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Kosenheinee Tagblatt
Amtliches Publikalions--Organ
Sa##u#er 39 r Kalh.: Jaustinuz, Jooita
Das neue Rumänien.
Dos Schidsal Numäniens ist, nachdem mit
der Ukraine ein tatfächlicher Friede geschlossen
und durch Trotzkis Erllärung die Demobilisienung
aller russischen Streitkäfte ausgesprochen
ln oxrden ist, unabwend umänien steht jetzt
böllig isoliert da, ein militärhiher Widerstand
hüälte gar keinen Sim und Zweck mehr. Man
muß anerkemen, daß das rumänische Heer noch
lio, in die letzten Tage hinein sich verhältnismähig
gut diszipliniert und standhaft zeigte.
ges auch mit Rumänien gess n
Waffenstillstandes kam es bis jetzt noch nicht
!1 offiziellen Friedensverhondlunden. Durch die
neuere Entwicklung der Dinge wird aber auch
nach dieser Nichtung hin eine Beschleunigung
einmreten. Dazu kommt, daß Ministerpräident
Bratianu nunmehr von seinem
Amte zurückgetreten ist. Bratiann war der
imimste Berater des rumänischen Königs, seiem
Einflusse ist es zuzuschreiben, daß Rumänien
sich an die Seite der Entente treiben
lietNoch nie ist sinnloser und frevelhafter ein
rriegerisches Unternehmen begonnen worden!
der Eintritt Rumäniens in den Weltkrieg hatie
leinen anderen Zweck, als eine, wie man
hnte leicht zu ergaternde Beute einzubrinen
—E Schicksal Rumäniens in biesem Kriege
int ein furchtbares Menetekel! Jetzt müssen aus
der durch die Sieghaftigleit unseres Schwertes
geschafsenen Lage di Folgerungen gezogen
Unerden. Wir haben immer den Standpunkt
vertrelen, daß Rumäniens Größe und Enttrridlung
nur im engsten Anlehnen an die Mitselmächt#
g##bährleistet und gesichert seien.
Wir haben darum die damalicge Entscheidung
Mumäniens mit schmerzlichstem Bedauern aufgenommen.
zu tänischen verantwortlichen Staatsmännern
die Richtung gezeigt haben, die sie einzuschladen
haben, um #ie Zukunft und Blüte ihres
Landes zu sichern. Ein neues Rumänien
zuß erstehen, ein Rumänien, das sich nicht
mieder ins Schlepptau der Entente nehmen
lätt und das seine Interessen erkennt. rrilorial
wird das seitherige Rumänien ebenfalls
nicht wieder erstehen. Auf die den Bulgaren
jeinerzeit abgelistete Dobrudscha wird es verzichten
müssen. Die bulgzarische Dobrudscha-Forderung
wird auch von uns als durchaus
lerechtigt und unerlößlich für die Herbeiführung
eines künftigen krirdlihen Verhältnisses auf dem
Balkan angesehen an lann es im Grunde
eißentlich begrüßen, daß durch den Eintritt Rumianiens
in den Krieg und die darnach sich
ergebenden militärischen Folgen gerade die Dobrudscha-Angelegenheit
für alle Zeiten bereinigt
wird. Andererseits dürfte Ungarn beüimmte
militärische Sicherungen in den Grenzlässen
beanspruchen. ulgari en und die Mitlinecche.
werden andererseits, wie man jetzt
uohl schon sagen kann, unter dem Vorbehalt
der Erledigung der eben berührten Fragen, den
Rumänen die beharabischen Gebietsteile wieder
Werkennen. Auf diese Weise würde ein natürlicher
Ausgleich geschaffen. Rumänien ginge
eus de ## Kriege nicht geschwächt hervor und
alte hlouflittreiche Streitfragen würden gelöst.
Mit einem solchen neuen Rumänien mürden
dann die sehr wichtigen wirtschaftlichen Bezieungen
sich auherordentlich fruchtbringend für
unser Land und Volk gestalten übmen Nimmt
die Entwicklung diesen Gang — und wir haben
guten Grund, das anzunehmen, —. dann wäre
Ir
Der Gang der Dinge dürfte nun den
Freitag, 15. Februar 1918
Lloyd Georges Nutworl.
