Full text : Blätter für Rechtsanwendung. II. Band. (2)

Beitraͤge  zur  Lehre  vom  Handlohn.  367

auch  an  den  gemeinschaftlichen  Lasten  der  zum
Gemeinde-Recht  gehörigen  res  universitatis  Theil
nimmt.  7)  —  Wenn  aber  ein  als  Zubehör  in  Anspruch
  genommener  Gegenstand  (hier  das  Gemeinderecht)
  einem  Andern  gehört,  als  dem  Eigenthümer
  der  Hauptsache  (hier  der  Grundherrschaft,
als  Obereigenthömerin  des  handlohnbaren  Guts),
so  hat  solcher  die  Eigenschaft  eines  Pertinenzstücks
nicht,  wenn  er  auch  sonst,  seiner  Natur  nach,  ein
Pertinenzstück  wäre.  8)

Ueberdieß  würde  es  gegen  alle  Rechtsgrundsaͤtze
verstoßen,  wenn  der  Grundherr  die  Vortheile  des
Gemeinde-Verbandes  zur  Verhandlohnung  ziehen,
von  den  Lasten  aber  keine  Notiz  nehmen  wollte.

Sollte  auch  früherhin  bei  Veränderungsfällen
das  Gemeinde-Recht  in  den  Werth  des  handlohnbaren
  Guts,  ohne  Berücksichtigung  der  Gemeinde=Lasten,
  mit  eingerechnet  worden  seyn,  so  wäre
dieß  ein  gesetzlich  durchaus  nicht  zu  rechtfertigendes
Verfahren,  und  es  könnte  selbst  eine  Verjährung
hierdurch  nicht  eintreten,  weil  der  Besitzstand  von
Seite  der  Grundherrschaft,  in  Beziehung  auf  die
angeführten  gesetzlichen  Vorschriften,  ein  unredlicher
sepn  würde.  Es  mußte  vielmehr  bei  dieser  gegen
alle  Rechtsgrundsätze  anstoßenden  Art  der  Handlohns-Erhebung
  angenommen  werden,  daß  die
Grundbolden  sich  dieselbe  nur  aus  Irrthum  haben
gefallen  lassenz  hieraus  könnte  aber,  da  bestimmte  Probibitivgesetze
  entgegenstehen,  eine  Erwerbung  durch
Verjährung  nicht  abgeleitet  werden.  v)

7)  Mittermaier  Grunds.  d.  deutsch.  Privatrechts.  8.  112.
U#g.  3.

8)  Pr.  2.  R.  I.  2.  J.  60.  108.
ꝰ)  Bgl.  auch  Lange  Anm.  n.  Berschtigungen  zu  Beck  von