Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

 

AUummer  246
M

Saint  Etienne“.  In  der  Patronentasche,  die
man  ihm  abnahm,  befanden  sich  30  belgische,
zum  französischen  Gewehr  passende  Patronen,
von  denen  die  noch  verpackten  die  Ausschrift
„Ars  17,  2.  14.  .  .  .  .  EIIDIIII
trugen.  —  Ein  französisches  Gewehr  und  belgische
  dan  #assende  Patronen!  Der  Zeitstempel
  17.  2.  1914  dürfte  auch  als  Material  dazu
kelibeen.  1  Frankreich  und  Belgien  sicher
schon  im  Februar  1914  einig  waren,  nur  gemeinsam
  zu  fechten.

500  000  französische  Tote
und  Verwundete.

Madrid,  15.  Okt.  Die  in  Barcelona  erscheinende
  Zeitung  „Dia  Grafico“  läßt  sich  am
29.  Sept.  von  der  französischen  Grenze  berichten,
  die  Franzosen  hätten  150  000  Tote  und
350  000  Verwundete.  Von  Gefangenen  wird
nichts  verlautbart.

Kämpfe  zwischen  Iwangorod  und
Warschan.
Kopenhagen,  15.  Okt.  Aus  Petersburg

wird  über  den  Umweg  über  London  gemeldet:
  Eine  große  Schlacht  findet  zwischen  Jwangorod
  und  Warschau  statt.  Die  Deutschen  stie.
ßen  mit  den  Russen  auf  dem  linken  Wei#hselufer
  zusammen.  Die  Kämpfe  haben  vor  einigen
  Tagen  begonnen.  Augenscheinlich  ist  das
deutsche  Zentrum  im  Feuer.  In  den  amtlichen
russischen  Berichten  wird  Jawornik  als  Angriffspunkt
  genannt.  Daraus  geht  hervor,  daß
die  Rusien  sich  während  der  Kampfpause  in
den  letzten  Wochen  von  der  Krakauer  Gegend
mindestens  35  Kilometer  von  Przemysl  zurückgezogen
  haben.  In  Warschau  hört  man  schwees
  Ceschützfeuer.
Das  lebte  russische  Aufgebot.

Gumbinnen,  15.  Okt.  Bei  den  russischen
Gefangenen  hat  man  zahlreiche  Soldaten  gesunden,
  die  im  Alter  zwischen  16  und  18  Jahren
stehen  und  zwangsweise  eingezogen  wurden.  Unter
  den  Gefangenen  befinden  sich  vielr,  die  mit
einem  gänzlich  unzulänglichen  Schuhwerk  belleidet
  sind.  Unter  den  Mänteln  tragen  sie  die  seegrasfarbenen
  Sommeruniformen  aus  Leinen.

Die  Operationen  der  Oesterreicher.

Wien,  15.  Okt.  Amtlich  wird  gemeldet:
Gestern  eroberten  unsere  Truppen  die  befestigten
  Höhen  von  Starasol.  Auch  gegen  Skary  u.
Sambor  gewann  unser  Angriff  Raum.  Nördlich

  des  Strwiez  haben  wir  eine  Reihe  von  Hösitz.

  Am  San,

—.——.  4

hen  bis  zur  Südostfront  von  Przemysl  in  Beflußabwärts
  der  Feitung,  wird
gleichfalls  gekämpft.  Unsere  Verfolgung  des
Feindes  über  die  Karpathen  hat  Wyszkow  und
Skole  erreicht.
Der  russische  Rückczug  in  Galizien.
Wien,  15.  Olt.  Der  Rückzug  der  Russen
aus  Galizien  schreitet  immer  weiter  fort.  Eine
Veröffentlichung  der  Regierung  fordert  die  geflüchteten
  Ortsbewohner  Galiziens  und  die  dorligen
  Behörden  auf,  sich  zu  melden,  da  die
Nussen  aus  mehr  als  80  galizischen  Ortschaften,
  die  sie  besetzt  hatten,  vertrieben  jind.  Etwa
100  Orlschaf!  #  zind  von  den  Russen  sreiwillig
geräumt  wor  ben.

 

"  Rosenhelmer  Anzelgen

Der  Kommandant  der  „Gmden“
F#regaltenbapitäu  Karl  von  zuäller.

