weit kommen lassen würde. Der Flottenbauplan, auf Grund dessen Deutschland
unter Wilhelm II. zur Schoffung einer eigenen Hochseefiotte geschritten
ist, „rechnete in allen seinen Einzelbelten mit einem neutralen England“
(Tirpitz, S. 59.) Welch nalve Illusion!
Daß die ganze Entwicklung unserer Flotte mit einem beständigen Kampf
gegen die Bedenken der Reicheleltung, wir würden durch die Fiottenreform
England zum Kriege reizen, Hand in Hand ging, ist bekannt.
Tatsache ist, daß wir bei Ausbruch des Krieges eine Hochseeflotte besaßen,
weiche vortrefflich war, „das Personal voll Kampfbegierde, in hohem Aueblldungsstand,
das Material dem englischen überlegen“ (Tirpitz, S. 298). Immerbin
befand sich die Flotte, ale sle den sechs größten Seemächten entgegengestellt
wurde, noch ln der Entwlcklung.
Ein ganz neues Moment war in den Ausbau unserer Flotte hbineingekommen
durch die Entwicklung, welche in den letzten Jahren vor dem Kriege das Unter--seeboot
gewonnen hatte. Zwar war die deutsche Marine bel Kriegsausbruch
sowohl in bezug auf die Qualitat wle auf die Zahl der Unterseeboote den anderen
Marinen, lnsbesondere auch der engilschen, überlegen. Nach Tirpitz" Angabe
standen bei Kriegeauebruch sieben englische U-Boote für Fernwirkung gegen
zehn deutsche U-Boote ln hoher Vollendung. Aber die ungebeure Bedeutung,
welche das U-Boot im Krieg erlangen sollte, vor allem die Möglichkeit elnes
vollkommen selbständigen Operierens auf weite Entfernungen, war damals
noch ulcht erkannt und ist erst im Verlaufe des Krieges durch die Taten der
Weddigen und Herwig in die Erscheinung getreten.
6.
Dies war in großen Zügen geschildert die militärische Lage der Mittelmächte
bel Kriegsausbruch. Die Grundzüge seien noch einmal kurz rekapltuliert:
Deutschland und Osterreich waren für den Zwelfrontentrlieg nicht vollständlg
gerüstet Iinsofern, ale Deutschland kaum zwei Drittel seiner wehrfähigen
Mannschaften, Osterreich knapp ein Orittel mllitärisch ausgebildet hatte.
Die deutsche Armee war auegezeichnet geschult und verfügte über ein vorzügliches
Offlzierkorps. Ihre Ausrüstung und Bewaffnung war nicht auf der vollen
benötigten Höhe, insbesondere ließen die Feldartillerle und die Munitions--versorgung
zu wünschen übrig. Oie österreichisch-ungarische Armee war in einem
leidlichen Zustande der Friedensausblidung, aber während im deutschen Heere
böchstens unter den elsässischen und polnischen Mannschaften sich einzelne unsichere
Elemente befanden, war die Armee der Doppelmonarchie infolge der
nationalen Verhältussse von vornherein keln unbedingt zuverlässiges Kriegsinstrument.
Eine einbeitliche Kriegsleltung war im Beginn des Kriegee nicht
bergestellt, geschweige denn eine einheitliche politische Leitung. Die deutschen
Seestreltkräfte befanden sich noch in der Entwicklung; das Vorhandene war
ausgezeichnet. Die österreichischen Seekräfte hatten elne ruhmvolke Vergangenbeit;
lhre Schlogkraft für den modernen Seekrleg war nicht über jede Anzweiflung
erbaben.
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