Full text : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

III.  Das  Retablissement  des  preußischen  Staates.  133

nis;  darum  nehme  er  das  Gute,  das  ihm  beschieden,  mit  Ver—
gnügen  und  trage  das  Ueble  geduldig;  aber  er  könne  nicht
billigen,  wenn  man  dem  Glück,  das  die  Heiden  als  blind  und
ungerecht,  launenhaft  und  unbeständig  schilderten,  die  Vorsehung
gleich  stelle,  ihr  also  dieselben  üblen  Eigenschaften  zuschreibe.
Das  sei  förmliche  Blasphemie.  Und  dann  fährt  er  fort:  „Voll
tiefer  Ehrfurcht  vor  der  Gottheit,  hüte  ich  mich,  ihr  auch  nur
in  Bezug  auf  den  geringsten  Sterblichen  ein  ungerechtes,  un—
beständiges  und  tadelnswertes  Betragen  zuzuschreiben  und  glaube
deshalb  lieber  nicht,  daß  das  höchste  Wesen  in  seiner  Güte  und
Allmacht  sich  um  alle  Einzelnheiten  der  menschlichen  Dinge  küm—
mert,  halte  vielmehr  alles,  was  den  geschaffenen  Wesen  be—
gegnet,  für  die  notwendige  Wirkung  sekundärer  Ursachen,  beuge
mich  schweigend  vor  dem  anbetungswürdigen  Wesen  und  be—
kenne  die  Unkenntnis  seiner  Wege,  die  mir  zu  offenbaren  seiner
göttlichen  Weisheit  nicht  gefallen  hat.“

Auch  über  den  Krieg  dachte  der  König  jetzt  anders  als
einst  im  Antimachiavell.  Weil  er  alle  anderen  Heimsuchungen
in  sich  schließt,  ist  er  ihm  das  größte  Uebel,  freilich  ein  zu
Zeiten  notwendiges.  Berechtigt  ist  er  nur,  wenn  er  den  Frieden
herbeiführen  soll.  Je  mehr  der  letzte  Krieg  durch  seine  Dauer
bereits  die  Kultur  gefährdet  hatte,  um  so  mehr  wünschte  er
dauernden  Frieden  und  war  entschlossen,  alles  zu  vermeiden,
was  neuen  Krieg  drohen  konnte.  Deshalb  mußte  die  Sorge
für  Erhaltung  und  Stärkung  der  preußischen  Wehrkaft  dieselbe
bleiben,  namentlich  im  Hinblick  auf  den  bedenklichen  Zustand
der  Armee  beim  Ende  des  Krieges.  Die  alte  Ordnung  und
Disziplin  war  fast  vergessen.  Selbst  die  dem  König  eingereichten
Listen  der  Regimenter  und  Rapporte  hatten  sich  als  unzuverlässig
erwiesen.  Die  Masse  der  Kleinigkeiten  aber,  auf  die  es  bei
Bekämpfung  der  Mißstände  ankam,  selbst  zu  bewältigen,  war
für  den  König  unmöglich.  Deshalb  schuf  er  damals  das  Insti—
tut  der  Armeeinspektoren,  die  auch  die  Aufsicht  über  die  Rekru—
tierung  und  die  Entlassung  der  ausgedienten  Soldaten  zum
Zweck  der  Ansiedlung  erhielten.  Während  bei  der  Kavallerie
eine  Reduktion  erfolgte,  galt  es  das  Fußvolk  zu  vermehren  und
zu  verjüngen.  Dazu  half  die  Rückkehr  der  zahlreichen  Kriegs-