 

 

Die  gefangenen  Russen
Oesterreich.

Wien,  15.  Olt.  Die  ue-  der  in  Oesterreich
  untergebrachten  russischen  Kriegegefangenen
  hat  48  000  überschritten.  Unter  den  Gefangenen
  befinden  sich  3500  Offiziere.

Die  Serben  abermals  geschlagen.

Graz,  15.  Okt.  Nach  hier  eingegangenen
Meldungen  ist  eine  neuerdings  in  BVornien  eingedrungene
  Serbenarmee  geschlagen  worden.
Der  Rest  befindet  sich  in  wildester  Flucht  nach
Serbien  zurück.

Serbengreuel.

Sofia,  15.  Okt.  Wie  die  Blätter  melden,
nehmen  die  Serbengreuel  in  Geugyel#,  Istip
und  Moleschewo  ungeheure  Auodehnm:  ig  an.
Im  Dorfe  Udowo  wurde  lü  rzlich  ein  Täürke,
in  Bedschet-Tschausch  zwei  Bulgaren,  im  Dorfe
Sermenin  im  Bezirke  Gemgheli  ein:  Bulgarin
  gekreuzigt.  Es  herrscht  darüber  große  Aufregung.


Schwere  Vorwürfe  aus  Serbien

gegen  die  Verbündeten.
Wien,  15.  Okt.  Die  „Südsflawische  Korrispondenz“
  meldet  aus  NRisch:  Der  „Narodni

Listi“  deröffentlicht  einen  von  der  Zensur  genehmigien
  Artikel,  in  welthem  ausgeführt  wird:
„Wenn  wir  die  militärische  Lage  auf  dem
Hauptkriegsschauplatze  ins  Auge  fassen,  so  mussen
  wir  zu  dem  Urteil  lommen,  daß  die  russische
  Offensive  gescheitert  ist.  Rußlund  hat  sich
mehr  zugemniet,  als  es  leisten  konnte.  Was
die  verbündeten  französischen  Armeen  anbelangt,
  so  sind  diese  fast  vollständig  geschlagen.
  Die  unwiderflehliche  Kraft  Deutschlands
hat  in  diesem  Momente  Velgien  schon  sozusagen
  von  der  europäischen  Landkarte  gestrichen.
Das  muß  uns  zu  denlen  geben.  Man  könnte
schon  jetzt  jene  Leute  feuftellen,  die  allein  dafür
  verantworllich  jind,  daß  die  Serben  das
Schicksal  Belgiens  teilen  werden.

 

In  Italien.

Basel,  15.  Okt.  Die  „Baseler  Nachrichten“
melden  aus  Rom:  Das  einzige  Programm
Zupellis,  des  neuen  Kriegsministers,  wird  sein,
Italiene  Heer  so  schnell  wie  möglich  bereit  zu
machen,  damit  es  jeden  Augenblick  in  den
Krieg  eingreifen  kann.

Ein  Attentat  in  Bukarest.

Bukarest,  15.  Okt.  Als  die  Brüder  Burton
  mil  dem  Sohne  Geschows  im  Antomobil
Zur  Teilnalme  uein  dem  Leichenzuge  für  den
Könin  ausfuhren,  seuerte  ein  junger  Türke,
der  von  Salonili  gelommen  und  einen  vom
20.  September  in  Konstantinonel  visierten  Paß
besaß,  vier  Revolverschüsse  auf  sie  ab.  Der
eine  der  Bider  erkrielt  einen  Schuß  durch  die
Lunge,  der  andere  wurde  leicht  verletzt.  Eine
Kugel  durchsarlug  (Leichows  Hut.  Der  Täler
wurde  verhaftet.  Es  wird  noch  berichtet,  daß
die  Schüsse  aus  nächster  Nähe  vom  Antotiittbrett
  abgegeben  wurden.

Wie  sie  lügen.

