197
er kommt nieht; in rechtlicher Spr.: kfur eine sebuld,
einen schuldner gut sagen; die unendliche erbarmung
(würde) bankerot werden, wenn sie für meine schulden
all gut sagen wollte Schiller Räub. J, 2; sich von
einem los sagen, vgl. unter los, auch in sreierem Sinne:
er hat sich von dieser gesellschaft losgesagt; — anklagen,
beschuldigen: daz wil ich uber lat sagen af
iuch beide Engelb. 3903, vgl. aussagen; — etwas
Wichtiges, Wesentliches vorbringen: man musz wenig
reden, aber viel sagen. er plandert. spricht den ganzen
tag, und sagt doeh nichts Adelung; in Verbindung
mit wahr = voraussagen, prophezeien, vgl. zusammengerücktes
wahrsagen; von Unpersönlichem, — bedeuten:
das will nichts, vicl, alles sagen; was ein irrlicht sagen
wollte Gellert Fab. 3, 26; nichtssagende mienen,
blicke., worte, redensarten; ihre frommen, nichtssagenden
augen Wieland Amad. 16, 16; — von Wichtigkeit
sein: tausend thaler wollen schon viel sagen Adelung;
es hat nichts zu sagen, wird keine erhebliche Folgen
haben, das hat viel zu sagen ebd.; die paar bedienten
wollen nichts sagen Goethe Aufger. J. 2. Schweizcrisch
#oinem oder einem dinge sagen, einen oder etwas benennen:
hängt sich dem ärgsten hallunken an den
rucken, dem man borr sagt J Gotthelsf Schuldenb. 181;
niedliche backfische . man sagt ihnen auch hafenbraten
Keller Werke §. 75.
Sägen, die Säge handhaben, ahd. sagön, segon.
mhd. sagen, segen: serrare sagen, sacgen, segen, sechin,
sesgen, serrans segende, sagbende Dief.; tranf.: das
holz sügen, das holz läszt sich sügen Steinbach;
übertragen aus ungeschickte ähnliche Bewegungen, in
scherzhaften Wendungen: brot, fleisch sägen, wenn man
mühsam das Messer handhabt; die geige, bratsche, das
cello sägen, schlecht und derb spielen; die darmsaiten
sägen Goethe Rameaus Neffe; sägt auch nicht zu
viel mit den hünden durch die luft Shakespeare Hamlet
3, 2; von einem Schnarchenden: er sägt. — sagenhaft,
einer Sage gemäß oder ähnlich: weltgeschichten, vom
duft der ferne sagenhaft verklärt Heyse 1, 192. —
Säger, m. einer der sägt; Besitzer oder Leiter einer
Sägemühle: Name eines Tauchervogels. — Sago, m.
eßbares mehlartiges Mark einer Palme; malaischer
Name: ein fein mehl, welches sie auf ihre sprache
(der Insel Ternate) sagge neunen Hulsius 2, 99;; bei
Adelung sagu. sego, sago als Nenutr.
Sahne, k. Milchrahm, mbd. sane, im Ablaut zu
senne (s. d.), dunkler Abkunft; soppa san. rem, rom
Dief.; felderdbeern in der sahn“ Voß Luise 1, 181;
bei Steinbach der sahn und sahm neben die sahne;
eino guto milch, oder sohm oder rhaum, oder rohm,
wie es etliche nennen Coler Hausb. 1, 131; im Bilde:
matt wie die fliegen aus der sahne Gandy Erz. 178.
— Sahnenkäsc, m. aus Sahne bereiteter Käse. — sahnig,
Sahne enthaltend: sabnige milch.
Saite, f. klingender Draht oder aus Darm gedrehter
Faden eines Tonwerkzeugs; ahd. seito Masc., seita
Fem., mhd. seite Masc. und Fem.; kin Wort mit ahd.
seito, altengl. sũda Strick, zunächst stehend dem ahd.
Neutr. seid Strick, Schlinge, in weiterer Beziehung zu
scil und den dort genannten Wörtern; die unberechtigte
Schreibung saite ist seit 17. Ih. eingeführt, um das
Wort von seite zu unterscheiden. cor###, sides, seyte,
scyt, soyde, sait, seitte Dief.; an Tongeräten: harfen
von acht seiten 1. Chron. 16, 21; wie die seiten anf
dem psalter durch einander klungen Weish. Sal. 19, 17;
sobald die kleinen fingor die saiten (der Geige) zu
drucken vermochien Freytag Erinn. 57: geigen-, guitarren-,
klavier-aiten u. s. w.; gern das Tongerät selbst
vertretend, im Plur.: d0 klungen since seiten, daz al
daz hüs erdo Nlb. 1773; der saiten scherz Hagedorn
Od. 1. 2; da seblug der greis dio saiten Ubland 390;
auch im Sing.: swie der seite erklinget Minncs. 2, 57“;
sägen — Saite
198
da der spielman auf der seiten spielet 2. Kön. 3, 15;
(ur blieb) saite niecht, noch schatt (ich bin weder
änger noch Krieger mehr) Uhland 285; es heißt die
sniton aufriechen (Keller Sinnged. 205), spannen,
stimmen, anschlagen, rühren, orklingen lassen; der risz
gespannter saiten Müllner Schuld 1, 1; (die Hand)
hat der leier zarte saiten .. gespannt Schiller Kran.
