Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1857. (48)

ausserehelich  geborenes  Kind,  wenngleich  es  nicht  adelig  sein  würde,
sich  „von  X“  nennen  lassen.

Wir  kommen  damit  zu  dem  zweiten  Falle.  Angenommen,
es  wird  von  einem  dem  preussisch-landrechtlichen  Adel  angehörigen
Mädchen,  Namens  von  X,  im  Jahre  1897  ein  Kind  geboren.  Wohl
kaum  ein  preussischer  Vormundschaftsrichter  wird  dieses  Kind  in
seinen  Vormundschaftsakten  unrichtig  als  „ron  X“  führen.  Vielmehr
wird  Jeder  es  nur  X  nennen,  obwohl  das  Kind  und  seine  uneheliche
Mutter  mit  einander  eine  Familie  bilden  und  das  Kind  sogar  da,
wo  Gemeines  Recht  gilt,  z.  B.  für  solche  Fälle  auch  in  der  Mark
Brandenburg,  familienrechtlich  nicht  blos  seiner  Mutter  zugehört,
sondern  auch  der  Familie  seiner  Mutter,  also  der  Familie  von  X.

Auch  hier  verbinden  die  für  die  Benennung  des  Kindes
massgebenden  Vorschriften  des  Allgemeinen  Landrechts  und  seines
Anhangs  damit  zugleich  die  Beantwortung  der  Frage  nach  dem
Stande  des  Kindes.  Nachdem  nämlich  8  626  II2  A.L.-R.  angeordnet,
  dass  die  Alimentation  eines  unehelichen  Kindes  nach  dem
zu  bemessen,  was  Leuten  vom  Bauern-  oder  gemeinen  Bürgerstande
die  Erziehung  eines  ehelichen  Kindes  kostet,  sagen  a..a.  0.

8  639:  Uneheliche  Kinder  treten  weder  in  die  Familie  des

Vaters,  noch  der  Mutter.

8  640:  Doch  führen  sie  den  Geschlechtsnamen  der  Mutter
und  gehören  zu  demjenigen  Stande,  in  welchem  die
Mutter,  zur  Zeit  der  Geburt,  sich  befunden  hat.

8  641:  Ist  aber  die  Mutter  von  adeliger  Herkunft:  so  kann
dennoch  das  uneheliche  Kind  den  adeligen  Namen
und  das  Wappen  sich  nicht  anmassen.

Hieraus  allein  gewinnt  man  allerdings  nicht  Sicherheit  dafür,
dass  nach  Allgemeinem  Landrecht  das  Adelsprädikat  lediglich
ein  dem  F'amiliennamen  nicht  zugehöriges  Standesabzeichnen  ist.
Wohl  aber  gelangt  man  zu  diesem  Resultat  durch  Hinzunahme
des  hinter  A.  L.-R.  II  28  592  eingeschalteten  Anh.  $  94,  welcher
in  dem  hier  in  Betracht  kommenden  Theile  lautet: