Volltext : Kommentar zum Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913.

Der  militärische  Verlauf  des  Krieges:  Italien  gegen  Osterreich-Ungarn

tilleriestellungen  wurden  die  Gipfel  Vrtec,  Kru,
Mrzli  Vrh,  Kolowratrücken,  Matajur  innerhalb
  einiger  Stunden  im  Sturme  genommen.  während
  das  österreichische  Kontingent  der  Armee  Below,
die  Arme'gruppe  Alfred  Kraus,  nördlich  ausgreifend,
  den  Canin  (2600  m)  und  den  Stol  bezwang
und  sich  hierauf  durch  das  Raccolanatal  den  Weg
in  das  in  den  Rücken  der  ital.  Malborghetstellung
  führende  Fellatal  bahnte.  Durch  den  überraschenden
  Vorstoß  Belows  geriet  die  Bainsizzafront
der  2.  ital.  Armee,  in  Flanke  und  Rücken  von  Below
bedroht,  in  der  Front  von  Boroevié  am  25.  Okt.  anzefallen,
  ins  Wanken.  Alles  in  der  11.  Schlacht  ertrittene
  Gelände  ging  binnen  einiger  Stunden  an
die  stürmisch  vordringenden  k.  u.  k.  Truppen  verloren.
In  Unordnung  räumte  die  völlig  geschlagene  2)  ital.
Armee  ihre  Stellungen  u.  büßte  eine  ungeheure  Zahl
von  Gefangenen  u.  Geschützen  ein.  Diese  Katastrophe,
die  sich  erst  am  26.  Okt.  nach  der  Einnahme  des
Monte  Santo,  Kuk,  Vodice  und  der  Vertreibung
der  Italiener  vom  Monte  San  Gabriele  voll
auswirkte,  beeinflußte  auch  die  3.  ital.  Armee  (Herzog
von  Aosta),  die  die  Strecke  von  Salcano  bis  zum
Meer  verteidigte.  Die  viel  umkämpften  Höhen  des
Fajti  Hrib,  Kostanjevica,  Jamiano,  das  in
den  ersten  Schlachten  so  heiß  umstrittene  Plateau  von
Doberdd,  die  böhen  von  San  Michele,  Monte
dei  Sei  Busi,  die  Podgorastellung,  nördlich
hiervon  die  Höhen  von  Oskavija,  der  Monte  Sabotino,
  Plava,  das  Vallonetal,  kurz  der  ganze
Gewinn  der  Italiener  von  zweieinhalb  Jahren  wurde
von  den  Osterreichern  in  ebensoviel  Tagen  zurückgewonnen.
  Am  27.  Okt.  nahmen  die  Deutschen  Cividale,
  am  28.  zogen  die  k.  u.  k.  Truppen  in  Görz
ein,  am  29.  fluteten  die  letzten  ital.  Truppen  vom
rechten  Isonzo-Ufer  landeinwärts  ab,  die  Reste  der
2.  Armee  an  den  mittleren  Tagliamento,  wo  Cadorna
mit  einigen  Reserven  eiligst  eine  Aufnahmestellung
in  der  Linie  Dignano-Pasian,  Schiavonesco-Codroipo
  geschaffen  hatte,  die  3.  Armee  längs  der  adriatischen
  Küste  an  den  unteren  Tagliamento.

Mit  der  Einnahme  von  Udine  durch  die  Deutschen,
von  Cormons  durch  die  Österreicher  und  Ungarn
am  30.  Okt.  war  die  12.  Schlacht,  einer  der  glänzendsten
  Siege  des  Krieges,  ja  der  Kriegsgeschichte,  entschieden.
  Die  Italiener  verloren  bis  zu  diesem  Tage
120000  Gefangene  und  1300  Geschütze.  überlegene
Führung  und  tüchtigere  Durchbildung  der  Truppe
für  schwierige  Aufgaben  auf  Seite  der  Mittelmächte
hatten  ebensolchen  Anteil  an  dem  Ergebnis  wie  Verkennung
  der  strategischen  Überlegenheit  des  Gegners,
Unterschätzung  der  Stärke  der  infolge  der  neu  geschaffenen
  Lage  im  Osten  freigewordenen  Reserven
und  die  seit  Kregsbeyinn  an  Überstreckung  der  Angriffsfront
  krankende  strategische  Lage  auf  Seite  der
Italiener.  Die  Zertrümmerung  der  Fionzfront  traf
Italien  aufs  schwerste  und  zog  das  Zentrum  der
Ententefront  (Einheitsfront!)  aufs  empfindlichste  in
Mitleidenschaft.  Mit  der  Abdrängung  des  Gegners
vom  Isonzo  und  der  unmittelbar  ein  eeden  Verfolgung
  trat  der  Bewegungskrieg  in  seine  Rechte.

3.  Die  Greignisse  an  der  Kärntner  Fronti.
Vom  Kreuzbergsattel,  dem  Ausläufer  der  Ampezzaner
  Dolomiten  bis  zum  Predilpaß,  dem  westlichen
Eckpfeiler  der  Julischen  Alpen,  zieht  sich  in  einer  Aus-1

  Bgl.  die  gegenllberstehende  Karte  sowie  die  in  Bd.  I,  S.  98)9.