des Ibyk.; in bildlichen Formeln: fur und für auf einem
seciten ligen oder schlahen Maaler; immer aul oiner
saite leyrren Frisch; dast ich meine saiten nunmehr
immer so hoch spannen könne, als ich wollo Lessing
an EKönig 1776; dasz ich selber diese sait' ihm anzuschlagen
bereits versucht Nath. 3, 9; wir wollen
diese saite nicht mebr beruhren Wieland Sylov. 3, 2;
vater und mutter zichen gelindere saiten aul Schiller
Kab. 3, 1; in freierem Bilde: die liebe lief mit schaudernder
hand uber alle saiten seiner seelo Goethe
W. Meister 1, 17; empfindung ist schwingung einiger
saiton Schiller Näub. 5, 1; — an andern Geräten,
saite eines bogens, zum Schießen, bei Hut-, Uhr-,
Büchsenmachern; durch die saiten des garns sauset das
webende schitt Schiller Spaz. 111. — Zusammenfetzungen:
Saitenbezug, m. Beziehung eines Instruments
mit Saiten, und Gesamtheit der dazu gehörigen Saiten.
— Soaiteninstrumcut, n. Tonwerkzeug mit Saiten bespannt.
— Saitenspiel, n. Spiel auf Saiten, so gespieltes
Stück und Instrument, mhd. scitspil, acitespil.
secitenspil: spielete Davidmit allerlei seitenspiel
von tennen holz 2. Sam. 6, 5; wein und seitenspiel erfrewen
das herz Sir. 40, 20; mit seitenspil hofiren Garg.
86; bildlich: unsrer seelen zartes saitenspiel Schiller
Karl. 1, 2; dazu Soaitenspieler, m. Osfenb. 18, 22.
Sakrament, n. kirchliches Gnadenmittel, mhd. sacrament,
aus lat. sacramentum übernommen; nach katholischer
Auffassung sieben sakramente; dio siben sacrament
Garg. 34; nach protestantischer zwei, sakrament
der taufe, des abendmahls; vom Abendmahl das sakrament
schlechthin: Sie mussen .. das sakrument darauf
nehmen, diesen brief für einen freiwilligen zu erkennen
Schiller Kab. 3, 6; darauf will ich das sacrament
nehmen Heyse 9, 258; als Schwur, Fluch: da ..
schwerst gotts tauf, gotts sacrament Alberus Fab.
13, 101; fluchen viel tausent sacrament Garg. 98; in
zahlreichen Verstümmelungen: sackerment!; drei schritte
von der sakorments-leiter Schiller Räub. 2, 3; sapperment!
ebd.; schlapperment Stieler; potz hundert
tausend sack voll endten Simpl. 3, 158; sackerlot!;
sapperlot! u. a. Dazu sackermentern, fluchen: sie sackermenterten
hinter mir her Freytag Soll 2, 215; sackermenter,
verwünschter Kerl, in niedriger Spr.
Salamänder, m. 1) Name einer Eidechsenart, der
man die Fäbigkeit zuschrieb, im Feuer zu dauern, mhd.
salamander als Masc. und Fem.; über das lat. salamandra
aus pers.-arabifchem samandar (von samand
feuerrot) entlehnt; übertragen auf Elementargeister, die
im Feuer hausen: verschwind in flammen, salamander!
Goethe Faust 1. 2) studentisch einen salamander reiben.
Bezeichnung einer besonderen Trinksitte; Alter und Name
dasür sind dunkel; in der Zeitschrist. zur guten Stunde",
2. Jahrgang (1899), Nr. 26, wird sie ohne genaue
Begründung auf studentische Bursen des 16. Ib. zu
Bologna zurückgeführt und mit dem volksitalienischen
salameleecho (far i suoi salamelocchi, steiffeierlich grüßen),
das aus dem saracenischen Gruße salem aleikum zurückgelieben
sei, in Zusammenhang gebracht; deutsche
tudenten hätten von dort die Sitte auf einheimische
Universitäten übertragen und den unverstandenen Namen
umdeutend verstümmelt.
Salat, m. (betont sálat und saldt), mit Salz und
Essig angemachte Speise, mhd. saldt, aus ital. ealnta,
insalata (eingesalzenes Essen) übernommen; von Fleisch-"peisen:
gebraten latfohren gut zum salat Garg. 101;
137
Saitenbezug — Salat.