Kantinonel  15.  Otl.  Um  zu  zeiacu,
  mI  sehr  die  Cugländer,  Rlssen  und  Franboaien
  #  öffentlich:  Meinung  der  ränder  täuschen.
  gilt  „Ildam“  aus  dem  Turkhestaner
Blatte  .,  zeda-i=  Telend“  vom  20.  September
eine  Menge  falscher  Nachrichten  wieret  z.  B.
daß  die  Russen  siegreich  gegen  Berlin  und
Wien  vanrücken,  die  Deutschen  iu  Velgien  vernichtet,
  die  Franosen  auf  allen  Se.le#n  in  deutsches
  Gebict  eingedrungen  leien.  di#  engiiche
Klotte  glänzende  Siege  errungen  hatte  und  die
Muselmanen  der  ganzen  Welt  ein:1  außerrdentlichen
  Haß  gegen  Deutschiand  hegen  „Ildam“
  dei  -  sein  Erstaunen  über  einen  solch  en
(Grad  von  Lügenhaftigkeit  aus  und  ipricht  seine
Entrüflung  darüber  aus.

Die  Kriegsgeiahr  am
chwarzen  Meere.

3  ürich,  15.  Cn.  Der  „Corriere  della  Scra“
  berichtei:  Die  vussische  Schwarn  Meer-Flotte,
  die  am  Dienstag  vor  dem  Hafen  von
Vorna  vorüberfuhr,  habe  in  der  Richtung  auf
Konstantinopel  und  Burgas  einige  Schüsse  abgegeben.
  Das  Bukaresier  Blatt  „Unwersul“
siehl  darin  den  Beginn  der  Feindseligktiten  Rußlands
  gegen  die  Türkei.  Der  Schiffahrtebestand
  ist  verstärkt  worden  und  es  hat  in  Sebastopol
  ein  Admiralitätsrat  staltgefunden,  an
dem  der  Marineminister  Grigorowittsch,  die  Admirale
  Petror  und  Manktersli,  sowie  Vize-Admiral
  Russen  teilnahmen.

Rußland  und  Persien.

Konstantinopel,  15.  Okt.  Das  persische
Parlament  erklärte  die  russische  Antwort  auf
die  gewünschte  Zurückziehung  der  kussischen
Truppen  aus  Nordpersien  für  ungenügend,  und
forderte  die  Regierung  auf,  scharfe  MahUnahmen
  zu  trefsen.  Im  Junern  des  Lands  durchziehen
  mohammedanische  Priester  di.  Ortschaften
  und  predigen  den  Leiligen  Krieg  gegen  die
russischen  Unterdrücker.  Die  Erregung  unter  den
unabhängigen  persischen  Nomad'’ustämmen  ist!
allgemein  geworden.  In  den  bisherigen  Kämpsen
  haben  die  russischen  Truppen  Niederlagen
erlitten.  Die  Aufständischen  sind  im  Vormarsch
auf  russisches  Gebict.

Die  japanischen  Strauchd:ebe.

Kepenhagen,  15.  Oft.  Die  Londoner
„Timce“  erfahren  aus  Peking:  E'ne  iaparuche
  Avantgarde,  bestehend  aus  z####i  Kompagien
  Infanterie,  hat  Tsinanju,  die  Endlezien
  der  Schantungbahn,  besetzt.  Die:  ganze

Samstag,  12.  Oktober  1914

dort  versammelte  5.  chinesische  Dloision,  10  000
Mann  slark,  blieb  auf  Beobachtungsposten.  Es
lind  bereits  Zwischenfälle  vorgekommen,  buch
wurde  kein  offener  Widerstand  geienk:.  Ein
japanischer  Bahnbeamtenstab  ist  Jucchfalle  in
Timanfu  angekommen,  um  die  Staiion  zu  übernehmen,
  ähnlich  wie  die  Bahnstreken  im  Süden
der  Mandschurei.
China  gegen  Japan.

Frankfurt,  15.  Okt.  Der  „Fraulfurter
Zeitung“"  wird  aus  London  gemeldet:  Die  diplomatischen
  Beziehungen  zwischen  Tokio  und
Peking  sind  nach  dem  „Daily  Tuegraph“
gespannt.  Ferner  wird  dem  russischen  Vlatte
„Rußkoje  Slowo“  aus  Tokio  gao#neldet:  In
China  ist  ein  vollständiger  Umschwung  zugunsten
  Deutschlands  eingetreten.  Die  deutschen
Siegesmeldungen  werden  von  der  einheimischen
Presse  gefeiert,  und  die  Erfolge  in  Tsingtau,
sowie  des  Kreuzers  „Emden“  mit  Jubel  ausgenommen.


Portugiesisch-Kongo.

