Volltext : Sozialdemokratie, Christentum, Materialismus und der Krieg.

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sehen  und  Verständnis;  —  übertragen  auf  Trichterförmiges:
  trichter  wodurch  man  bei  gewissen  spielcn
die  würfel  wirft,  pyg#s  Steinbach;  trichter  einer
mipe,  cines  vulkans;  das  anatomische  theater  in
einem  spitzen  hohen  triehter  sind  die  zuhörer  uher
einander  gesehiebtet  Goethe  ilal.  Reise  1;  trichter  an
wachs-  oder  pechfackeln,  Schutzvorrichtung  von  Pappe
oder  Blech  an  denselben,  damit  nichts  ablropse  Jacobsson;
  trichter.  insundibulum  cerebri,  Bezeichnung  eines
Ganges  im  Gehirn;  griechiseber  trichter,  Dadegracc,
gestrahlter  triebter,  patella  nimbosa,  Name  zweier  Napfschnecken
  Nemnich,  u.  a.;  dazu:  klult,  die  sich  ruckwärts
  trichterförmig  zu  einer  röhre  gestaltet  Moltke
8,  56.  —  trichtertt,  durch  einen  Trichler  einflößen:  jenem
trichtert  eine  lanse  des  bieres  weisheit  in  den  bauch
Günther  170;  bier  in  flaschen  trichtern  Campe;
bildlich:  cinem  etwas  in  die  ohren;  vgl.  eintrichtern.

Trieb,  m.  1)  Handlung  und  Recht  des  Treibens,
mhd.  trip,  gewöhnlich  in  Bezug  auf  Weide=  und  Jagdtiere:
  viehtrieb,  getus  pecudum  Stieler;  trieb  des
viehes,  auf  die  Weide  Adelung;  trieb  bei  Jägern,
Treiben  oder  Treibjagen,  den  trieb  blasen  ebd.;  —  Triebrecht:
  trieb  und  trat,  das  Recht  seico  Vich  auf  einem
Boden  zu  veiden  beon.  Lex.  2506;  wo  ein  soleher  gemeinschaftlicher
  vich-rieb  ist  ebd.;  —  übertragen  auf
die  getriebene  Herde:  ein  trieb  ochsen,  schafe  Adelung;
nücht  ist  in  unsern  trieb  der  gleiszend  wolf  gefallen
Uhland369;  frei:  um  ihn  her  der  helden  trieb  Schiller
Eberhard  d.  Greiner;  rekruten  einen  ganzeo  trieb
Räub.  2,  3;  —  in  allgemeinerem  Sinne:  trieb,  zwang
und  nötigung  zum  werk  Maaler;  vgl.  an-,  auf-,  be-,
vertrieb.  2)  Triebkrast,  treibendes  Element,  mhd.  als
trip,  mud.  als  drif  bezengt,  was  sich  uhd.  als  treib
sortsetzen  müßte  (selten  bezeugt:  ausz  treib  gewissens
Dief.-Wülcker  876  v.  1594),  während  unsere  Form
auf  das  oben  1  genannte  mhd.  trip  zurückweist:  trib,
stosz,  propulsus,  pulstis,  impuf#us,  trib,  reizung,  stimuslatio,
  agitatfo,  ineifamentum  instinck#s,  jactatio
Maaler;  trieb,  instinetus  Schottel;  bei  Menschen
und  Tieren:  gemutstrieb,  trieb  der  begierden,  licbestrieb,
  strüflicher,  wunderlicher,  heiliger  trieb  Stieler;
innerer  (Goethe  Clav.  2),  sinnliceher,  tbicriseher
(Wieland  Danischm.  38),  edler,  ritterlicher  (Goethe
nat.  Tocht.  1,  2),  schöpferischer  (Freytag  Bild.  1,  18)
trieb:;  nimmt  ein  gewisser  trieb,  cin  suszer  trieb  mich
ein  Gellert  Oralel  1,  2;  trieb  des  bluts  Schiller
Br.  v.  Mess.  2078;  ich  kenne  eures  eilers  reinen  trieb
M.  Stuart  2,  3;  trieb  zum  vaterlande  Glocke  316;  den
gemeinsehaftlichen  trieb,  ihre  thätigkeit  auszudehnen
Schrift.  1,  42;  auf  philosophische  weise  .gefördert  zn
werden,  haiten  wir  keinen  trieb  noch  hang  Goethe
Du  W.  11;  gern  im  Plur.:  wenod  der  verstand  durch
die  triebe  des  willens  bestürmt  wird  Gellert  zärll.
Schwest.  1,  10;  gewohnheit  regelloser  triebe  Wieland
Melinde  83;  lieb  ist  ..  die  mutter  aller  milden  tricbe
Arndt  368;  susze,  seböne  (Schiller  1,  13),  unschädliche
  (Goethe  Herm.  u.  Dor.  1),  müchtige  (Ranke
Werke  1,  22),  innere  (198)  triebe;  alle  triebe  seines
geistes  292;  triebe  der  eotwiekelung  und  des  fortschrittes
  51;  triebe  des  kampfes  und  widerstandes  erwachen
  Häusser  d.  Gesch.  3,  6;  bei  Pflanzen:  der  lebendige
  tried  (eines  Baumes)  Schiller  6,  307;  eine  pflanze
steht  im  triebe,  ihre  innere  Triebkraft  bethätigt  sichbildlich:
  es  war  der  letzte  trieb  von  einem  durren  boiz
Wieland  Ob.6,  43;  epoche,  in  weleher  dis  religiös-Politische
  lebensthätigkeit  der  deutschen  nation  in  ihren
kraftvollsten.  trieben  stand  Ranke  Werke  1,  5;  der
getriebene  Schößling:  junge  triebe  einer  pflanze:  raseh
schieszt  der  pflanze  trieb  zom  schlanken  kie!  Goethe
was  wir  br.,  Forts.  2;  zjuhrestrieb  von  nadelhölziera;
bildlich:  ein  uller  trieb,  doch  immer  muthig  keimend
Freiligrath  3,  52;  —  trieb,  bewegende  Krait  und

