Metadata : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

Freude  gemeinsamen  Glückes  und  verkündete  überall  den  Dank  des
Raisers  an  meine  tapfere  5.  Armee.  Jetzt  erst  inmitten  meiner  herrlichen
Truppen  empfand  ich  ganz  das  beseligende  Gefühl  des  ersten,  des  schönsten
Sieges.  Dann  ging  es  In  den  Bereich  der  französischen  Rampflinten
von  gestern.  In  flachen  Schützengräben  lagen  ganze  Zompagnien  tot
dahingestreckt  in  ihren  bunten  Unisormen  und  leuchtenden  roten  Sosen,
die  Tausenden  das  Leben  gekostet  haben  in  diesen  Tagen  grüner  Wlesen
und  goldgelber  Saaten.  An  den  Zängen  und  in  den  Saatfeldern  lange
Reihen  zusammengeschossener  französischer  Batterien,  zum  Teil  mit  umgestürzten
  Geschützen.  Dazwischen  die  in  pflichttreuer,  beißer  Kampfeearbeit
  hingestreckten  Ranoniere  und  die  in  schrecklicher  Derzerrung  erstarrten
Lelber  der  Bespannungen.  Müde  und  erhitzt,  aber  stolz  und  jubelnd
sab  man  überall  unsere  in  der  Verfolgung  begriffenen  Marschkolonnen.
„Da  ist  der  Rronprinz,  hurra,  der  RKronprinz!“  so  schallte  es  die
Straßen  entlang.  Dankbar  winkte  ich  meinen  tapferen  Truppen  zu,  nur
mit  Mühe  meine  Rührung  verbergend.  6.

In  einem  total  zerschossenen  Dorfe  hielt  beim  Generalkommando
des  XVI.  A.  R.  der  greise  Feldmarschall  Graf  Saeseler,  ruhmvolle  Ver—
gangenheit  mit  stolzer  Gegenwart  verbnüpfend.  Der  Soldat  in  ihm  war
stärber  gewesen  als  das  gebrechliche  Alter.  Er  wollte  sein  einstiges  braves
Norpe  bei  der  Kriegsarbeit  sehen.  —

Dann  ging  es  zurück  in  die  Sommernacht.  Ferner  Ranonendonner,
brennende  Däörfer,  Marschkolonnen  und  Biwakfeuer,  ein  Tag  unermeßlicher
  und  unauslöschlicher  Sindrücke.  —

Im  Oberkommando  lagen  inzwischen  die  zusammengefaßten  Tagesmeldungen
  vor.  Sie  zeigten  als  Ergebnis,  daß  bei  den  Führern  zwar  der
Hernichtungewille  lebendig  war,  der  sie  in  die  vordersten  Tinien  geführt  hatte,
daß  dort  aber  erst  der  Nebel  die  Aufklädrung,  dann  der  Widerstand  der  feindlichen
  Nachhuten  den  flotten  Dormarsch  gehemmt  hatte.  Auch  batten  die  bie
in  die  Nacht  hinein  für  ihre  Verteldigung  in  den  eroberten  Linien  arbeltenden
Truppen  die  Tragweite  ihres  Sleges  noch  nicht  erfaßt  und  bei  ihren  erheblichen
  Verlusten,  namentlich  auch  an  Unterführern,  bie  weit  in  den  neuen
Tag  hinein  mit  sich  selbst  zu  tun.  Bis  die  Tatkraft  der  neuen  Führer
die  Ermattung  der  zusammengeschossenen  Derbände  überwunden  hatte,
war  kostbare  Zeit  vergangen.  Auf  dem  rechten  Flügel  beim  V.  A.  R.
mußte  sich  die  Tagesaufgabe  auf  ein  Abwarten  beschränken,  und  die  Greig-38