Eine neue Kanzlerrede angekndigt. — Demission des polnischen
Gerüchte von einem Rückeritt des rumänischen
Eine englische Krise 7 — 33000 c#im Mittelmeer versenkt.
Ministeriums. —
Königs. —
Englische und französtsche Erkundungsvorstöße.
nehmen lounten, in die Oeffentlichkeit ging,
wurde fafe allgemein der Eindruck erweckt, daß
der Friecde mit Ruptand eine vollend ete Taisache
sei. Lavon länn ater nach Lage ver
Dina: lein Rede sein. Die Mitielmächte 2
Droglis 7 Erklärung lediglich zur Kemnmtis genon
men. Ste können sie keineswegs als eine
Crunk’ege fur die sofortige Herstellung des
Friedenszustandes betrachten. Wir unsererseits
haben vielmehr volle Handelefreiheit.
Wie wir diese benutzen, wird in Beratun-HLen
zwischen der politischen Leitung
und der Obersten Heeresleitung
entschieden werden. Der Reichskanzler
Graf Hertling und der Staatssekretär v. Kühlmann
werden im Großen Hauptquartier dem
Kaiser Vortrag halten und dort werden dann
im Belsein des Goneralfeldma#cchalls Hindenburgs
und des Generals Ludendorffs die
weiteren wichtigen Guschlüsse gefaßt werden. Es
wird sich dann ergeben müssen, welche militärischen
und politischen Konsequenzen aus der
neuen Lage gezogen werden.
Im übrigen besitzen wir ganz bestimmte Anzeichen
dafür, daß Trogki in der Tot ein raffiniert
angelegtee großes Manover versucht.
Er legt e#s zunächst darauf an, die Verhandlungen
über die einzelnen Fragen, die noch ungeklärt
sind, in Petersburg führen zu lassen. Die
russischen Delegierten haben Brest-Litowek bereits
endgültig verlassen. Wenn aber die Rufsen
glauben, durch diese Maßnahme uns nach
Petersburg zur Führung der allgemeinen Verhandlungen
zu bringen, dann werden sie sich
tauschen. Für uns kommt weder Petersburg
noch eine neutrale Stadt in Frage, sondern lediglich
ein Ort, von dem aus wir eine unbedingt
sichere Verbindung mit der Heimat haben und
vor allem unbeeinflußt von Spionen die
ratungen führen können. Da in Petersburg
die Unsicherheit immer mehr zunimmt, und da
erner Trotzki unterlassen hat, für eine Sicherheit
an der Grenze zu sorgen, so wird unfere
Regierung sich sehr wohl vor die Frage gestellt
sehen, ob sie die deutschen, augenblicklich in
Petersburg zu Spvez'alverhandlungen weilenden
Delegierten nach Berlin zurückberufen
soll. Ferner aber steht heute durchaus noch
——
nicht fest, ob es mit Trotzkis Verlicherung, die
ein gewaltiges Problem einer glücklichen Lö-,
sung zugeführt.
Dor wichlsigen Beschlüfsen.
0 die Friedenserklärung Trotzkis noch keineskkegs
den Friedensschluß bedeutet, liegt volllommen
auf der Hand. Die neugeschaffene Laer
macht unsererseits neue Entschlüsse notwendig.
Dadurch, daß die erste telegraphische
Meldung ohne eine Mit'eilung davon, dad ei:
Bitlundsvertreter zu Trotzkis Erllärung ieine
Sulleng genommen haben und auch noch nicht
ussssch Armee demobil zu machen, auch ernst
ist. ir sind zur Kenuntnis eines russischen
Funkspruches aus dem Oberkommando tron.
men, in welchem allerdings den Soldaten von
Demobilmachung Kenntnis gegeben wird, ein
nur drei Stunden später erlassener Funksoruch
verbietet jedoch die weitere Verbreilung der
durch den ersten Funispruch gegebenen Anweisungen.
Auch das muß uns sehr zu denlen
geben und ist geeignet, und mit einem gesunden
Mißtrauen gegen die Ehrlichleit der Trotzki'schen
Absichten zu erfüllen.
Die Beratungen im Hauptquartier.
