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Zweites Kapitel.
Von der Pflege der Wächnerinnen.
F. 128.
Die Hebamme muß bedenken, daß jede Wöchnerin, auch nach
einer regelmäßigen Geburt, durch Schmerzen, Muskelanstrengung und
Bluwerlust in einem gewissen Grade erschöpft ist; ferner, daß sie an
der Innenwand der Gebärmutier an der Stelle, wo der Mutterkuchen
saß, eine Wunde trägt, daß Überhaupt ihre Geburtstheile und deren
Umgebung bei dem Durchgange des Kindes mehr oder weniger stark
gedehnt, gezerrt und gequetscht wurden, und daß auch ohne gröbere
Verletzungen kleine Anreißungen der Schleimhaut im Mutterhalse, am
Muttermunde, im Scheideneingange, am Schamlippenbändchen zu den
gewöhnlichen Vorkommnissen gehören. Wenn fie ferner die großen
Veränderungen erwägt, welche innerhalb weniger Tage in den Brüsten
vor sich gehen, so wird sie leicht einsehen, daß jede Frau im Wochenbette,
auch wenn man sie nicht krank nennen darf, doch zu Erkrankungen
geneigter ist, als sonst, und daher einer besonderen Schonung
bedarf.
Die Hebamme hat zwar nicht die alleinige Pflege im Wochenbette
zu übernehmen, wie bei der Geburt, doch soll sie die ganze Pflege
beaufsichtigen und die Art und Weise derselben anordnen. Ihre
Hauptaufgabe besteht auch hier darin, daß sie alle Schädllchkeiten,
so viel als möglich, sern hält und daß sie aufmerksam alle Verrichtungen
des Körpers überwacht, um jede etwa eintretende Störung
im Beginne zu erkennen.
. 129.
Sie muß zunächst bei jedem Besuche sich durch Betasten des
Unterleibes von der regelmäßigen Verkleinerung der Gebärmutter
und ihrem allmälichen Herabsinken ins kleine Becken
überzeugen. Dieses Betasten darf einer gesunden Wöchnerin, wenn
fie nicht gerade eine Nachwehe hat, keinen Schmerz verursachen.
Gewöhnlich liegt in den ersten Tagen der Grund der Gebärmutter