M.  Heync,  Deulsches  Wörlerbuch,  1III.0

trichtern  —  Trieb.

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Bewegung  an  Dingen:  wenn  das  wasser  grosz  und
in  starkem  trieb  sei  Dies.-Wülcker  876  (von  1599);
sand  im  triebe;  nie  nutzt  das  werk  sich  ab,  nie  stoeckt
der  trieb  der  kedern  Wieland  Nat.  d.  Dinge  3,  561;
trieb  Bezeichnung  eines  bewegenden  Rades  in  einer
Maschinerie  Jacobsson;  sehieszgewohr  hat  einen  guten
trieb,  wenn  es  die  Kugel  weit  treibt  Adelung;  in
langen  knnonen  oder  läufen  verliehret  die  kugel  einen
theil  ihres  triebes,  ehe  sie  zur  munduog  kommt  ebd.;
auch  allgemein:  in  den  trieh  kommen,  in  Gang,  Bewegung
  ebd.  —  Zusammensetzungen:  Triebseder,  k.
Feder  die  den  Trieb  für  eine  Maschine  gibt;  häufig
ildlich:  meine  ganze  seele  hat  neue  triebfedern  bekommen
  Lessing  Minna  5,  2;  die  erste  triebleder  der
menschlichen  natur  (die  Liebe)  Leisewitz  Inl.  v.  Tarent
3,  3;  ihre  (der  Regierung)  geheimsten  triebfedern  auszuspähen
  Schiller  1,  117.—  Triebkraft,  f.  Kraft  zum
Triebe:  tr.  einer  pflanze,  maschine;  so  dasz  ich  meinerseits
  keine  triebkraft  auf  die  sache  hätte  verwenden
können  Bismarck  Red.  13,  266.  —  Triebrad,  u.  Nad
das  den  Trieb  in  einer  Maschine  bewirkt  (vgl.  oben
trieb);  ost  bilblich:  auch  für  den  glucklichen  erfolg  in
den  reichsverhandlungen  .  verde  dieser  bischof  ein
gutes  triebrad  sein  Ranke  Werke  I,  327;  dieses  gewaltige
  triebrsd  in  der  staatsmaschine  Moltke  7,  93.
—  Trichbsand,  m.  loser  Sand,  glarea  Stieler.  —
Trichwerk,  u.  Werk  das  in  Trieb  gebracht  wird,  Maschine
Campe;  Werk  das  eine  Maschine  in  Trieb  bringt:
ein  rnd,  ein  triebwerk  stockt  Hagedoru  Epigr.  89.

