22 Allgemeine Chronik.
— Juli. (Schweiz). Die in der Minderheit befindliche kath. Partei regt die
Revision der Verfassung an.
2.7. (Oesterreich-Ungarn: Oesterreich). Die Allocution des Papstes verursacht
eine neue Agitation gegen das Concordat und die Uebergriffe des Clerus.
2.7. (Türkei — Serbien). Die Skupschtina (Nationalversammlung) ernennt
einstimmig den letzten Sprößling der Familie Obrenovic zum Fürsten und
bestätigt die ihr vorgeschlagene Regentschaft bis zu seiner Volljährigkeit. Die
Pforte bestätigt die Wahl.
3.7. (Deutschland — Preußen). Der Jahrestag der Schlacht von Sadowa
wird auf Specialbefehl des Königs vom Milltär nirgends öffentlich gefeiert.
3.7. (Oesterreich- Ungarn: Oesterreich). Der Reichskanzler erläßt eine sehr
nachdrückliche Depesche nach Rom gegen die Allocution des Papstes vom
22. Juni.
4.7. (Deutschland — Bayern) leitet Unterhandlungen mit Württemberg und
Baden ein für Aufstellung einer gemeinsamen südd. Festungs- oder ständigen
Militärcommission.
6.7. (Griechenland). Die neue Kammer constituirt sich, schließt bei den Wahlprüfungen
alle Gegner von Bulgaris aus, besetzt das Bureau nach seinem
Wunsche und erläßt eine Adresse an den König in demselben Sinne.
6.7. (Verein. Staaten). Die Convention der demokratischen Partei in New-York
erwählt Horatio Seymour und Mongomery Blair zu ihren Candidaten
für die Stellen eines Präsidenten und eines Vicepräsidenten der Republik
und erklärt sich für Bezahlung der Staatsschuld in Papier.
7.7. (Spanien). Staatsstreich des Cabinets Gonzalez Bravo: eine ganze Reihe
von Generalen, an ihrer Spitze der Marschall Serrano werden in verschiedenen
Städten verhaftet und auf die Inseln verbannt, der Herzog von Montpensier
des Landes verwiesen.
8.7. (Deutschland — Preußen). Der Staatsgerichtshof verurtheilt den
Staatsminister des Ex-Königs von Hannover Graf Platen in contumaciam
zu 15 Jahren Zuchthausstrafe. .
8.7. (Deutschland — Württemberg). Landtagswahlen: Dieselben ergeben keine
Mehrheit weder für die Regierung noch für die demokratische Partei, sondern
eine starke Zersplitterung der Parteien und Fractionen.
8.7. (Frankreich). Der Moniteur veröffentlicht den Bericht der Commission
des gesetzgeb. Körpers über den zwischen der Stadt Paris und dem Crédit
soncier abgeschlossenen Vertrag. Die Commission und die Regierung haben
sich noch nicht einigen können, wie weit in Zukunft das Budget von Paris,
wenigstens das außerordentliche, der Genehmigung des gesetzgeb. Körpers
unterstellt werden soll.
9.7. (Frankreich). Die Lanterne Rochefort's wird endlich mit Beschlag belegt.
Rochefort entweicht nach Belgien.
10.7. (Frankreich). Gesetzgeb. Körper: Ollivier regt die Frage des Concils
und der Trennung von Staat und Kirche an, die Regierung meint, die Zeit
werde ihr Werk zu Ende bringen.
11.7. (Verein. Staaten). Der Senat schließt die noch nicht reconstruirten
Südstaaten Virginien, Florida, Mississippi und Texas von der Theilnahme
an der Präsidentenwahl aus.
13.7. (England). Beide Häuser des Parlaments haben sich endlich über die
Abschaffung des Kirchensteuerzwangs geeinigt.
14.7. (Deutschland — Preußen). Frankfurt wendet sich bez. der immer noch
nicht gelösten Frage der Ausscheidung zwischen früherem Staats- und Stadtgut
direct an den König.
14.7. (Portugal). Die neuen Cortes sind den Finanzmaßregeln der Regierung
nicht günstig. Eine neue Auflösung wird abgelehnt. Das Ministerium
D ´Avila nimmt seine Entlassung und wird durch ein Cabinet Sa da Bandeira
ersetzt.