Volltext : Spittler’s sämmtliche Werke. Elfter Band. (11)

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barer  Schuͤchternheit  oder  Unstetigkeit  behaftet  war,  dic  ihn  zum
Reformator  irgend  eines  Fachs  immer  untuͤchtig  gemacht
haben  wuͤrde,  ihm  schien's  ein  recht  unzerreißbarer,  politischer
Zusammenhang  zu  seyn,  daß  jene  Schaaren  von  Vätern,  gelehrten
  und  ungelehrten  Vaͤtern,  die  sich  in  juristischen  Aemtern,
  Kollegien  und  Tribunalien  befaͤnden,  die  unuͤberzeugbarsten
  Schutzredner  und  Befoͤrderer  der  alten,  sogenannten
Methode  seyn  wuͤrden.  Natuͤrlich  ehrt  man,  wodurch  man
selbst  wurde,  was  man  ist,  und  es  wuͤrde  eben  so  intolerant,
als  unbescheiden  seyn,  Maͤnnern,  die  einmal  bis  zu  einer  gewissen
  praktischen  Groͤße  in  ihrem  Fache  gediehen,  von  einer
neuen,  besseren  akroamatischen  Methode  bis  zur  vermeinten
Ueberzeugung  vorpredigen  zu  wollen.  Neue  Methoden  müssen
sich,  wie  neue  Wahrheiten,  zuerst  gegen  junge,  unbefangene
Männer  erproben,  und  wer  nicht  zu  hoffen  wagt,  daß  Wahrheit
  und  Recht  im  Munde  der  Söhne  endlich  doch  die  einmüthigste
  Schaar  der  ehrwürdigsten  Väter  zu  übersiimmen
vermöge,  der  kennt  entweder  wenig  Geschichte,  oder  hat  ihm
der  Himmel  eine  seiner  schönsten  Gaben  versagt,  —  die  unermüdete
  Hoffnung  besserer  Zeiten.

Nun  darf  ich  denn  hier  auch  wohl  nur  mit  drei  Worten
ciniger  besonderen  Vortheile  gedenken,  die  ein  einsichtsvoller
Reformator  des  akademischen  Unterrichts  vielleicht  auf  wenigen
  Universitäten  gerade  so  in  reichem  Maße  genießt,  als  zu
Göbttingen;  vorausgesetzt,  daß  er  von  der  albernen  Eigenliebe
frei  ist,  seine  Methode  müsse  die  alleinherrschende  seyn.  Wer
es  meines  Erachtens  nür  dahin  gebracht  hat,  daß  auch  er.
sein  Publikum  sich  erworben,  der  hat  seine  Reform  schon
durchgesetzt;  für  das  weitere  Gedeihen  mag  Gott  und  die  Zeit
sorgen.  Es  finden  sich  nämlich  vielleicht  auf  wenigen  deutschen
  Universitäten  so  viele  Studirende,  und  vielleicht  auf  keiner
  so  viele  gerade  der  juristischen  Klasse,  die  ihre  ersten  Bildungsjahre
  schon  auf  einer  anderen  Akademie  zugebracht
haben,  als  auf  unserer  Georg-August-Universität.  Diese  höchst
zahlreiche  Klasse  junger  Männer  ist  noch  unbefangen  genug,
die  Vortheile  oder  Nachtheile  jeder  neuen  Methode  schätzen  zu
können;  schon  aber  geübt  und  erfahren  genng,  um  richtig