Full text : Das Handelsgesetzbuch für das Deutsche Reich. Zweiter Band. (2)

5262  (Nr.  2—5).  3.  Abschnitt.  Aktiengesellschaft.  3.  Titel.  171

des  laufenden  Geschäftsjahrs  ab,  wirksam.  Bereits  erfolgte  Uberweisungen  an  den
Reserwefonds  werden  aber  von  einer  Herabsetzung  nicht  betroffen.  as  einmal
Überwiesen  ist,  bleibt  Zwangsreservesonds  (unten  Nr.  8).  Unter  dem  Grundkapital
ist  das  volle  Neungrundkapital  zu  verstehen  (O.  L.G.  Dresden  in  Z.  XXXV  S.  238).
Bei  Erhöhung  oder  Verminderung  des  Grundkapitals  ist  erst  die  durchgeführte,
nicht  schon  die  beschlossene  Vornahme  für  die  Feststellung  des  zu  berücksichtigenden
Grundfapitals  maßgebend.  Auf  welche  Weise  der  Mindestbetrag  erreicht  wird,  ob
durch  Uberweisungen  vom  Reingewinn,  des  Aufgelds,  der  Zuzah  ungen  (Z.  1  bis  3),
ist  unerheblich.  t  er  erreicht,  so  hören  die  Uberweisungen  vom  Reingewinn  bis
zur  Schwächung  des  Reservefonds  auf.  Uberweisungen  über  das  durch  Gesetz  oder
Gesellschaftsvertrag  gerechtfertigte  Maß  hinaus  sind  nach  §  271  Abs.  3  anfechtbar.