** Berlin, 13. 2. Wie der „Lokalanzeiger“
hört, hat sich außer dem Reichskanzler u. dem
Staatssekretär von Kühlmann auch Vi zekanzer
von Payer ins Hauptquartier des Kaisers begeben.
Llogd Georges Antwork.
Den Aueführungen Wilsons sind rasch selche
Lloyd Georges nachgesolgt. Wie die Rede des
amcrikanischen Präsidenten beschäftigen sich des
englischen Premiers Worte mit den Reden des
Grafen Herlling und des Grasen Czernin. Es
stellt eine starle Anforderung dar, der mit Papier
lnapp bemessenen Provinzpresse feden Tag
mit einer ellenlangen Rede feindlicher Staatsmänner
aufzuwarten. Da wissen wir unseren
lostbaren Raum nuptzbringender zu verwenden,
zumal es sich bei all diesen Auslassungen um
die alte, saltsam belannte
Inhalt der neuen Nede
lurz folgender:
Der britische Premierminister, dessen Rede
formell eine Antwort auf eine Aufrage seines
(Amtsvorgängers Acquith war. äußerte sich,
wenn auch im Tone höflich, so doch in der
Sache schroff ablehnend gegenuber den
Neden des deutschen Reichskanzlero und des
österr- ng. Ministers des Aeusern. Er
tlärte, in beiden Reden nichto gesunden zu ha-*
KTas auf einen echten und wirllichen Frie-Tensp#unsch
schlietzen ließe, und hatte deshalb
darauf auch nichts anderes zu anworten, als:
Lloyd Georges wa#
England bleibt bei den Kriegszielen stehen, die
er zu Anfang dieses Jahres aufgestellt hat. Befonders
hat es Llond George dem Grafen von
Hertling verübell, daß dieser an Englands Koh- J
lenstationen in der ganzen Welt erinnerte, die
mit dem Selbstbestimmungerech! der? Völler nicht
recht
aft um die Verwirtlichung seiner als Kriegsziel
protlamierten politischen Jdeale zu tun wärc.
Davon will Llond George natürlich nichts wis-Tonart
handeli. Der
#ß4
in Einllang zu bringen jind und die auf- narew an der Spipe an.
gegeben u#erden mussen, wenn es England erul--sen.
Die Berührung der Frage der Kohlen-=stationen
allein genugt Lloyd George schon,
um dem Grafen Hertling den ehrlichen Friedenswillen
abzusp rechen und seine Erwiderung so zu
gestalten, daß sie das öffentliche Friedensgespräch
nicht um einen Schritt weiter führt.
Der zweite, größere Teil der Rede Llond
Georges war nichts anderes als eine wortreiche
Erklärung dafür, daß er über
Ergebnis
jagen könne, ohne wichtige milllärische Ge
heimnisse der Entente zu verletzen.
Die neue Lage im Oslen.
Die direkte Verbindunga
mit der Ukraine.
* Wien, 2. (Wiener K. K. Tel.-Korr.-Bureau.)
Die ersten Folgen des Friedens
schlusses mit der Ulraine machen sich bereits
bemerlbar. Nach einer Blättermeldung hat
die Rada ihren Sih nach Zitomir verlegt und
eine dire kie Verbindung mit uns hergesllt.
Es ist aber zu hofsen, daß durch
diese örtliche Näherrückung eine beschleunigte
Abwicklung aller im Verhandlungswege festgelegten
Abmachungen erfolgt.
Wie Trotzkli die Beendigung des
Arienrustande: verkündigt.
Basel, 13. In einer Kundgebung an
das zussicche Dar gibt Trotzki die Beendi—
gung des Kriegszustandes mit den Mittelmäch-*
belkannt. In der Kundgebung heißt es u
: „Genossen 2 Die Friedensverhandlungen sind
½ Ende. Deutschland und Oesterreich wollen
über die Gebiete und ihre Bevölkerung, die
sie mit Waffengewalt angeeignet haben, herrschen.