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dehnung  von  etwa  90  km  der  mächtige  Gebirgsstock
der  Karnischen  Alpen  hin.  die  kärntnerische  Front  der
Donaumonarchie.  Das  Gelände  in  diesem  an  Tälern
und  fahrbaren  Straßen  armen  Hochgebirge  gestaltet
sich  für  einen  Vormarsch  aus  der  italienischen  Ebene
noch  schwieriger  als  die  Tiroler  Grenzgebirge  und  der
Karst.  Zudem  sperren  auf  der  österreichischen  Seile
eschickt  angelegte,  moderne  Befestigungsgruppen  am
Fredis,  bei  Malborghet,  bei  Saifnitz  und  Raibl
in  wirksamster  Weise  den  Zugang  der  wenigen,  dafür
aber  um  so  wichtigeren  Straßen  nach  Tarvis,  Geschützstellunger
  am  Plöckenpaß  die  Einbruchstellen
ins  Gail=  und  Drautal.  Auf  italienischem  Boden
dienen  die  Forts  von  Ospedaletto  zur  Sperrung
des  Tagliamento-,  die  Anlagen  bei  Forni-Avoltri
ur  Deckung  des  Piavetals,  die  starken  Werke  von
Pontebba  und  Chiusaforte  zur  Sicherung  der
Fella=  und  Raccolanatäler.  In  steter  Sorge  um  die
fortwährende  Bedrohung  ihrer  Hauptstoßrichtung  am
Isonzo  aus  der  flankierenden  österreichischen  Stellung
in  Kärnten  mußte  die  italienische  Heeresleitung  starke
Kräfte  und  ständige  Reserven  an  der  Kärntner  Front
bereit  halten  und  dort  in  schwierigem  Gelände  auch
ofsensiv  vorgehen,  um  den  Gegner  in  Atem  zu  halten.
Aus  diesem  Grunde  wurde  auf  einem  Nebenkriegsschauplatz
  eine  verhältnismäßig  große  Heeresmacht  —
etwa  8—10  Divisionen  —  gefesselt  und  der  Entscheidung
  an  der  Hauptfront  entzogen,  während  der  Verteidiger
  die  Höhenstellungen  mit  verhältnismäßig  geringem
  Kräfteaufwand  halten  konnte.  Da  ein  Infanterieangrif
  großen  Stils  ausgeschlossen  war,  entwickelten
  die  Italiener  wie  an  der  Tiroler  Front  eine
zahlreiche  schwere  Artillerie.  Der  hier  mehr  als  Diversion
  zu  betrachtende  Gebirgskrieg  wurde  bis  zum
Eintritt  des  Alpenwinters  mit  wechselndem  Erfolge
geführt.  Die  Hauptkämpfe  spielten  sich  am  Kreuzergsattel
  (3.  Juni,  9.  u.  19.  Juli),  am  Monte
Paralba  (11.  Juni)  ab,  wo  es  den  ungarischen  Truppen
  gelang,  ein  beträchtliches  Stück  italienischen  Bodens
  zu  behaupten,  ferner  am  Plöcken  paß  (Monite
Croce  Carnico),  in  dessen  Nähe  am  Großen  u.  Kleinen
  Pal,  am  Freikofel,  durchweg  Bergen  von  über
2000  m  Seehöhe,  um  deren  beherrschende  Gipfel  von
Anfang  Juni  bis  Mitte  August  ununterbrochen  erbittert
  gerungen  wurde,  und  am  Wolayer  See,  wo
die  Italiener  Fortschritte  zu  verzeichnen  hatten.  Die
bedeutendsten  artilleristischen  Anstrengungen  der  Italiener
  konzentrierten  sich  auf  die  Einbruchstellen  am
Predil  und  bei  Malborghet,  doch  gelang  es  ihnen
trotz  stärkster  Beschießung  mit  allen  Kalibern  nicht,
die  österreichischen  Forts  zum  Schweigen  zu  bringen.
Abgesehen  von  hartnäckigen  wechselvollen  Kämpfen
um  den  Kleinen  Pal,  25.—28.  März,  u.  den  Nauchkofel,
  4.—6.  April,  herrschte  während  des  Feldzugs
1916  u.  bis  Okt.  1917  verhältnismäßige  Ruhe.  Starkes
Feuer  auf  die  italienischen  Stellungen,  dem  lebhafte
Infanterieaktionen  folgten,  nötigte  vom  14.Okt.  1917
ab  die  ital.  Heeresleitung  zur  Bereitstellung  namhafter
  Reserven.  Nach  dem  raschen  Zusammenbruch  der
Isonzofront  wurde  die  anschließende  ital.  Kärntnerfront
  zuerst  durch  die  Niederlage  erschüttert.  Die  neu
zusammengestellte  österr.=  ungar.  Kärntner  Armee
(unter  Krobatin)  entriß  der  ins  Wanken  geratenen,
nur  auf  rechtzeitige  Loslösung  vom  Feinde  bedachten
4.  ital.  Armee  in  kurzer  Zeit  die  Grenzstellungen  südöstlich
  von  Tarvis,  Pontebba,  die  ehemals  heiß
umkämpften  Punkte  Plöckenpaß,  Kleinen  u.  Großen
  Pal,  Findenigg,  Mittagskofel;  nur  der