Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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Prinz  Eugen  zwischen  Kulm  und  dem  Gebirge  solgte,  richteten  die  Osterreicher
ihre  Angriffe  gegen  Kulm  selbst  und  auch  gegen  Arbesau.  Beide  Orte  wurden
nach  kurzem  Gefechte  von  ihnen  genommen.

Auf  französischer  Seite  hörte  jetzt  jede  Leitung  auf.  Ganze  Bataillone
streckten  das  Gewehr,  der  Rest  floh  in  wilder  Auflösung,  wo  sich  nur  ein  Ausweg
  bot.  General  Vandamme  hatte  so  lange  auf  seinem  Standpunkte  auf  dem
Horkaberge  ausgehalten,  als  noch  eine  Leitung  möglich  war.  Gegen  zwei  Uhr
nachmittags  verließ  er  mit  seinen  Offizieren  den  Berg  und  begab  sich  in  das
Schloß  von  Kulm.  Als  darauf  die  Osterreicher  in  den  Schloßhof  eindrangen,
ritt  er  durch  den  Park  fort,  ergrimmt  über  sein  unverdientes  Schicksal  und
scheinbar  gleichgültig  gegen  das  Los,  das  seiner  wartete.  Er  fiel  russischen
Jägern  in  die  Hände,  welche  nicht  sehr  glimpflich  mit  ihm  umgingen.“

Als  nach  dem  Erscheinen  Kleists  auf  den  Höhen  von  Nollendorf  die
Wage  der  Schlacht  sich  zum  Siege  für  die  Verbündeten  neigte,  drängte  es  den
König  Friedrich  Wilhelm,  seine  siegreichen  Truppen  auf  dem  Schlachtfelde  zu
begrüßen  und  ihren  heldenmütigen  Führer  von  Kleist  durch  Uberreichung  des
höchsten  preußischen  Ordens  zu  ehren.  Der  Sieger  konnte  jedoch  nirgends  aufgefunden
  werden.  Wir  erinnern  uns,  wie  er  bei  dem  Durchbruchsversuche  der
französischen  Kavallerie  durch  einen  seiner  Adjutanten  fast  gewaltsam  aus  dem
Getümmel  entfernt  wurde.  Er  war  nach  Nollendorf  zum  General  von  Zieten
zurückgeritten  in  der  Meinung,  daß  die  Schlacht  verloren  sei,  und  entwarf  soeben
den  Plan,  mit  der  Brigade  von  Zieten  noch  einen  letzten  verzweifelten  Versuch
zu  unternehmen,  um  sich  zu  den  Verbündeten  nach  Kulm  durchzuschlagen,  als

*  Die  Jäger  traten  ihren  Fang  an  Kosaken  ab,  nachdem  sie  ihm  die  goldenen  Epauletten
abgerissen,  um  sie  „als  Wahrzeichen“  zu  behalten.  Den  Kosaken  wurde  er  endlich  durch  russische
Gardehusaren  abgejagt.  Kaiser  Alexander,  vor  den  er  geführt  wurde,  empfing  ihn  höflich  und
sagte  ihm  eine  „milde  Behandlung“  zu,  indem  er  ihm  einen  Ort  an  der  Grenze  Sibiriens  als
Aufenthalt  während  der  Gefangenschaft  anwies.  Sein  Los  war  hart  und  unverdient;  denn  er
hatte  bei  Kulm  als  tapferer  Krieger  seine  Schuldigkeit  gethan  und  war  nur  erlegen,  weil
Napoleon  ihn  schmählich  im  Stiche  gelassen  hatte.  Aber  an  seinem  Namen  hastete  noch  andere
Schuld,  haftete  die  Erinnerung  an  sein  brutales  Auftreten  gegen  die  deutschen  Bürger  in  Bremen
und  an  die  Erpressungen,  die  er  dort  verübt.  Auch  in  Schlesien  stand  er  in  üblem  Andenken.
Man  erzählte  sich,  wie  er  dort  mit  dem  Schweiße  der  Bauern  gepraßt  und  von  den  Tafeln  der
Reichen  auf  den  Schlössern,  wo  er  sich  eingelagert,  nachdem  er  sich's  hatte  gut  schmecken  lassen,
auch  die  silbernen  Taselbestecks  mitgenoneimen  habe.  Was  Wunder,  wenn  das  Volk  bei  der
Nachricht  von  seiner  Gefangennehmung  in  Frohlocken  und  Jubel  ausbrach  und  in  den  schlesischen
  Städten,  wo  er  jetzt  als  Gefangener  durchgeführt  wurde,  ihm  die  Spottverse  nachsang:

„General  Vandamme,
Welchen  Gott  verdamme,
Da  er  in  Breslau  lag,
Trank  er  viel  und  aß  er,
Das  Bezahlen  vergaß  er.“