Die russische Volksautorität der Arbeiter
und Bauern kann ihre Zustimmung hiezu nicht
1 geben. Einen solchen Frieden könnten wir nicht
unterzeichnen. Wir wollen aber und wir können
auch nicht einen Krieg forlsenzen, der durch
eine Vereinigung von Machkhabern und Kapip
talisten heraufbeschworen worden ist. Im Namen
der Regierung der Sopjets,
missare und der russischen Nepublik bringen kvir
12. 2
Prot.: Faullinus
64 Johraans
den Regierungen und den mit uns im Krieg
lehenden Völkern, ebenso wie den neutralen
Ländern zur Kenninis, daß wir uns weigern,
bin Anne rionsabkommen zu
unterzeichnen und daß Rußland seinerseile
den Kriegozustand mit Deutschland, Oesterreich-Ungarn,
der Türkei und Bulgarien für
beendet erklärt. Gleichzeitig erhallen die
russischen Truppen den Befehl, auf allen Fronten
vollitändig zu demobilisieren.“
Die Bolschewiki betrachten
den Krieg als erledig t.
s Vasel. 13. 2. „Daily News“ melden aus
Pelersburg: Die Bolschewiki betrachten den
Krieg al? erledigt. Die diplomatischen
Beziehungen mit allen Staaten sollen
baldigst wieder ausgenommen werden. Auch der
Kongreß der Sowjets hat in seiner Sinung
vom 10. Februar sich für die beschleunigte Wiederaufnahme
des Wirtichaftsrerkehrs mit den
Mittelmächten erklärt.
Einlenke n der Bolsche wiki gegen—
er Ukreine u.
2
.
Finnland.
3 asel, „Daily Mail“ meldet aus
Petersburg: Der Rat der Vollskomm:ssare hat
neue Verhandlungen mit den Finnen
und Ukrainern aufgenommen, da die
Sowjets die Politik einer gewallsamen Unterwerfung
der rufsischen Volkshämme nicht mehr
mitmachen wollen. D##e Beralungen der Sow
jele über die Friedensfrage waren geheim.
Die Kosaken für die ukrainische
Zentralrada.
§ Stockholm. 13. 2. Der in Petersburz er
scheinenden Zeitung t. iennik Naroda“ zufolge
kam in Kiew eine Kcialenabordnung imst Kuschum
das Kosakentum
bei der uklrainischen Zemralrada zu vertreten.
*
er
13.
Zu spär gekommen.
* London. 12. 2. (Trivatielegramm.) Dem
Reuterschen Büro mird müetell daß die englische
Regierung sich nich r gcounden
halt, den zwischen Oesterreich- Ungarn, Deutschland
und den anderen Unterzeichnern mil den
Ukraine geschlossenen Frieden anzuerkennen.
Botschaft Wilsons füber den
das
der Veratungen in Versfailles nichls
i
l
l
derNallSloni-"
ukrainischen Frieden?
§s Genf. 13. . Hcrald“ meldet aus Neuvork:
Ueber den Friedensbeschluß mit der Akraine,
someit in ihm das Selbstbeftimmungsrecht
eines befreiten Volkes zm Ausdruck kommt,
wird der Präsident in einer Botschaft au
den Kongreß# sorechen.
Rumänien.
Ein rumänisches Friedens-Ninisterium?
& Aus dem Haag. 13. 2. Wie ein Amfterdamer
Blatt berichte:, wird aus Jal'y gemeldet.
daß die Mitglieder des von Averescu gebildeten
rumänischen Kabinents zum ersten Male Persönlichkeiten
seien, die bisher keine Rolle
in der rumänischen Politik gesvielt
haben.
Die Polen.
Rücktritt des polnischen
Ministeriums.
WTB. Warschau, 12. 2. Den Blättern zufolge
jand gestern eine mehrstündt ge Sitzung
des Ministeriums unter dem Vorsitg des Regentschaftsrates
statt. Gegenstand der Erörterung
waren die letzten polnischen Ereignisse, insbesondere
der Friedensvertrag mit der
Ukraine. Abends überreichte der Ministerpräsident
Kucharzewski dem Regentschaftsrat die
Demission des Kabinetts. Der „Gazeta
Poronna“ zufolnte überreicht Kucharzeweki
dem Negentschafts rat heule in dieser Angelegenheit
eine molivierte Erllärung.
Die polnischen Herrenhausmiktglie-1
der Oe sterreichs in Opposition.
* Wien. 13. 2. Den Abenddblättern zufolge
erllärten auch poinische Mitglieder des Herren-2.