Lissabon,  15.  Okt.  Der  Gouverneur  von
Angelo  hat  für  Portugiesisch-Kongo  das  Kiiegsrecht
  erklärt.

Weligeschichtliche  Dokumenke.

Berlin,  15.  Okt.

Die  „Nordd.  Allg.  Ztg.“  veröffentlicht  amtliche
  Allenstücke  zur  Vorgeschichte  des  Krieges
und  leitet  ein:

Angesichts  der  bei  unseren  Geqnern  hervortretenrer
  Bestrebungen,  der  deutschen  „Mil'-tärpartei“
  und  dem  deulschen  Mililariemu-  die
Schuld  an  dem  gegenwärtigen  Krieae  zuzuschieben,
  veröffentlichen  wir  nachstehend  eme  Reihe
von  Berichten  der  deutschen  diplomallichen  Vertreter
  im  Auslande,  die  die  volituchen  und
militärpotitischen  Bejiehungen  der  Enienlemächte
  vor  dem  Kriegsausbruch  zum  #wegenstcnd
  haben.  Von  der  Bezeichnung  der  derichtenden
  Stellen  und  des  genauere#  Dalums
ist  aus  naheliegenden  Gründen  laejett.  worden.
  Die  Schriftstücke  sprechen  (ur  sich  selbst.
Imm:  c  kngckwerdend-cVII-Univevale
WkiccsdckfkashskiischcnDER-Janus  ge-...q1Einlandwocnlndcn


Das  erste  ist  datiert  aus  dem  Mätz  1513.
Darin  heißt  es:  „Schon  in  den  ersten  Ploen
des  Marolsolonfliltes  hat  belanntlich  England
an  Frankreich  Zusagen  militärischer  Natur  gemacht,
  die  sich  inzwischen  zu  konlreten  Vereinbarungen
  der  beiderseitigen  Generalitäle  verdichtelen.
  Bezugli  ch  der  Abmachungen  mege
Koperalion  zur  See  erfahre  ich  von  gewohnlich
  gut  unterrichleter  Stelle  l#  endes:  Die
engusche  Flotte  übernimmt  den  Schuß  der  Nord  -
Iscvcsshnalsunddos  Allantiichen  OFans,
um  Frankreich  die  Möglidskeit  u  peben,  seine
Seestreitkräste  im  wesllichen  Bafün  des  Mitteliändischen
  Meeres  zu  lonzentrierern.  wobei
liin  als  Stützpunli  für  die  Flotte  Malta  zur

Verfüguna  gestellt  wird.  Die  Details  beziehen
sich  aus  die  Verwendung  der  französüchen  Torpedossotiilen
  und  Unterseeboote  im  Kanal  und
des  engqlischen  Mittelmeergeschwaders.  das  bri
Ausbruch  des  Krieges  dem  französ  sischen  Admiral
  unterstellt  wird.

Inzwischen  hat  die  Hallung  der  englischen
Regierung  während  der  marollanischen  Krilfis
im  Jahre  1911,  in  der  sie  sich  als  ebens!  kritilleies
  wie  gefügiges  Werlieug  der  iranzösischen
Politik  ermiesen  hat  und  durch  die  Lord  Gertgesche
  Rede  den  französischen  Chauviniemus
neuen  Hoffnungen  ermutigte,  der  franwösischen

  

 

Gundula.

Roman  von  A.  von  Trystedt.
Sie  sann  und  grübelte  und  lonnte  zu
keinem  Ende  kommen.  Wenn  das,  was  sie
vermutete,  sich  bewahrheiten  sollte,  durfte  die
Verlobungefeier  nicht  si#atliinden,  oder  der  Name
icke  war  für  alle  Zeit  kompromirtiert.
Wie  aber  sollte  e  verhindern,  mas  Eugenie
mit  ar  allen  ihr  zu  Gebote  stehenden  Mitteln
eir

20)

8  Gundulas  selbstlosen  Sinn  konnte  die
Stiefmutter  sich  nicht  hineindenten,  sie  hielt
dieselbe  im  Gcgenteil  für  neidiich  und  himterlistig
  und  würde  ichon  aus  diesem  Grunde  niemals
  die  Ratschlage  ihrer  Slieftochter  befolgt
habden.  Sich  an  den  Vater  zu  wenden,  würde
absolut  keinen  Zweck  gehabt  haben:  denn  er

besaß  elnen  Einfluß  auf  die  Entschliesungen
seiner  Frau

2  aber  sollte  sie,  Gundula,  dastehen,
wenn  sich  ihr  Verdacht  nicht  bestätigte?  Handschristen
  können  einander  ähnlich  sein.

