1804
Mürs
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132 Urkunden No. 695— 6%.
am Sackzehent Ungemächlichkeiten unzertrennlich wären, so würden solche
doch in demselben Maasse bei der Geldabgabe und dem Erlasse daran eirtreten,
welcher den Zehentverpflichteten bei Unglücksfällen am Getreidegcwinn
billigerweise nicht vorzuenthalten wäre.
Dass sich von Seiten der Politik die Wahl des Geldzehents vor der
des Sackzehents empfehlen sollte, leuchtet mir nicht ein. Ich sehe keinen
Grund ab, weshalb es bei den Verhältnissen, wie sie jetzt sind, nothwendig
und rathsam seyn sollte, die Zehentverpflichtete vor den Zehentberechtigten
zu begünstigen. Die gute Politik scheint mir vielmehr ein gleiches Verfahren
in E. K. M. sämtlichen Staaten und zugleich einen vorzüglichen
Schutz des weltgeistlichen Standes zu fordern, um die guten Wirkungen zu
sichern, welche von ihm in Hinsicht auf Vermehrung der Aufklärung und
Sittlichkeit unter dem Volke erwartet werden. Empfinden übrigens die
Zehentverpflichtete die Aufhebung der pohlnischen Verfassung überhaupt
iibel, so wird es sie nicht beruhigen, wenn der Natural-Feld-Zehent in
Geldabgabe verwandelt wird, da sie bei dieser Verwandlung nach dem
wirklichen Betrage und Werthe des Natural-Feld-Zehents immer gegen vormals
verlieren werden. Dass es aber bei dergleichen Veränderungen überhaupt
besser ist, so zu verfahren, dass ihr Eindruck, gesetzt er müsse deshalb
auch mit einemmale schmerzbafter seyn, nicht vervielfältigt und immer
wieder erneuert werden darf, ist nicht in Abrede zu stellen.
Den Verhältnissen zwischen Pfarrern und Eingepfarrten scheint mir die
Einführung der Geldabgabe statt des Natural-Feldzehents ebenfalls nicht
angemessener zu sein. Der Grund der Streitigkeiten zwischen den Depntat-Empfängern
und Gebern liegt überhaupt wohl öfter in dem Character und
der Denkungsart der Individuen als in dem Objecte. Wo Billigkeit von
einer oder andern Seite fehlt, wird ein jeder Gegenstand Zwist erregel,
und auch in Süd- und Neuostpreussen ist dagegen durch die Geldabgabe
statt des Natural-Feldzehents keine Sicherheit zu erlangen. Wenigsten?
wird, da die Eingepfarrte dort an die Naturalabgabe gewöhnt sind, deren
Veränderung von Garben- in Sack-Zehent die Verhältnisse zwischen ihnen
und den Pfarrern nicht schlimmer machen als sie bis jetzt sind, und diese
stehen dort in der Achtung, welche die Verwechselung und Vermischung
des Berufs selbst mit der mit solchem bekleideten Person der Geistlichkeit
in den katholischen Ländern von jeher so vorziiglich verschafft hat. Mit
der zunehmenden Ausbildung der Weltgeistlichkeit und der Nation mit darch
diese wird sich billige Denkungsart unter ihnen immer mehr ausbreiten und
der subjective Anlass zu Streitigkeiten vermindern; zu jenem Wachsthume
ist aber, wie schon gesagt, die Verhütung alles dessen, was den weltgeistlichen
Stand in seiner Lage verschlimmern und seinen Muth in Erfüllung
seines Amts niederschlagen kann, eines der wirksamsten Beförderung®
Mittel; der Verlust, den die Geistliche bei der Qeldabgabe und deren periodischer
Fixirung wegen des steigenden Werths der Dinge in den Zeiträumen