Triebel,  m.  Werkzeug  zum  Treiben,  mhd.  tribel;  bei
Böllchern  Gerät  zum  Antreiben  der  Reise;  krummer
Arm  an  der  Welle  eines  Spulrades,  wovon  dasselbe
herumgedreht  wird  Jacobsson.

Triefen,  in  hinter  einander  folgenden  Tropsen  niederfließen
  oder  fließen  lassen;  gemeingerm.,  nur  golh.  nicht
bezeugtes  Verbum  ohne  sichere  indogermanische  Entsprechung,
  altnord.  drjüpa,  altengl.  dreöpan,  allsries.
driapa,  altsächs.  driopan,  ahd.  trinfan,  triofan,  mhd.
triefen;  in  starker  Form  (ältere  Spr.  du  treufst,  er
treust).  die  bis  jetzt  dauert,  woneben  aber  auch  schwaches
Prät.  sich  eingefunden  hat:  die  thränen  triciten  ihm
aus  den  augen  Adelung  (als  seltenere  Form  für  trotken):
gesagt  von  tropsensörmig  Fallendem:  regen,  tau.  schweisx,
blut  trieft;  der  regen  troff  nicht  mehr  2.  Mof.  9,  33;
triefender  honigseim  Hohel.  1,  11;  honig  trieft  aus  der
wabe;  dare  näh  treif  din  mirra  dar  az  Williram
91,  11;  bi  dem  bonige  .  daz  jenem  troul  in  den  munt
Barl.  120,  10;  bis  das  wasser  vom  himel  uber  sie  troff
2.  Sam.  21,  10;  ein  strudel  aus  dem  manl  im  troff
HSachs  Fab.  2,  67;  aul  rebenbergen  lern  und  unh
troff  nektar  schon  für  meinen  mund  Bürger  Danllicd;
uUnpersönlich:  es  treuft  im  keller,  es  treutt  immer  fort
Stieler:  srei,  bildlich:  der  segen  treuft  vom  bimmel
hernb  ebd.;  meine  lere  triefe  wie  der  regen  5.  Mos.  32,  2;
das  mein  grimm  niebt  triefe  auf  Jerusalem  2.  Chron.
12,  7;  von  Orten  und  Gegenständen,  aus  denen  es  in
Tropfen  fällt:  triefendiu  dach  Minnes.  Frühl.  120,  18;
der  himmel  troff  Richt.  5,  4;  seinen  tricfenden  mantel
Keller  Sinng.  276;  trielende  augen,  nase;  biblisch
trielen  mit  ctwas:  die  wolken  troffen  mit  wasser  Nicht.
5,  4;  meine  hende  troffen  mit  myrrhen  Hohel.  5,  5;  die
berge  werden  mit  suszem  wein  trielen  Amos  9,  13;  sonst
triefen  von  etwas:  deine  fusstapfen  trielen  von  sett
Pf.  65,  12;  o  tröffe  deine  wande.tröffle  sic  von  todesblute
  Klopstock  9,  357;  die  scehwarzen  locken  troffen
noch  von  regen  Göckingk  Lieder  zweier  Lieb.  117;
wenn  ich  vom  thau  triese  Freytag  Bild.  1,  93;  das
ruder  des  führmanns  troff  unnufborlich  von  funkelndem
silber  Keller  Werke  6,  101;  das  zugnetz.  das  vom
letzten  fange  troff  Freiligrath  1,  15;  srei,  bildlich:
ich  vernbschene  gunstbezeugungen.  die  von  den  thrünen
der  unterthanen  krielen  Schiller  Kab.  1,  9;  jeder  lusz-66



Triebfeder  —  triefen.