Full text : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

873  Streubüchse  —  Strich.

einzelnen  huld  zu  streuen  Freytag  Erinn.  415;  auf
den  mit  immer  vollen  hünden  die  götter  ihre  gaben
streun  Schiller  Ring  des  Polykr.;  hindernisse  streuen
Goethe  Tasso  1,  1;  einem  sand  in  die  angen,  vgl.
unter  sand.  Bei  den  Schützen,  die  flinte  streut.  wenn
sie  beim  Schießen  das  Schrot  nicht  zusammenhält;  —
in  anderm  Sinne  bei  Landwirten  das  getreide  streuct
gut,  wenn  es  vieles  Stroh  gibt  Adelung.  —  In  Zusammensetzungen:
  Streubüchsc,  k.  Büchse  zum  Strenen
von  Sand,  Zucker  u.  a.  —  Sireupulver,  u.  Pulver  auf
Wunden  zu  streuen.  —  Streusand,  m.  Sand  zum
Streuen:  der  streusand  ruselt  Günther  922;  str.  auf
geschriebenes  drreuen.  —  Streuzucker,  m.  gepulverter
Zucker  zum  Strenen.

Strich,  m.  Handiung,  Richtung,  Weg  des  Streichens;
Gestrichenes;  Verbalsubstantiv  zu  streichen,  goth.  als
striks  in  der  cingeengten  Bed.  der  gezogenen  Linie
vorhanden,  erst  ahd.  mhd.  als  strich  in  dem  weiteren
beutigen  Sinne  bezeugt.
einer  nimmt:  hin  fuor  er  sinen  alten  strich  Meier
Helmbr.  1456;  das  kriegsheer  nahm  seinen  strich  dahin
Stettler  bei  Frisch;  strich  eines  sammelnden  bettelmönches,
  Bezirk  Schmellerz  in  einer  neckischen  Rcdensart:
  ein  betrunkener  kann  den  strich  nicht  halten,  nicht
feinen  geraden  Weg  gehen;  sonst  neuer  gewöhnlich  nur
von  Vögeln,  Fischen:  str.  der  schwalben,  starc,  lerchen,
der  karpfen,  vogel-,  schnepfenstrich;  strich,  wenn  die
Vögel  wegsichen  Jacobsson;  bei  Fischern  garn  zu
striche  stellen,  dem  Strom  entgegen;  auch  die  so  zusammen
  ziehenden  Vögel:  ein  strich  lerchen.  rcbhuhner;
bei  Fischern  =  junger  Same  der  Fische,  besonders  der
Karpsen;  von  Wind,  Wolken,  Regen:  wie  volken
selbst  und  winde  den  gleichen  strich  unwandelbar
befolgen  Schiller  Tell  2,2;  der  strich,  den  dic  erdbeben
  halten  Kant  9,  30;  danach  beim  Kompaß,  Einteilung
  in  32  striche,  nach  den  32  Winden;  strich  den
das  schiff  hölt  Jacobsson;  tricb  .  der  sturm  in
ungewissen  strichen  sie  hin  und  her  Wieland  Klel.
8,  §89;  bei  Bergleuten  strich  der  gänge  und  klufte
Veith  476;  vom  Himmel,  seiner  Nichtung,  seinem
Lauf:  zonce  strichi  ahd.  Gloss.  2,  628,  vgl.  himmelsstrich;
  ebenso  von  der  Erde,  besonders  in  Bezug  auf
Richtung  der  Wärme,  des  Klimas,  vgl.  ordstrich;  daher
der  so  gerichtete  Teil  der  Erde  selbst,  landstrich  (s.  d.):
bei  euch  in  ewrem  strich  Luther  3,  153°;  in  dem
wärmsten  striche  von  Indien  Wieland  Ag.  3,  5;  obgleich
  ubrigens  der  strich  nicht  unfruchtbar  ist  Seume
Spaz.  1,  117;  mit  Bestimmung  strich  landes  Schiller
Kab.  5,  2,  auch  ein  strich  land;  ein  strich  waideland
Schiller  9,  39;  —  in  freien  Wendungen  auf  Grund
der  Bed.  des  Lauses  und  der  Richtung:  die  ersten  zwei
Lapitel  in  einem  striche  zu  lescen  Lessing  Ber.
Turon.  III,  1:  in  Einem  strich  schlafen  (Heyse  5,  5),
fahren  (Moltke  6,  22);  ich  .lebe  meinen  strich  hier
6,  113.  2)  strich,  das  Streichen,  Berühren  mit  der
Hand  nach  einer  Richtung,  in  älterer  Spr.  —  Schlag:
(gab)  einen  guoten  strich  an  ir  rehte  wange  Ebernand
v.  Erfurt  Heinr.  3706;  strich  bei  einer  Versteigerung
in  Franken,  Gebot  mit  Ausschlagen,  auch  aufstrich
Schmeller;  übertragen  —  Angriff  (vgl.  streich):
schriften..  voll  loser  renke  und  striche  Butschky
Patm.  120;  sonst  —  sanftes  Streichen:  magnctische
striehe:  cinen  strich  durch  die  haarec.  über  das  fell
eines  lieres  thun;  solches  Streichen  in  der  Nichlung
der  Haare:  wer  mit  dem  strich  oder  wider  den  strich
die  haare  vegnimmt  (beim  Nasieren)  Goethe  Aufger.
4,  2;  katzenfell,  dss  man  wider  den  strich  kraut  Hevse
9,  382;  frei:  ctwas  geht  einem  wider  den  strich,  ertegt
kein  Wohlgefallen:  (in  krieg  gegen  Oesterriich  war
doch  virkheh  etwas,  was  .  vielen  Hentschen  und  mir
selbst  gegen  den  strich  ging  Bismarck  Red.  15,  111;
—  strich,  die  Zitzen  des  Enters,  wie  sie  beim  Melken

