838 Br#sches Reicz. (Oktober 2.)
Ihre Aufmerksamkeit auf einige staats- und finanzwirtschaftlich besonders
wichtige allgemeine Gesichtspunkte zu lenken. Wer die Entwicklung der Lage
des Staatshaushalts seit anfangs der 1870er Jahre verfolgt, wird finden,
daß sie nach Beseitigung bestandener Schwierigkeiten durch Verbesserung
der eigenen Einnahmen des Staates wesentlich beeinflußt wurde und blieb
durch das Verhältnis zum Reich und zum Reichshaushalt. Während die
Bundesstaaten in der Beschaffung der Mittel eingeengt wurden, ist für
das Reich der Kreis der Möglichkeiten, die Mittel für öffentliche Zwecke
zu beschaffen, und wohl auch die Opferfreudigkeit nahezu unbegrenzt. Um
so mehr wird daran festzuhalten sein, daß die verbliebenen Einnahmequellen
zur Beschaffung der Mittel für die bundesstaatlichen Aufgaben,
namentlich die direkten Steuern im hergebrachten Sinne, den Bundesstaaten
verbleiben, und wird mehr und mehr dahin zu streben sein, daß den Bundesstaaten
Anteile an gewissen dem deutschen Wirtschaftsgebiete als einheitlichem
großem Ganzen allein zugänglich gewordenen Einnahmen zufließen.
Wenn das Deutsche Reich während des Krieges zu einer Wirtschaft mir
Milliarden in einem von aller Theorie ungeahnten Umfang überzugeben
gezwungen wurde, so wird die zwar als gesichert zu erachtende, zum Teil
aber doch erst zu schaffende Deckung der Ausgaben zu hochbedeutsamen
Aenderungen in der Abgrenzung zwischen der staatlichen und der Privatwirtschaft
und jedenfalls im System der Beschaffung der öffentlichen Einnahmen
führen. Hoffen wir, daß hierbei Bayern in Wahrung seiner Interessen
Erfolg hat. Die Erhaltung der Lebenskraft der Bundesstaaten bedeutet
auch die Stärkung der Macht des Reichs.
2. Okt. GFeM. v. Hindenburg begeht im Gr. Hauptquartier
seinen 70. Geburtstag.
Ueber die Feier berichtet das „WTB.“: Frühmorgens erschien der
Kaiser in der Wohnung des Generalfeldmarschalls und sprach ihm als erster
seine Glückwünsche aus. Das Kaiserliche Geschenk besteht in einer Marmorbüste
des Allerhöchsten Kriegsherrn, außerdem stellte der Kaiser den Generalfeldmarschall
à la suite des Oldenburgischen Inf.-Reg. Nr. 91. Als der
Generalfeldmarschall dann zum Dienst ging, säumten die Straße von der
Wohnung zum Generalstabsgebäude Schulkinder ein, die ihm Herbstblumen
auf den Weg streuten, während Flieger Blumen und Lorbeeren abwarfen.
Hinter den Kindern drängte sich die aus Stadt und Land zusammengeströmte
Bevölkerung und bereitete dem Generalfeldmarschall jubelnde Huldigung.
Vor dem Generalstabsgebäude empfing General Ludendorff an der Spitze
der Generalstabsoffiziere des Gr. Hauptquartiers den Generalfeldmarschall.
entwarf in kurzen Worten ein Lebensbild des Generalfeldmarschalls als
Verkörperung der ruhmreichen Entwicklung des preußischen und deutschen
Vaterlandes und brachte im Namen des Generalstabes ein Hurra auf den
Generalfeldmarschall aus. Der Feldmarschall erwiderte mit Dank an seine
Mitarbeiter, besonders an seinen verehrten und treuen Ersten Generalquartiermeister.
Er schritt darauf die Front der vor dem Generalstabsgebäude aufgestellten
Kriegervereine und anderer Korporationen ab, für die der Landrat
des Kreises Glückwünsche aussprach. Der Feldmarschall erwiderte, daß es
ihm am heutigen Tage eine ganz besondere Freude sei, sich mit dem ganzen
deutschen Volke eins zu wissen in Siegeswillen und Siegeszuversicht, sprach
in warmer Anerkennung von den Leistungen des Heeres und der Heimat
und brachte „aus altem treuen Soldatenherzen“ ein Hurra auf S. M. den
Kaiser und König aus. Es schloß sich die Beglückwünschung durch die
Militärbevollmächtigten der Verbündeten an. Kaiser Karl hat hierzu seinen
Flügeladjutanten Oberstleutnant v. Capinelli mit besonderem Handschreiben