Der militärische Verlauf des Krieges: Italien gegen Osterreich-Ungarn
tilleriestellungen wurden die Gipfel Vrtec, Kru,
Mrzli Vrh, Kolowratrücken, Matajur innerhalb
einiger Stunden im Sturme genommen. während
das österreichische Kontingent der Armee Below,
die Arme'gruppe Alfred Kraus, nördlich ausgreifend,
den Canin (2600 m) und den Stol bezwang
und sich hierauf durch das Raccolanatal den Weg
in das in den Rücken der ital. Malborghetstellung
führende Fellatal bahnte. Durch den überraschenden
Vorstoß Belows geriet die Bainsizzafront
der 2. ital. Armee, in Flanke und Rücken von Below
bedroht, in der Front von Boroevié am 25. Okt. anzefallen,
ins Wanken. Alles in der 11. Schlacht ertrittene
Gelände ging binnen einiger Stunden an
die stürmisch vordringenden k. u. k. Truppen verloren.
In Unordnung räumte die völlig geschlagene 2) ital.
Armee ihre Stellungen u. büßte eine ungeheure Zahl
von Gefangenen u. Geschützen ein. Diese Katastrophe,
die sich erst am 26. Okt. nach der Einnahme des
Monte Santo, Kuk, Vodice und der Vertreibung
der Italiener vom Monte San Gabriele voll
auswirkte, beeinflußte auch die 3. ital. Armee (Herzog
von Aosta), die die Strecke von Salcano bis zum
Meer verteidigte. Die viel umkämpften Höhen des
Fajti Hrib, Kostanjevica, Jamiano, das in
den ersten Schlachten so heiß umstrittene Plateau von
Doberdd, die böhen von San Michele, Monte
dei Sei Busi, die Podgorastellung, nördlich
hiervon die Höhen von Oskavija, der Monte Sabotino,
Plava, das Vallonetal, kurz der ganze
Gewinn der Italiener von zweieinhalb Jahren wurde
von den Osterreichern in ebensoviel Tagen zurückgewonnen.
Am 27. Okt. nahmen die Deutschen Cividale,
am 28. zogen die k. u. k. Truppen in Görz
ein, am 29. fluteten die letzten ital. Truppen vom
rechten Isonzo-Ufer landeinwärts ab, die Reste der
2. Armee an den mittleren Tagliamento, wo Cadorna
mit einigen Reserven eiligst eine Aufnahmestellung
in der Linie Dignano-Pasian, Schiavonesco-Codroipo
geschaffen hatte, die 3. Armee längs der adriatischen
Küste an den unteren Tagliamento.
Mit der Einnahme von Udine durch die Deutschen,
von Cormons durch die Österreicher und Ungarn
am 30. Okt. war die 12. Schlacht, einer der glänzendsten
Siege des Krieges, ja der Kriegsgeschichte, entschieden.
Die Italiener verloren bis zu diesem Tage
120000 Gefangene und 1300 Geschütze. überlegene
Führung und tüchtigere Durchbildung der Truppe
für schwierige Aufgaben auf Seite der Mittelmächte
hatten ebensolchen Anteil an dem Ergebnis wie Verkennung
der strategischen Überlegenheit des Gegners,
Unterschätzung der Stärke der infolge der neu geschaffenen
Lage im Osten freigewordenen Reserven
und die seit Kregsbeyinn an Überstreckung der Angriffsfront
krankende strategische Lage auf Seite der
Italiener. Die Zertrümmerung der Fionzfront traf
Italien aufs schwerste und zog das Zentrum der
Ententefront (Einheitsfront!) aufs empfindlichste in
Mitleidenschaft. Mit der Abdrängung des Gegners
vom Isonzo und der unmittelbar ein eeden Verfolgung
trat der Bewegungskrieg in seine Rechte.
3. Die Greignisse an der Kärntner Fronti.
Vom Kreuzbergsattel, dem Ausläufer der Ampezzaner
Dolomiten bis zum Predilpaß, dem westlichen
Eckpfeiler der Julischen Alpen, zieht sich in einer Aus-1
Bgl. die gegenllberstehende Karte sowie die in Bd. I, S. 98)9.
