Full text : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

24  Erstes  Buch.  Die  Erhebung  zur  Großmacht.

rich  gleich  anfangs  empfohlene  Aufstellung  einer  „Neutralitätsarmee“.
  „Als  guter  redlicher  deutscher  Patriot“  erklärte  der
König  sich  zu  allem  bereit,  was  zur  Ehre,  Ruhe  und  Sicherheit
des  Reiches  beschlossen  werden  würde,  wies  aber  doch  die  Anregung
  Rußlands  nicht  ganz  von  der  Hand,  ob  es  nicht  an  der
Zeit  sei,  Schweden  den  Rest  von  Pommern  zu  nehmen  und  so
der  schwedisch-französischen  Allianz  ein  für  allemal  den  Boden
zu  entziehen.  Bald  freilich  lagen  ihm  andere  Sorgen  näher.
Zum  zweitenmal  eroberten  die  Oesterreicher  Bayern  und  mußte
der  Kaiser  fliehen.  Von  den  Franzosen  im  Stich  gelassen,  versuchte
  sein  Feldherr  Graf  Seckendorf  durch  die  Konvention  von
Niederschönfeld  den  Rest  des  Heeres  durch  Neutralität  zu  retten.
An  demselben  Tage  aber,  den  27.  Juni  1743,  siegte  die  „pragmatische“
  Armee  —  Oesterreicher,  Engländer  und  Hannoveraner
—  bei  Dettingen  am  Main  über  die  Franzosen  unter  Noailles
vollständig.  Der  Teufel  möge  seinen  Herrn  Oheim  holen,  meinte
Friedrich  und  verwünschte  die  Franzosen,  die  sich  von  Leuten
schlagen  ließen,  die  nicht  einmal  einen  Schlachtplan  zu  machen
verstünden.  Schon  sah  er  Georg  II.  und  Maria  Theresia  als
Herren  des  Reiches,  den  Lothringer  zum  römischen  König  gewählt,
  Oesterreich  und  England  mit  Rußland,  Sachsen  und
Dänemark  verbündet,  und  bei  den  Stillstandsverhandlungen
suchte  Georg  II.  den  argbedrängten  Kaiser  bereits  zur  Preisgebung
  Friedrichs  zu  bestimmen.  Die  Herstellung  Bayerns  sollte
durch  die  Wiedereroberung  Schlesiens  erkauft  werden,  das  der
Welfe  Preußen  eben  erst  überraschend  bereitwillig  garantiert
hatte.  Die  bedrohlichen  Anzeichen  mehrten  sich.  Kaum  hatte
Rußlands  Aecession  zum  Breslauer  Frieden  den  König  von  einer
großen  Sorge  befreit,  als  er  erfuhr,  für  die  in  Dresden  unterhandelte
  österreichisch-sächsische  Allianz  werde  in  Moskau  um
Anschluß  geworben,  und  gleich  nach  dem  Frieden  mit  Bayern
und  Frankreich  solle  Schlesien  überfallen,  Ostpreußen  durch
30  000  Russen  angegriffen,  Pommern  durch  die  Schweden  und
Magdeburg  durch  die  Sachsen  heimgesucht  werden.  War  da
auch  zunächst  wohl  der  Wunsch  der  Vater  des  Gedankens:  die
Lage  wurde  doch  kritisch.  Immer  dringender  mahnte  deshalb
Frankreich  zum  Handeln,  und  Voltaire  suchte  seine  litterarische