1)  Richtung,  Lauf,  Weg,  den

Strichpunlt  —  stricheln.  871
gestrichen  werden:  striche  an  deu  entern,  papillae
uberum  Stieler;  dasz  (den  Kühen)  kein  roth  auge
nicht  bezanber  ibre  etriche  Lohenstein  Hygc.  76.
3)  strich,  Berühren,  Ubersahren  mit  einem  Gerät  und
so  Hervorgebrachtes:,  strich  auf  streichinstrumenten;
der  geiger  hat  cinen  guten  strich,  streicht  die  Geige
gut;  heissa!  wie  geht  zum  tanz  lustig  der  Nrich!
Arndt  341;  strich  des  Goldschmiedes  auf  dem  Probiersteine;
  Gold  und  Silber  hält  den  strich,  zcigt  sich  bei
solchem  Streichen  von  seinem  Gehalte;  bisz  dasz  es
(das  Silher)  strich  und  reehte  seine  helt  Opitz
Pfalmen  28;  strich  der  lerchen,  Fangen  der  Lerchen
mit  dem  Streichgarn;  frei  in  einer  Wendung  des  ge
meinen  Lebens,  sio  gcht  auf  den  strich,  als  Dirne
auf  den  Männerfang;  strich,  beim  Malen,  Zeichnen,
Schreiben,  pinsel-,  bleistift-,  federstrich;  mit  kreidc
einen  strich  zichen;  grund-  und  haarstriche,  binde-,
trennungs-,  gedankenstriche  machen;  wollt  ich  das  bild
euch  augenblicklich  vor  die  seelc  stellen,  treu,
strich  für  strich  Freiligrath  1,  79;  meine  hand  lag
mit  dem  stifte  auf  dem  weiszen  papiere  ..  C’ich
mich  zu  dem  ersten  strich  entschlieszen  konnte  Keller
Werke  1,  201;  kopie  einer  bis  zum  letzten  strich  nach
der  natur  gemalten  studie  Nachlaß  225;  Dim.:  ein
neues  heer  von  punkten  und  strichelchen  aller  art
Goethe  DuW.  4;  strich  bei  Zeitungen,  die  politischen
von  den  kleineren  Nachrichten  trennend:  unter  dem
strich,  was  dem  Unterhaltungsteil  gehört;  bei  Rechnungen
  abschließend,  daher  srei  einen  dicken  strich
unter  etwas  machen,  mit  einer  Sache  ausheben;  im
Gegensatz  dazu  etwas,  einen  uuf  lem  striche  haben,  noch
mit  ihm  etwas  abzurechnen  haben,  Feind  sein,  Nedensart
des  gemeinen  Lebens;  Srich  als  Zeichen  der  Tilgung:  censurstriche,
  die  in  einem  Aufsatze  wegstreichen;  strich
durch  eine  rechnung,  forderung  machen,  auch  in  freiem
Sinne:  da  kam  Hans  Mors  und  zog  den  strich  durch  ihr
