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Prinz Eugen zwischen Kulm und dem Gebirge solgte, richteten die Osterreicher
ihre Angriffe gegen Kulm selbst und auch gegen Arbesau. Beide Orte wurden
nach kurzem Gefechte von ihnen genommen.
Auf französischer Seite hörte jetzt jede Leitung auf. Ganze Bataillone
streckten das Gewehr, der Rest floh in wilder Auflösung, wo sich nur ein Ausweg
bot. General Vandamme hatte so lange auf seinem Standpunkte auf dem
Horkaberge ausgehalten, als noch eine Leitung möglich war. Gegen zwei Uhr
nachmittags verließ er mit seinen Offizieren den Berg und begab sich in das
Schloß von Kulm. Als darauf die Osterreicher in den Schloßhof eindrangen,
ritt er durch den Park fort, ergrimmt über sein unverdientes Schicksal und
scheinbar gleichgültig gegen das Los, das seiner wartete. Er fiel russischen
Jägern in die Hände, welche nicht sehr glimpflich mit ihm umgingen.“
Als nach dem Erscheinen Kleists auf den Höhen von Nollendorf die
Wage der Schlacht sich zum Siege für die Verbündeten neigte, drängte es den
König Friedrich Wilhelm, seine siegreichen Truppen auf dem Schlachtfelde zu
begrüßen und ihren heldenmütigen Führer von Kleist durch Uberreichung des
höchsten preußischen Ordens zu ehren. Der Sieger konnte jedoch nirgends aufgefunden
werden. Wir erinnern uns, wie er bei dem Durchbruchsversuche der
französischen Kavallerie durch einen seiner Adjutanten fast gewaltsam aus dem
Getümmel entfernt wurde. Er war nach Nollendorf zum General von Zieten
zurückgeritten in der Meinung, daß die Schlacht verloren sei, und entwarf soeben
den Plan, mit der Brigade von Zieten noch einen letzten verzweifelten Versuch
zu unternehmen, um sich zu den Verbündeten nach Kulm durchzuschlagen, als
* Die Jäger traten ihren Fang an Kosaken ab, nachdem sie ihm die goldenen Epauletten
abgerissen, um sie „als Wahrzeichen“ zu behalten. Den Kosaken wurde er endlich durch russische
Gardehusaren abgejagt. Kaiser Alexander, vor den er geführt wurde, empfing ihn höflich und
sagte ihm eine „milde Behandlung“ zu, indem er ihm einen Ort an der Grenze Sibiriens als
Aufenthalt während der Gefangenschaft anwies. Sein Los war hart und unverdient; denn er
hatte bei Kulm als tapferer Krieger seine Schuldigkeit gethan und war nur erlegen, weil
Napoleon ihn schmählich im Stiche gelassen hatte. Aber an seinem Namen hastete noch andere
Schuld, haftete die Erinnerung an sein brutales Auftreten gegen die deutschen Bürger in Bremen
und an die Erpressungen, die er dort verübt. Auch in Schlesien stand er in üblem Andenken.
Man erzählte sich, wie er dort mit dem Schweiße der Bauern gepraßt und von den Tafeln der
Reichen auf den Schlössern, wo er sich eingelagert, nachdem er sich's hatte gut schmecken lassen,
auch die silbernen Taselbestecks mitgenoneimen habe. Was Wunder, wenn das Volk bei der
Nachricht von seiner Gefangennehmung in Frohlocken und Jubel ausbrach und in den schlesischen
Städten, wo er jetzt als Gefangener durchgeführt wurde, ihm die Spottverse nachsang:
„General Vandamme,
Welchen Gott verdamme,
Da er in Breslau lag,
Trank er viel und aß er,
Das Bezahlen vergaß er.“