Metadata : Blätter für Rechtsanwendung. XIII. Band. (13)

Retralt.  Unvermögenheit  des  Retrahenten.  55

zustehen  suchte,  was  nach  §.  12,  Nr.  5  unerlaubt
ist,  und  ebensowenig  dürfen  auch  die  Kinder  von
ihren  Eltern  selbst,  welchen  sie  in  den  Verkauf
einstehen  wollen,  das  Geld  hiezu  entlehnen.  Da
es  also,  von  diesen  besonderen  Fällen  abgesehen,
einerlei  ist,  ob  der  Einsteher  mit  eigenem  oder  mit
erborgtem  Gelde  retrahirt,  so  kann  unter  der  im
oben  allegirten  Gesetze  erwähnten,  den  Retrakt
ausschließenden  Unvermögenheit  des  Einstehers  nicht
sowohl  der  Mangel  eigenen  Vermögens,  sondern
überhaupt  die  Unfähigkeit  zur  Aufbringung  der
Mittel,  welche  zur  Prästation  der  dem  Einsteher
obliegenden  Leistungen  nothwendig  sind,  verstanden
werden.  .  .

Wenn  daher  der  Beklagte  die  Einrede  der  Unvermögenheit

  des  Retraktsklägers  blos  darauf  stützt,
daß  das  demselben  gerichtlich  ausgezeigte  Vatergut
die  zu  vergütende  Kaufssumme  nicht  decke,  wogegen
  Kläger  erwiedert,  daß  er  sich  seiner  Zeit  über
die  erforderlichen  Mittel  schon  ausweisen  werde,
so  erscheint  die  in  solcher  Art  vorgebrachte  Einrede
nicht  hinreichend  begründet.
Il  keinem  Falle  kann  aber  der  Beklagte  verlangen,
  daß  sich  Kläger  schon  vorläufig  ausweise,
daß  er  die  Mittel  zur  Realisirung  des  Einstandes
besitze  oder  aufzubringen  vermöge.  Zum  Klaggrunde
  gehört  blos  die  Angabe  des  Verhältnisses,
auf  welchem  der  geltend  gemachte  Retrakt  beruht,
und  das  Faktum  des  Verkaufs,  wodurch  die  Ausübung
  des  Retrakts  veranlaßt  wurde  1½).

Die  Erfüllung  der  Kaufbedingungen,  insonderheit
  die  Vergütung  vessen,  was  der  Käufer  vom
Kaufschillinge  bereits  bezahlt  und  außerdem  wegen
des  Kaufs  aufgewendet  hat,  gehört  nicht  zum

1)  Walch  Näherrecht.  I.  Bd.  1.  Hauptst.  S.  5.  S.  228.
(Ausg.  3.)  Schmidt  Lehrb.  v.  Kl.  u.  Einreden.  §.  17.