111
dehnung von etwa 90 km der mächtige Gebirgsstock
der Karnischen Alpen hin. die kärntnerische Front der
Donaumonarchie. Das Gelände in diesem an Tälern
und fahrbaren Straßen armen Hochgebirge gestaltet
sich für einen Vormarsch aus der italienischen Ebene
noch schwieriger als die Tiroler Grenzgebirge und der
Karst. Zudem sperren auf der österreichischen Seile
eschickt angelegte, moderne Befestigungsgruppen am
Fredis, bei Malborghet, bei Saifnitz und Raibl
in wirksamster Weise den Zugang der wenigen, dafür
aber um so wichtigeren Straßen nach Tarvis, Geschützstellunger
am Plöckenpaß die Einbruchstellen
ins Gail= und Drautal. Auf italienischem Boden
dienen die Forts von Ospedaletto zur Sperrung
des Tagliamento-, die Anlagen bei Forni-Avoltri
ur Deckung des Piavetals, die starken Werke von
Pontebba und Chiusaforte zur Sicherung der
Fella= und Raccolanatäler. In steter Sorge um die
fortwährende Bedrohung ihrer Hauptstoßrichtung am
Isonzo aus der flankierenden österreichischen Stellung
in Kärnten mußte die italienische Heeresleitung starke
Kräfte und ständige Reserven an der Kärntner Front
bereit halten und dort in schwierigem Gelände auch
ofsensiv vorgehen, um den Gegner in Atem zu halten.
Aus diesem Grunde wurde auf einem Nebenkriegsschauplatz
eine verhältnismäßig große Heeresmacht —
etwa 8—10 Divisionen — gefesselt und der Entscheidung
an der Hauptfront entzogen, während der Verteidiger
die Höhenstellungen mit verhältnismäßig geringem
Kräfteaufwand halten konnte. Da ein Infanterieangrif
großen Stils ausgeschlossen war, entwickelten
die Italiener wie an der Tiroler Front eine
zahlreiche schwere Artillerie. Der hier mehr als Diversion
zu betrachtende Gebirgskrieg wurde bis zum
Eintritt des Alpenwinters mit wechselndem Erfolge
geführt. Die Hauptkämpfe spielten sich am Kreuzergsattel
(3. Juni, 9. u. 19. Juli), am Monte
Paralba (11. Juni) ab, wo es den ungarischen Truppen
gelang, ein beträchtliches Stück italienischen Bodens
zu behaupten, ferner am Plöcken paß (Monite
Croce Carnico), in dessen Nähe am Großen u. Kleinen
Pal, am Freikofel, durchweg Bergen von über
2000 m Seehöhe, um deren beherrschende Gipfel von
Anfang Juni bis Mitte August ununterbrochen erbittert
gerungen wurde, und am Wolayer See, wo
die Italiener Fortschritte zu verzeichnen hatten. Die
bedeutendsten artilleristischen Anstrengungen der Italiener
konzentrierten sich auf die Einbruchstellen am
Predil und bei Malborghet, doch gelang es ihnen
trotz stärkster Beschießung mit allen Kalibern nicht,
die österreichischen Forts zum Schweigen zu bringen.
Abgesehen von hartnäckigen wechselvollen Kämpfen
um den Kleinen Pal, 25.—28. März, u. den Nauchkofel,
4.—6. April, herrschte während des Feldzugs
1916 u. bis Okt. 1917 verhältnismäßige Ruhe. Starkes
Feuer auf die italienischen Stellungen, dem lebhafte
Infanterieaktionen folgten, nötigte vom 14.Okt. 1917
ab die ital. Heeresleitung zur Bereitstellung namhafter
Reserven. Nach dem raschen Zusammenbruch der
Isonzofront wurde die anschließende ital. Kärntnerfront
zuerst durch die Niederlage erschüttert. Die neu
zusammengestellte österr.= ungar. Kärntner Armee
(unter Krobatin) entriß der ins Wanken geratenen,
nur auf rechtzeitige Loslösung vom Feinde bedachten
4. ital. Armee in kurzer Zeit die Grenzstellungen südöstlich
von Tarvis, Pontebba, die ehemals heiß
umkämpften Punkte Plöckenpaß, Kleinen u. Großen
Pal, Findenigg, Mittagskofel; nur der