Retralt. Unvermögenheit des Retrahenten. 55
zustehen suchte, was nach §. 12, Nr. 5 unerlaubt
ist, und ebensowenig dürfen auch die Kinder von
ihren Eltern selbst, welchen sie in den Verkauf
einstehen wollen, das Geld hiezu entlehnen. Da
es also, von diesen besonderen Fällen abgesehen,
einerlei ist, ob der Einsteher mit eigenem oder mit
erborgtem Gelde retrahirt, so kann unter der im
oben allegirten Gesetze erwähnten, den Retrakt
ausschließenden Unvermögenheit des Einstehers nicht
sowohl der Mangel eigenen Vermögens, sondern
überhaupt die Unfähigkeit zur Aufbringung der
Mittel, welche zur Prästation der dem Einsteher
obliegenden Leistungen nothwendig sind, verstanden
werden. . .
Wenn daher der Beklagte die Einrede der Unvermögenheit
des Retraktsklägers blos darauf stützt,
daß das demselben gerichtlich ausgezeigte Vatergut
die zu vergütende Kaufssumme nicht decke, wogegen
Kläger erwiedert, daß er sich seiner Zeit über
die erforderlichen Mittel schon ausweisen werde,
so erscheint die in solcher Art vorgebrachte Einrede
nicht hinreichend begründet.
Il keinem Falle kann aber der Beklagte verlangen,
daß sich Kläger schon vorläufig ausweise,
daß er die Mittel zur Realisirung des Einstandes
besitze oder aufzubringen vermöge. Zum Klaggrunde
gehört blos die Angabe des Verhältnisses,
auf welchem der geltend gemachte Retrakt beruht,
und das Faktum des Verkaufs, wodurch die Ausübung
des Retrakts veranlaßt wurde 1½).
Die Erfüllung der Kaufbedingungen, insonderheit
die Vergütung vessen, was der Käufer vom
Kaufschillinge bereits bezahlt und außerdem wegen
des Kaufs aufgewendet hat, gehört nicht zum
1) Walch Näherrecht. I. Bd. 1. Hauptst. S. 5. S. 228.
(Ausg. 3.) Schmidt Lehrb. v. Kl. u. Einreden. §. 17.