Full text : Große deutsche Aufsatzschule für den Schul- und Selbstunterricht.

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verwüstung  von  seiten  der  Franzosen,  nur  um  die  Feinde  von  einem
Einfall  in  ihr  Land  abzuhalten,  bestochene  Minister  und  deutsche
Fürsten,  die  es  mit  dem  Erbfeinde  gegen  ihre  Brüder  halten,  und
schließlich  trotz  der  deutschen  Tapferkeit  und  der  günstigen  Wendung
der  Dinge  eine  Schmälerung  des  deutschen  Reichsgebietes!  Wir
haben  zwar  auch  einen  Fürsten  aus  dem  Geschlechte  unserer  Hohenzollern,
  der  das  Schmachpvolle  dieser  Lage  tief  empfindet  und  alle
Kräfte  aufbietet,  die  Marken  des  Reiches  zu  schützen;  aber  wiewohl
Sieger  im  Kampfe,  muß  er  wie  ein  Besiegter  demütigende  Friedensbedingungen
  annehmen  und  die  Rache  für  französischen  Ubermut
seinen  Nachkommen  überlassen.

Doch  richten  wir  noch  einen  kurzen  Blick  auf  die  100  Jahre
später  liegende  Zeit,  auf  die  achtziger  Jahre  des  18.  Jahrhunderts.
Sah  es  damals  etwa  besser  aus  in  Deutschland?  Wohl  saß
wiederum  auf  preußischem  Throne  ein  Herrscher,  der  gewaltig  das
Schwert  zu  schwingen  wußte,  der  sich  in  siegreichem  Kampfe  gegen
eine  halbe  Welt  behauptete  und  Preußen  trotz  seines  geringen  Umfanges
  zu  einer  Großmacht  erhoben  hatte,  Friedrich  der  Große.
Aber  wenn  man  vom  Preußischen  Staate,  dem  Kern  des  künftigen
Deutschland,  absieht,  boten  nicht  die  Zustände  des  übrigen  Deutschland
  einen  beklagenswerten  Anblick  dar?  Schon  längst  war  das
W  Reich  als  Staatseinheit  um  alle  Achtung  gekommen,  und
sowohl  das  Oberhaupt,  als  die  Glieder  verfolgten  ihre  Sonderinteressen,
  unberimmert  um  das  Ganze.  Der  ständige  Reichstag
in  Regensburg  hatte  alles  Ansehen  verloren.  Vor  Reden  und
Unterhaltungen  kam  er  selten  zu  einem  Beschluß,  oder,  wenn  er
dazu  kam,  vermochte  er  es  nicht,  ihm  Nachdruck  zu  geben.  Mit
kleinlicher  Eifersucht  verfocht  man  veraltete  Rechte,  wachte  mit  der
größten  Sorgfalt  über  Rang,  Titel  und  Stimmberechtigung  und
widmete  zwecklosen  Konfessionsstreitigkeiten  alle  Zeit  und  Tätigkeit,
während  Fremoi#ge  den  vielfach  getrennten  und  uneinigen  Staatskörper
  mit  Verachtung  und  Ubermut  behandelten.  Welche  Wirkung
hat  die  im  Siebenjährigen  Kriege  gegen  Friedrich  erlassene  Achterklärung
  gehabt?  Welches  Gewicht  hatte  in  diesem  Kriege  die
Reichsarmee  in  die  Wagschale  gelegt,  sie,  die  in  der  Schlacht  bei
Roßbach  sich  so  schmählich  benahm,  daß  sie  noch  vor  Beginn  des
Kampfes  floh  und  sich  den  Spottnamen  „Reißausarmee“  verdiente?
So  gering  war  das  Ansehen  des  Deuschen  Reiches  gewesen,  daß
es  bei  den  Friedensunterhandlungen  zu  Hubertusburg  nicht  einmal
vertreten  war,  und  der  Abschluß  des  Friedens  ohne  seine  Zustimmung
erfolgte.  Der  Reichstag  wußte  nichts  dabei  zu  tun,  als  dem  Kaiser
u  danken,  daß  er  mit  landesväterlicher  Sorge  für  Erhaltung  der
Versassung,  Würde  und  Freiheit  des  Reiches  bedacht  gewesen  sei,  obwohl