Nein,  nein,  sie  durfte  nichts  unternehmen,
mußte  ihren  Argwohn  für  sich  behalten,  um
nicht  von  vornherein  für  Gmißgünstig,  für  einen
Störenfrled  gehalten  zu  wm

Inzwischen  sagte  Gugoale"  au  ihrer  Tochter:

„Hast  du  gesehen?  Der  Neid  funkelte  ihr
nur  so  aus  den  Augen;  sie  wird  alles  daransetzen,
  um  die  Verlobung  zu  hintertreiben.  Du
nolltest  vorsichtiger  sein,  Vera;:  diese  scheinheiligen
  Geschöpfe  vermögen  viel.  Wenn  sie  es
darauf  anlegt,  den  Baron  für  sich  zu  gewinnen,
gelingt  ihr  ꝰ  uschla  möglicherweise,  besonders,

du  sortfährst,  ebenso  unliebenswurdia

 

e  Anatole  zu  sein,  wie  du  es  in  Paris
t.“

„Wenn  Chatelaine  mehr  Gefallen  an  Gundula
  als  an  mir  findet,  so  mag  er  sie  heiraten,“
meinte  Vera  mit  gröstter  Seeleuruhe,  „ich
weine  ihm  keine  Träne  nach  und  rühre  nicht
den  kleinen  Finger,  um  ihn  zu  sesseln.  Darüber
aber,  daß  Gundula  hier  ein  intrigantes
Zwischenspiel  treiben,  Anatole  für  sich  zu  gewinnen
  zrachten  lönnte,  darist  du  beruhigt  sein.
Kleinlich  und  schlecht  ist  das  Mädel  nicht.“

„In,  aber  warum  sucht  sie  die  Verlobung
zu  hintertreiben?  Wie  erklärst  du  dir  das?“

Vera  zuckte  die  Ac#btseln.  „Pedanterie,  übertriebene
  Vorsicht.  Laß  sie  1“

„Sei  nur  nicht  zu  vertrauensselig,  Verachen.
In  der  Liebe  hört  der  Edelmut  auf.  Vielleicht
  hat  Gundula  deinen  Verlobten  bereits
früher  auf  ihren  Reisen  kennen  gelernt  und  er
gen  sin  worubergehend  um  ihre  Gunst  bemüht.

e  dabei:  gönnt  ihn  dir  nicht,  sie
III  etieriuchttg  auf

„Da  magst  du  anelleIicht  recht  haben,  Mama,“
meinte  Vera  nachdenklich.  „Auffällig  war  ihr
Benehmen  jedenfalls;  sie  schien  Anatoles  Handschrift
  zu  tennen.  Nun,  sie  soll  mich  nicht  umlann
  gewarnt  haben,  ich  werde  meine  Augen
offen

*  gefäunt  du  mir  schon  besser.  Und
nun  schreibe  Anatole,  daß  du  seinen  Wunsch
gern  erfüllst,  und  daß  die  zur  Verlobung  geladenen
  Gäste  versammelt  sein  werden  bei
seiner  Ankunft.“

„Gut,  Mama,  ihr  mögt  euren  Willen  haben.
Ich  süge  mich  aber  gegen  meine  Ueberzeugung.
Es  ist  eine  Stimme  in  mir,  die  mich  vor  dleser
übereilten  Veier  warnt.“

„Was  sind  das  lür  törichte  Bedenken!  Wie

 

kannst  du  von  Uebereilung  sprechen,  wo  du
Anatole  seit  Monaten  jenust  und  Papa  auf
seinem  Schlosse  persöntm  mschau  gehalten  hat!“

ewiß,  es  wär:  jan  auch  zwecklos,  die
Sache  hinauszuziehen.  So  wollen  wir  nur
das  Festprogramm  eniwersen.“

Die  näc
dahin.  Die  Ei

hjten  Tace  schwanden  wiec  Stunden
Mlabunsr.  barten  wurdengeschrieben,
das  nötige  Aushilispersonal  gemietet,  die  verschiedensten
  Austräg  an  Konditorei,  Stadtlüche
und  andere  Lieser#nten  erteilt.  Es  soilte  ein
Fest  werden.  von  dem  man  noch  Jahr  und
Tog  sprach.

