Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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Deutschlands  Geschicke  ebenso  segensreich  werden  sollte,  wie  vormals  die  Freundschaft
  von  Luther  und  Melanchthon,  von  Schiller  und  Goethe."

Nächst  diesen  beiden  finden  wir  im  Hauptauartier  der  schlesischen  Armee
noch  eine  Reihe  von  talentvollen  und  hochbegabten  Männern,  welche  wenigstens
dem  Namen  nach  anzuführen  wir  nicht  unterlassen  dürfen,  wie  den  gegendkundigen,
  schwunglosen  und  nüchternen,  aber  satirischen  Müffling,  der  die
Schwächen  der  großen  Männer  des  Hauptquartiers  in  engerem,  kameradschaftlichem
  Kreise  nicht  selten  in  Wort  und  Bild  verspottete,  dem  General  von  Blücher
persönlich  unsympathisch,  weil  er  ihm  einst  zu  jener  —  gleichwohl  ehrenvollen  —
Kapitulation  von  Ratkau  (Seite  218)  geraten  hatte,  ferner  den  feingebildeten,
durch  zahlreiche  treffliche  Werke  als  Militärschriftsteller  ausgezeichucten  Oberst
Rühle  von  Lilienstern  und  viele  jüngere  Offiziere,  die  erst  in  späterer  Zeit
zu  Berühmtheit  gelangten.

Es  gehörte  die  heroische  Jovialität  und  die  unwiderstehliche  Thatkraft
eines  Blücher  dazu,  um  diese  verschiedenartigen  Kräste,  unter  denen  es  anch,
wie  wir  sogleich  hören  werden,  an  widerstrebenden  Elementen  nicht  fehlte,  in
seine  Bahnen  mit  fortzureißen.

Die  schlesische  Armee  bestand  aus  dem  preußischen  Corps  des  Generallieutenants
  von  York  und  den  beiden  russischen  Corps  der  Generallieutenants
von  Sacken  und  Graf  Langeron.  Wir  kennen  den  eisernen  York  und  seine
Heldenthaten  aus  jüngster  Zeit,  denen  er  bald  neue  hinzufügen  wird;  er  war
ein  verdienter  General  und  ausgezeichneter  Führer,  aber  —  ein  schwieriger
Untergebener,  der  die  Maßnahmen  des  Oberbefehlshabers  gern  bekrittelte,  voll
Mißtrauens  gegen  die  von  ihm  so  genaunten  „Kraftgenies“  des  Hauptquartiers,
die,  wie  es  ihm  schien,  mit  den  Kräften  der  Truppen  oft  ein  unverantwortliches
  Spiel  trieben.  Aber  York  war  doch  Preuße,  ein  ganzer  und  voller
Preuße,  und  seine  Bedenken  verstummten,  sobald  es  die  Ehre  Preußens  in  der
Schlacht  zu  vertreten  galt.  Blücher  kannte  den  alten  Isegrimm  sehr  wohl,  und
er  ließ  ihn  ruhig  brummen.  „Der  ork  ist  ein  giftiger  Kerl,“  sagte  er,  „er
thut  nichts,  als  räsonnieren;  aber  wenn  es  losgeht,  dann  beißt  er  an  wie  keiner.“

Etwas  anders  stand  es  mit  den  russischen  Generalen,  die  sich  ohnehin
nur  ungern  dem  Oberbefehl  eines  Preußen  fügten,  sahen  sie  doch  Preußen
immer  noch  nur  als  eine  Hilfsmacht  neben  Rußland  an.  General  von  Sacken
stand  noch  unter  dem  Spruch  eines  Kriegsgerichts  wegen  Ungehorsams  gegen
den  General  von  Bennigsen  in  dem  Winterfeldzuge  von  1806/7,  welchen  der
Naiser  bisher  noch  nicht  bestätigt  hatte;  er  zeigte  sich  jedoch  in  diesem  Kriege
voll  Eifer  und  Kampfesmut  und  kam  den  Anordnungen  der  Oberleitung  bereitwillig
  nach.  Graf  Langeron,  ein  zur  Zeit  der  Revolution  ausgewanderter
französischer  Edelmann,  der  in  russische  Dienste  getreten  war  und  im  Türkenkriege
  bereits  eine  Zeitlang  selbständig  den  Oberbefehl  geführt  hatte,  empfand