Full text : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

Hentsch  zu  stellen,  bis  dleser  auf  Grund  seiner  Feststellungen  von  der
allein  zuständigen  O.  S.  L.  die  Entscheidung  erwirkt  hätte.

Gewiß  wurde  auch  belm  Cberkommando  der  7.  Armee  in  keiner
Weise  verkannt,  daß  an  die  Leistungsfähigkeit  und  Spannkraft  der  Truppen
nie  dagewesene  Zumutungen  gestellt  waren,  daß  ihre  Stärke  auf  die  Zälfte
des  Auerückestandes  zurückgegangen  war,  und  daß  Ersatz,  Munition  und
alle  sonstigen  Bedürfnisse  bei  der  Länge  der  rückwärtigen  Verbindungen
immer  mehr  zurückbliebem.  Die  Armeen  liefen  gewissermaßen  ihrer  eigenen
Schleppe  weg,  so  daß  mein  Armee-Oberkommando  noch  am  Il0.  September
  um  15  nachmittags  Maßnahmen  der  G.  S.  A.  zur  rascheren
Seranführung  des  Prsatzes  erbeten  hatte.  Alle  diese  Sorgen  legten  natürlich
einen  Stopp  oder,  wenn  es  der  Gesamtlage  wegen  sein  mußte,  sogar
ein  Zusammenzieben  auf  eine  kürzere  rückwärtige  Linie  nahe.  Es  fragte
sich  aber,  ob  der  letzte  Zauch  von  Mann  und  Roß  in  diesem  Augenblick
nicht  doch  noch  herauegeholt  werden  mußte,  die  große  Schlacht  durchzuschlagen
  und  lieber  erst  die  Tiederlage  der  Feinde  zur  eigenen  Erholung
auozunutzen!

Tatsächlich  war  das  Marne-Unheil  zu  dieser  Zeit,  als  Zentsch  die
5.  Armee  schleuntast  verließ,  schon  im  Rollen.  Ich  versage  es  mir,  auf
die  von  mir  schon  an  anderer  Stelle  berührten  Vorgänge  einzugehen,  die
zuerst  im  Oberbommando  der  2.  Armee  den,  wie  wir  heute  wissen,  unbegründeten
  Rückzugsentschluß  ausgelöst  und  dann  später  auch  das  ZJurückgehen
  der  I.  Armee  und  des  rechten  Glügels  der  3.  Armee  zur  Folge  gehabt
batten.  Ich  beschränke  mich  auf  eine  kurze  Darlegung  der  Verhältnisse,
unter  denen  mein  rechter  Nachbar  —  die  4.  Armee  —  und  melne  eigene  Armee
von  der  Wendung  der  Gesamtlage  betroffen  wurden.

Der  linke  Flügel  der  3.  Armee  (XIX.  A.  K.)  war  der  4.  Armee  westlich
  Vitry  le  Frangoie  angeschlossen.  Bie  Sermaize  hin  erkämpfte  diese
Armee  in  siegreichem  Fortschreiten  schon  auf  dem  südlichen  Marne-Ufer
verheißungsvolle  Erfolge  für  ihr  beabsichtigtes  Zinschwenken  im  Derein  mit
der  5.  Armee  nach  Südosten,  als  der  Rückzugebefehl  alle  Soffnungen  tilgte.

Die  Lage  meiner  Armee  mit  ihrem  rechten,  dem  Rampfflügel,  von
Vassincourt  südöstlich  Revigny  bis  Zeippes,  sprungbereit  auf  Bar  le  Duc,
sobald  dle  4.  Armee  welt  genug  nach  Südosten  herumgeschwenkt  sein  würde,
war  nicht  ungünstiger  als  zuvor.  Telle  des  KVIII.  R.  R.  mit  dem
ZRavallerie-Rorps  Sollen,  das  VI.,  XIII.  und  XVI.  A.  N.  fochten  zwar

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