schlarattenleben  Bürger  Frau  Schnips;  (Mörder)  der
mit  seinem  messer  einen  strich  durch  ihre  saubere
rechnung  zog  Gaudy  Erz.  104;  strich  erleiden,  =  fehl
gehen:  (er  habe)  sich  darüber  einen  plan  kestgesetzt,
dieser  habe  .  gleich  zu  anfang  der  ausführung  einen
strich  erlitten  Goethe  ital.  Reise  II;  strich,  als  Zeichen
einer  Grenze,  meszstrich;  in  den  seideln  soll  das  bicr
bis  an  den  strich  gehen;  frei:  wir  kommen  hier  Dnur
bis  auf  einen  gewissen  strich,  —  jenseits  desselben
werden  menschen  schwärmer  Leisewitz  Jul.  v.  Tarent
I.  1;  als  Erkennungszeichen:  so  dasz  der  commandeur
sic  mit  verschiedenfurbigen  strichen  über  der  nasc  bezcichnen
  lassen  muszte,  um  sie  im  dienst  unterscheiden
zu  können  Immermann  Münchb.  1,  17;  als  Nedensart,
  zur  Bezeichnung  eines  leicht  Verrückten  oder  Betrunkenen,
  er  hat  einen  strich;  kein  tag  vergeht  mir
ohne  strich  Freiligrath  2,  197;  —  strich  —  schmaler
Streifen:  cin  schwarzes  pferd  mit  weiszen  strichen.
das  plerd  hat  einen  schwarzen  strich  über  den  rücken
Adelung;  weiszes  zeug  mit  leichten  roten  strichen.
)  etrich,  als  Maß;  bestimmter  Teil  eines  Fußes:  scchs
kusz,  drei  striche  JImmermann  Münchb.  1,  17;  strich
in  Böhmen  größeres,  in  Baiern  kleincres  Hohlmaß  sür
Getreide;  in  Ziegeleien  strich  ziegel,  Anzahl  der  auf
einmal  gestrichenen.  —  Zusammensetzungen:  Strichpunlt,
  m.  deutscher  Ausdruck  für  Semikolon.  Strichregen,
  m.  Regen  der  strichweise  sällt:  (Männchen)  das
mühsclig  gegen  einen  strichregen  unklimpfic  Keller
Werke  6,  212.  —  Strichschribe,  k.  Schießscheibe  die  in  der
Mitte  einen  senkrechten  Strich  bar  Schießvorsch.  22.
Strichschuß,  w.  Schuß  der  den  Strich  einer  Strichscheibe
trifst  ebd.  23.  —  strichweise,  nach  Strichen:  strichweiser
regen.  cin  landstrichweise  durchziehen;  zeitlich  gewendet:
richweise  arbeiten,  in  Absätzen,  mil  Pansen  Campe.
Stricheln,  mit  tleinen  Strichen  veriehen,  bezeichnen:
ctwus  etriche  ln,  tein  slricheln  Campej;  kleine  Striche