Full text : Reden und Aufsätze aus dem Kriege.

und  bittersten  Feind  enger  und  enger  ziehen,  darf  und  wird  die
Heimat  nicht  rasten.  Ich  bin  überzeugt,  dass  alles,  was  von  den
Taten  unserer  Brüder  draussen  zu  Wasser  und  zu  Lande  Tag  für
Tag  an  unsere  Ohren  dringt,  für  uns  alle  in  der  Heimat,  vor  allem
auch  für  die  deutschen  Landwirte  und  Landfrauen,  ein  stels  neuer
Ansporn  zu  höchster  Anspannung  aller  Leistungen  ist.

Sie  werden  heute  über  den  Wirtschaftsplan  für  das  neue
Erntejahr  beraten.  Sie  dürfen  überzeugt  sein,  dass  Sie  bei  der
Reichsleitung  und  den  Regierungen  der  Einzelstaaten  jede  nur
mögliche  Unterstützung  und  Förderung  finden  werden  ın  Ihren
Bestrebungen,  die  Erzeugung  zu  erhalten  und  zu  heben.  Wir  sind
uns  darüber  klar,  dass  wir  mit  der  Förderung  der  Produktion
nicht  nur  der  Landwirtschaft,  sondern  auch  den  wohlverstandenen
Interessen  der  Verbraucher  dienen.  Ich  weiss,  es  gibt  auf  diesem
Gebiet  stark  umstrillene  Punkte.  Ihre  Erörterung  wird  das  aufs
neue  bestätigen.  Die  Notwendigkeit  des  Erfassens  und  Verteilens
der  Erzeugnisse  stösst  oft  genug  hart  zusammen  mit  der  Notwendigkeit
  der  Produktionsförderung.  Beide  Erfordernisse  zu  versöhnen,
  nicht  nur  durch  Gesetz  und  behördliche  Vorschriften,
sonderr.  auch  durch  Einsicht  und  guten  Willen  von  Erzeugern  und
Verbrauchern,  das  ıst  die  grosse  Aufgabe,  deren  Lösung  uns
Ihre  Verhandlungen,  wie  ich  zuversichtlich  hoffe,  näher  bringen
werden.

Aber,  meine  Herren,  bis  zur  nächsten  Ernte  ist  noch  ein
weiter  und  nicht  ganz  leichter  Weg.  Auch  der  beste  Wirtschaftsplan
  für  das  nächste  Jahr,  auch  die  zäheste  Arbeit  und  Aufopferung
  des  Landwirts  für  die  kommende  Ernte  enthebt  uns  nicht
der  ehernen  Notwendigkeit,  für  eine  Reihe  von  Monaten  mit  dem
Vorhandenen  auszukommen.  Wir  haben  die  Gewissheit,  dass  unsere
Bestände  ausreichen,  wenn  überall  die  gebotene  Sparsamkeit  waltet,
nicht  nur  bei  den  Verbrauchern,  bei  denen  sich  die  Sparsamkeit
durch  die  knappe  Zuteilung  von  selbst  erzwingt,  sondern  auch
bei  den  Erzeugern,  die  von  den  Früchten  der  eigenen  Scholle
leben.  Die  Bevölkerung  der  Städte  und  Industriebezirke,  die  Millionen
  ohne  eigene  Scholle,  haben  Wochen  schwerer  Entbehrungen
hinter  sich.  Ihre  ohnedies  knappen  Rationen  wurden  durch  den
harten  Frost,  der  wochenlang  die  Zufuhren  isperrte,  auf  das