Metadata : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1897. (88)

die  Wahlen  zum  Aeltestenamt  und  zur  Gemeindevertretung  vor,  hält  diese
Wahlen  ab,  beruft  die  Gemeindevertretung  ein  und  bringt  die  Beschlüsse  derselben
in  Ausführung.
g.  19.

6.  Der  Gemeindekirchenrath  hat  von  der  eingetretenen  Pfarrvakanz  Aneige
  zu  machen  und  die  diesfalls  ergehenden  provisorischen  Anordnungen  in  Ausührung
  zu  bringen.

g.  20.

7.  Dem  Gemeindekirchenrath  kommt,  soweit  wohlerworbene  Rechte  Oritter
nicht  entgegenstehen,  die  Ernennung  der  niederen  Kirchendiener  zu.  Er  beaufsichtigt
ihre  Dienstführung  und  übt  das  Recht  der  Entlassung  aus  kündbaren  Anstellungen.

g.  21.

8.  Der  Gemeindekirchenrath  vertritt  die  Gemeinde  in  vermögensrechtlicher
Beziehung,  in  streitigen  wie  in  nicht  streitigen  Rechtssachen,  und  verwaltet  das
Kirchenvermögen,  einschließlich  des  Vermögens  der  kirchlichen  Lokalstiftungen,
welche  nicht  fundationsmäßig  eigene  Vorstände  haben,  sowie  einschließlich  des
Parr-  und  Pfarrwittwenthumsvermögens"  soweit  das  Recht  jeweiliger  Inhaber
nicht  entgegensteht.

Zu  jeder  die  Gemeinde  verpflichtenden  schriftlichen  Willenserklärung  des
Gemeindekirchenraths  bedarf  es  der  Unterschrift  des  Vorsitzenden  oder  seines
Stellvertreters  und  zweier  Aeltesten,  sowie  der  Beidrückung  des  Kirchensiegels.
Hierdurch  wird  Dritten  gegenüber  die  ordnungsmäßige  Fassung  des  Beschlusses
festgestellt,  so  daß  es  eines  Nachweises  der  einzelnen  Erfordernisse  desselben,  insbesondere
  der  erfolgten  Zustimmung  der  Gemeindevertretung,  wo  eine  solche
nothwendig  ist,  nicht  bedarf.

An  den  gesetzlichen  Verwaltungsnormen,  sowie  an  den  den  Staatsbehörden
oder  vorgesetzten  Kirchenbehörden  zustehenden  Rechten  der  Aufsicht  und  der  Einwilligung
  zu  bestimmten  Handlungen  der  Verwaltung  wird  durch  den  Uebergang
der  letzteren  auf  den  Gemeindekirchenrath  nichts  geändert  (G.  44).

In  den  Fällen  des  §.  29  ist  der  Gemeindekirchenrath  an  die  Minwirkung
der  Gemeindevertretung  gebunden.

 

g.  22.

Für  die  Verwaltung  der  Kirchenkasse  gat  der  Gemeindekirchenrath  eines
seiner  Mitglieder  zum  Rendanten  (Kirchmeister,  Kirchenrechner  urs.  w.)  zu  ernennen.

Demselben  kann  eine  Vergütung  für  sächliche  Ausgaben,  nicht  aber  eine
Besoldung  angewiesen  werden.

Auslagen  sind  ihm  zu  ersetzen.

Ist  nach  dem  Umfange  der  Kasse  eine  unentgeltliche  Verwaltung  nicht  zu
erreichen,  so  kann  der  Gemeindekirchenrath  einen  besoldeten  Rendanten  anstellen;
soll  jedoch  hierzu  ein  Mitglied  des  Gemeindekirchenraths  ernannt  werden,  so  ist