III. Die Stadt Flensburg. 243
zunächst nur zweierlei: der Ausdruck -herde konnte nur auf schleswigdänischem
Boden entstehen, wo es allein Harden gab, und bezeichnet
hier in abgeschwächter Bedeutung einen Bezirk, ein Quartier, eine
Stadtgegend, die abgeschieden von der übrigen Stadt liegt. Es muß
ein besonderer Grund für diese gesonderte Lage vorhanden gewesen
sein, und, wie mir scheint, liegt dies noch angedeutet in dem üblen
Beigeschmack, den noch heute das Wort im Volksmunde hat, ohne
daß man sich davon eine genügende Erklärung geben kann.
Die dem Dänisch-Jütischen fremdartige Zusammensetzung mit Ramsoder
Rammes- ist meines Erachtens aus dem Niederdeutschen herübergenommen
oder nach Analogie einer in niederdeutschen Städten gewöhnlichen
Benennung gebildet. Rammelsberch, Rammesberch oder
auch Rammelsort, Ramsort (Winkel) kommt in Schleswig im Norderteil
der Stadt als Benennung für eine verrufene Gegend vor; Rammelsberch
ist in niederdeutschen Städten geradezu vicus scortandi s. scortorum,
das Quartier der Frauenhäuser des späteren Mittelalters, in
der Regel an der Stadtmauer an einem gesonderten Ort belegen.
Die ursprüngliche Bedeutung von rammeln, rammels-, rams-,
heute nur von Begattung von Tieren, insbesondere von Hasen, im
Gebrauch und von niederd. und angels. ram Bock. Widder, das im
Altnordischen und Dänischen fehlt, abzuleiten, trat später ebenso wie
z. B. die von rakker „Schinder“ oder von brüden zurück, und das
Wort ward nur mehr in dem abgeschwächten Sinne als Raufen, Balgen
verstanden. Daraus erklärt sich hinlänglich die Übertragung des Namens
auf Orte wie Skovrby und Arnis.
Nach den dargelegten urkundlichen Quellen ist Flensburg in der
ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts anscheinend eine nicht weniger
niederdeutsche Stadt als Schleswig. Wir treffen hier ebenso wie dort
schon früh auf den papagoienbohm 1), der eine Schützengilde voraussetzt,
in die sich wohl die Knutgilde verwandelt hat (1652); ebenso
ward das Maigrafenfest hier gefeiert und Maien bereits 1424 von
den Schmiedeknechten eingeholt. Auch ein Roland hat hier ebenfalls
wie in Schleswig, Eckernförde, Tondern und Hadersleben auf dem
1) Am 16. Mai 1548: iss de gantze menbeit der oldesten borgere newenst
dem erbaren rade by dem papegoienbohme gewest wegen der lucken.
Seidelin II. 423.
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