Full text : Europäischer Geschichtskalender. Zwölfter Jahrgang. 1871. (12)

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Das  deutsche  Reich  und  seine  einzelnen  Glieder.

lich  der  päpstlichen  Frage,  bezüglich  der  Schule  und  Ehe  entschieden  auf  den  katholischen
  Standpunkt  sich  stelle,  2)  daß  er  für  gesetzliche  Regelung  der  Arbeiterverhältnisse
  auf  christlicher  (kirchlicher)  Grundlage  stimme,  3)  daß  er  —  für
den  Fall  der  Annexion  des  Elsaß  —  dahin  wirke,  daß  die  Bevölkerung  dieses
Landes  gleichfalls  Vertretung  im  Reichstage  finde,  sowie  4)  daß  die  Rechte,
welche  die  preußische  Landesverfassung  den  Katholiken  gewährt,  auch  auf  unser
engeres  Vaterland  ausgedehnt  werden,  5)  daß  endlich,  sollte  auf  dem  Reichstage
  die  Frage  über  den  Einheitsstaat  zur  Abstimmung  kommen,  hierüber
unserm  Abgeordneten  völlig  freie  Hand  gelassen  werde,  ob  er  dafür  oder
dagegen  sich  entscheiden  wolle.

8.  Febr.  (Elsaß.)  Die  Wahlen  zur  franz.  Constituante  fallen  ganz















radical  und  französisch  aus.

9.   „  (Bayern.)  II.  K.:  Der  Justizminister  zieht  den  der  Kammer
vorgelegten  Entwurf  eines  Strafprozeßgesetzes  mit  Rücksicht  auf  Art.  4
Ziffer  13  der  Reichsverfassung  zurück.

12.   „  (Deutsch-franz.  Krieg.)  Zusammentritt  der  franz.  Nationalversammlung
  in  Bordeaux.

Es  wird  deutscher  Seits  befohlen,  die  Pariser  Forts  auf  6  Wochen
zu  verproviantiren.

13.   „  (Preußen.)  Abg.-Haus:  genehmigt  eine  Gesetzesvorlage,  durch
welche  die  preußische  Regierung  ermächtigt  wird,  dem  deutschen  Reich
im  Falle  des  Bedürfnisses  50  Millionen  Thaler  zur  Fortführung  des
Krieges  vorzuschießen.

"   "  (Preußen.)  Die  Regierung  ist  offenbar  nicht  gewillt,  die  Beschlüsse
  des  vaticanischen  Concils  als  auch  sie  bindend  anzuerkennen.
In  einem  Bescheid  an  den  kathol.  Volksverein  in  Breslau  spricht  sich
der  Cultusminister  v.  Mühler  dahin  aus:

„ ....  Unter  Berufung  auf  die  geschichtliche  Entstehung  des  Gymnasiums
wird  von  den  Petenten  die  Meinung  ausgesprochen,  daß  durch  das  Verhalten
jener  Lehrer  (gegen  die  Infallibilität)  der  stiftungsmäßig  katholische  Character
der  Anstalt  bedroht  werde.  Diese  Auffassung  kann  ich  um  deßwillen  nicht
theilen,  weil  die  Gründung  des  katholischen  Gymnasiums  zu  Breslau  und
die  Widmung  der  zu  seiner  Unterhaltung  dienenden  Stiftungen  auf  Zeiten
zurückweist,  denen  eine  Festsetzung  über  den  dogmatischen  Inhalt  des  Vaticanischen
  Concils  fremd  war,  und  weil  die  betheiligten  Gymnasiallehrer
denjenigen  Standpunkt  bisher  nicht  verlassen  haben,  welcher  Jahrhunderte
hindurch  und  bis  zum  Jahre  1870  allgemein  als  der  katholische  anerkannt
worden  ist.“

14.   „  (Deutsch-franz.  Krieg.)  Die  Festung  Belfort  schließt  einen
Waffenstillstand  ab,  um  eine  Capitulation  zu  vereinbaren.

15.   „  (Deutsch-franz.  Krieg.)  Jules  Favre  und  Bismarck  schließen
eine  Zusatzconvention  zum  Waffenstillstand  vom  28.  Januar  ab,  durch
welchen  dieser  auch  auf  den  südöstl.  Kriegsschauplatz  ausgedehnt  wird.
"   "  (Preußen.)  Herrenhaus:  lehnt  die  Gesetzesvorlage  bezüglich  des
Volksschulwesens  in  Hannover  ab.

"   "  (Bayern.)  II.  Kammer:  nimmt  das  Finanzgesetz  für  1870
und  1871  einstimmig  an.