b)  Betrag  der  Uberweisung.  Zu  überweisen  ist  bis  zur  Erreichung  des

Mindestbetrags  kraft  zwingenden  Rechtes  mindestens  ½0  des  jährlichen  Reingewinns.
Wegen  Erhöhung  und  demnächstiger  Wiederherabsetzung  der  QOuote  gilt  dasselbe
wie  für  die  Quote  des  Grundkapitals  (oben  Nr.  2).  Der  jährliche  Reingewinn  ist
derjenige,  welcher  sich  aus  der  Einstellung  am  Schlusse  der  Bilanzpassiva  ergibt
(5261  Z.  6).  Der  in  der  Praxis  der  Aktiengesellschaften  beliebte  Abzug  des  Gewinnvortrags
  aus  dem  Vorjahr  ist  unzulässig;  es  gibt  nur  einen  jährlichen  Reingewinn
im  rechtlichen  Sinne,  den  durch  eine  richtige  Bilanz  ausgewiesenen  (Staub-  Pinner
Anm.  9;  a.  M.  Simon  S.  271f.,  Makower  Anm.  IIa,  Pinner  Anm.  öa,
Brand  Nr.  2  A,  Rehm  S.  651).  Entsprechend  ist  auch  der  Zuschlag  des  Verlustvortrags
  aus  dem  Vorjahr  unstatthaft  (ebenso  hier  Simon  S.  271;  a.  M.  Makower
  a.  a.  O.).  Auch  Tantiemen  der  Vorstands=  und  Aufsichtsratsmitglieder  vom
Reingewinn  sind  nicht  abzuziehen.  Dies  folgt  aus  §§  237,  245  Abs.  1,  wonach  zuerst
die  Rücklagen  vorzunehmen  und  erst  alsdann  die  Tantiemen  zu  berechnen  sin
(Simon  S.  272ff.,  Die  Polemik  von  Goldmann  Nr.  11  ist  unverständlich).  Zum
Reingewinn  sind  nicht  zu  zählen  auf  Grund  von  Rentengarantien  gezahlte  Beträge
Dritter,  da  sie  von  der  Aktiengesellschaft  den  Aktionären  zuzuwenden  sind  und  in  der
Jahresrechnung  keinen  Ausdruck  finden  (K.G.  in  O.L.G.  Rspr.  VI  S.  29).  Ist  kein
Reingewinn  erzielt,  so  unterbleibt  die  Uberweisung.  —  Ein  Nachschuß  in  besseren
Jahren  ist  nicht  verordnet.
B.  Aus  dem  Aufgeld.  Ein  solches  ist  in  den  ö§  184  Abs.  2,  278  Abs.  3  zu-Flassen
  Das  bisherige  Recht  sprach  von  dem  „Gewinn“  aus  den  Uberbeträgen.
er  Ausdruck  war  verfehlt,  weil  es  sich  hierbei  um  Einlagen  der  Aktionäre  handelt,
um  Beträge,  welche  Erzeuger  und  nicht  Erzeugnisse  der  gewinnbringenden  Tätigkeit
sind  (Denkschr.;  R.G.Z.  XXXII  S.  244ff.;  dazu  bes.  Simon  S.  86  u.  Einkommenstener
  S.  90  ff.;  Neukamp  in  Holdheim  I  S.  28ff.,  IV  S.  33ff.,  VI  S.  145  ff.).
Diese  Einlagen  sind  zwar  keine  Einlagen  „auf  das  Grundkapital“,  dessen  Ziffer  von
ihnen  unberührt  bleibt,  aber  sie  sind  doch  Einlagen  („N.G.Z.  LXII  S.  366  f.).  Das  Aufen
  gehört  danach  nicht  in  die  Gewinn=  und  Verlustrechnung,  sondern  nur  in  die
ilanz  (Uber  Zwischenbuchung  Simon  S.  277).  Das  Aufgeld  vermehrt  den  Reserwvefonds,
  gleichviel  oh  der  Mindestbetrag  der  Z.  1  schon  erreicht  ist  oder  nicht.
Es  erscheint  also  nie  als  Uberschuß  im  Sinne  des  Einkommensteuergesetzes  (R.G.  3Z.  XCVI
Nr.  66),  gehört  also  nicht  unter  §  261  Nr.  6.  Aber  auch  nur  das  Aufgeld  selbst.
Stückzinsem  die  bei  Erhöhung  des  Grundkapitals  inmitten  eines  Geschäftsjahrs
von  den  Aktionären  dafür  gewährt  werden,  daß  die  Aktien  an  der  Dividende  des
sezen  Jahres  teilnehmen,  gehören  nicht  hierhin.  Sie  werden  nicht  als  Einlage

 

ür  die  Aktie,  sondern  gerade  für  einen  an  sich  der  Aktie  nicht  uste  enden  Vorteil.

gewährt  (R.G.  Z.  I,V.  S.  46).  Entsprechend  sind  die  von  der  Gesellschaft  den  Aktionären.
für  den  Verzicht  auf  die  Teilnahme  an  der  Dividende  des  laufenden  Geschäftsjahrs
gewährten  Zinsen  nicht  abzuziehen.  (Simon  S.577ff.,  Makower  Anm.IIb3,  Pinner
Anm.  III6b).  Abzugsfähig  sind  nach  ausdrücklicher  Bestimmung  die  Kosten  für  die
Ausgabe  der  Aktien;  danach  die  Kosten  der  Urkundenherstellung,  die  Gerichts-  und
Notarkosten,  Stempel  (vgl.  R.G.Z.  LV  S.  45),  etwaige  Einkommensteuer,  auch  wohl
die  Garantie  der  Aktienunterbringung  (Simon  S.  276,  Makower  Anm.  IIb#,
Staub-  Pinner  Anm.  18,  anders  wegen  der  Provision  Pinner  Anm.  III  6b).
Nicht  unter  §  262  fällt  die  sog.  versteckte  Agioemission  (loben  §  184  Nr.  2);  unten
§  305  Nr.  6).

C.  Aus  Zuzahlungen.  Die  vielfach  üblichen  Zuzahlungen  auf  die  Aktien
(Nr.  4  zu  §  185)  sind  nach  neuer  Bestimmung  in  gewissem  Umfang  ebenfalls  dem

Nr.  4.

Nr.  5.