterstügung
der  Staatsregierung  bei  ihren  Plänen  auf  Ver
einfachung  der  Staatsverwaltung  sein.  Ueber
den  Gleisanschluß  der  Saline  Rosenheim  lägen
imn  vollständig  bearbeitete  Pläne  vor,  es  bestehe
Poffnung  auf  eine  befriedigende  Regelung.  Ein
Regierungsvertreter  erllärte,  die  neue  Pfanne
in  Reichenhall  arbeite  sehr  gut.  Bezüglich  der
Pelition  dreier  Badbesitzer  in  Traunstein  verwies
  der  Berichterstatter  auf  die  Verhandlungen
und  Beschlüsse  des  letzten  Landtags  und  fragte.
ob  die  Wiedereröffnung  einer  Saline  in  Traun
stein  moglich  sei.  Der  Minister  berief  sich  auf
die  seinerzeiligen  Ausführungen  der  Regierung
und  erklärte,  daß9  vom  Standrunkte  der  Salinenverwaltung
  aus  der  vollzogene  Schritt  nicht
rückgängig  gemacht  werden  könne.  Traunstein
habe  als  Kurort  keine  Beeinträchtigung  erlitten.
Solebäder  könnten  aus  der  Soleleitung  bezogen
werden.  Ein  Mitglied  verlangte,  daß  den  Bau
ern  der  Umgebung  Traunsteins  hinsichtlich  der
Forstrechte  mehr  entgegengekommen  werde;  auch
ihnen  seien  einst  die  Waldungen  zur  Beheizung

 

der  Saline  Trannstein  weggenommen  morden.

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