Eicke  war  von  einer  nahezu  fürstlichen  F  Frei- 



giebigkeit.  Er  hatte  nur  für  diese  eine  Tochter
zu  sorgen.  Da  durfte  keine  Summe  zu  hoch
sein.  Gundula  bela  ihr  eigenes,  großes  Ver

mögen,  und  wer  weiß,  ob  sie  je  heiratete.  Es
mußte  schon  ein  sebe  suannnd  durchgeisligter
Mann  sein,  der  sich  für  die  sanste,  stille  und
scharf  beobachtende  Gundel  Interessierte.  Für
all  die  oberflächlichen,  witzigen,  hopermodernen
jungen  Leute,  welche  hier  verkehrten,  kam  ihre
lüße  Schönheit  und  zarte  Mädchenhaftigkeit  gar
nicht  in  Betracht.

Ehe  man  sich  dessen  versah,  war  der  bedeutungsvolle
  Abend  herangekommen.  Das
Tbermomeeter  stand  tief  unter  Null,  starker  Frost
war  eingetreten.

In  er  Villa  Eicke  hatte  man  zu  elnem
Fruh  ingsfest.  eingeladen  und  dementsprechend
alle  Räume  dekorier
Deiichegplanee  und  Sträuße  schmückten
die  Tasel,  und  wo  in  der  Flucht  der  sestlich
erleuchteten  Räume  ein  Plätzchen  am  Boden
frei  war,  hatte  man  Kästen  mit  Frahlinge,
blumen  in  der  Weise  ausgestellt,  daß  sie  wie
Gartenbeete  wirkten.  Ein  wonniger  Lenzes- 



 

hauch  durchzog  alle  Naumee.  6½  lag  wie  bräutliches
  Leebeoglüc  in  der

Gundula  wäre  der  qunl  woleen  Feier,  die
mit  ihrer  Trauer  so  schlecht  harmonierte.  gar
zu  gern  ferngeblleben.  Aber  wenn  sie  untalig
in  ihrem  Zimmer  blieb.  nahm  das  Huteil!  seinen
Lauf.  Das  sollie  und  durfte  nicht  seir

Sie  wußte  auch,  daß  Onkel  9  es  nur
von  ganzer  Seele  Kebilligt  haben  würde,  wenn
sie  sich  zwanglos  den  Freuden  ihrer  Jugend
hingegeben  hätte.  Was  hatte  auch  die  harmlose
  Fröhlichkeit  einiger  Stunden  mit  der  tiefen
Trauer  zu  schaffen,  die  sie  um  den  Heimgegangenen
  fühlte!  Noch  Jahr  und  Tag  würde
ie  ihn  beweinen,  den  Creund  und  Beschüger
hrer  Jugend,  siets  in  Liebe  und  Dantkbarteit
einer  gedenken.  Das  aber  war  ihre  eigenste
Herzenssache.  Es  kam  ihr  nicht  in  den  Sinn,
bre  Trauer  olfen  zu  geipen,.  oder  vielleicht  gar
gemand  damit  lästig  zu  sall

ie  hatte  ein  weißes  Seldentleid  angelegt,
die  Tunika  war  reich  mit  Silberstickerei  verziert.
  Ein  weißes  Band,  dessen  Rosetten  durch
srische  Maiblumen  Febildet  wurden,  wand  sich
durch  ihr  blondes  Haa
re  angen  glühten,  und  die  blauen

u  strahlten  das  Feuer  der  ersten  Jugend

s  Eicke,  welcher  gleichfalls  sehr  zeiti
die  2  betrat,  rer  enosten  Tochte  nc.
sichtig  wurde,  konnte  er  einen  Ausruf  der  Bewunderung
  nicht  unterdrücken.

Gundula  errötete  vor  Freude  noch  tiefer.

„Also  gefsalle  ich  dir,  liebster,  bester  Papal
Oy,  dae  macht  mich  glücklich!“

d  wie  ein  Rausch  überkam  es  sie.  Sie

Dofite,  daß  ihr  Verdacht  sich  muchtbesitigen  werde,  1