Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

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Aummer  300

Der  Kampf  zur  See.

Kapitän  v.  Müller.

Berlin,  28.  Dez.  Wie  das  Blankenburger
Kreisblatt  meldet,  schrieb  der  Fregattenkapitän
v.  Müller  seinen  dort  lebenden  Angehörigen,
daß  er  von  den  Engländern  auf  die  Insel
Malta  gebracht  worden  sei  und  dort  als  Kriegsgefangener
  weilen  muß.  (3Z.)

Auf  eine  Mine  gestoßen.

WIB.  London,  27.  Dez.  Der  niederländische
  Dampfer  „Leersum“  aus  Notterdam
stieß  zwiscken  Füarborough,  und  Filey  auf  eine

ne  und  sank.  Zuei  Mann  der  Besahung
werden  vermibt,  17  wurden  in  Scarborough
gelandet.

Eine  Rede  des  Admirals  Sturdee.

Rom,  28.  Dez.  Bei  einem  Banlett  bielt
der  englische  Admiral  Sturdee  eine  Rede,  in
der  er  u.  u.  sagte:  Die  Deutschen  schlagen  lich
gut  und  sind  ausgezeichnete  Soldaten.  Leider
sei  der  deutsche  Admiral  mit  seinem  schönen
Schiffe  und  der  ganzen  Mannschaft  untergegangen.
  Der  deutsche  Admiral  bedrohte  den
Handel,  und  es  sei  darum  gut,  daß  seine  Schiffe
auf  dem  Grunde  des  Meeres  liegen.  (3.)

*  ".  iee

In  den  Kolonlen.

In  Kamerun.

Berlin,  28.  Dez.  Aus  französischen  und
englischen  Meldun  en  ergibt  sich,  daß  der  englisch-frauzösische
  Vormarsch  in  Kamerun  auf
hartnäcligen  Widerstand  gestoßen  und  verlustreich
  gewesen  ist.  Die  Engländer  büßten  bei
Maj.  iba  20  Mann  ein.

J.)

vom  Mhen  Klegsschanpla.

Zur  Lage.

Verlin,  28.  Dez.  Die  Kriegoslage  im  Ositen
wird  durch  die  Kämpfe  im  Bsura-Rawla-  und
im  Piliza-  Absch  nitt  beherrscht,  wo  die  Angriffe
gegen  die  Defensiostellung  der  Russen  langsam
fortsckreiten.  Nach  den  russischen  Generalstabsberichten
  konnte  man  meinen,  die  russische  Armee
sei  im  Vormarsch,  begriffen,  während  sie  gerade
  im  Hauptteil  des  Kampfgebietes,  von
dem  aus  alles  übrige  entschieden  wird,  in  der
Defensive  kämpft  um  die  Rückwärtslkonzentrierung.
  Die  englischen  Blälter  allerdings  legen
auch  das  als  Erfolg  der  Russen  aus,  um  die
Enttäuschung  zu  bannen,  die  sich  der  Franzosen
und  Engländer  ob  der  Erfolglosigleit  der  russischen
  Millionenheere  bemächtigt  hat.  Die  englische
  Presse  zeichnet  sich  durch  großen  Mangel
an  Verständnis  für.  die  Erfassung  der  Kriegsvorgänge
  aus.  Der  italienische  Hauptmann
Cakiati  kommt  bei  sachgemäßer  Wurdigung  des
deutschen  Erfolges  in  Poljen  zu  dem  Schluß,
daß  dieser  der  außerordentlich  geschickten  Benutzung
  der  Bah  len  und  auch  der  besseren  organisatorischen
  Vorbereitung  zuzuschreiben  sei,
welche  eine  enorme  Zahl  neuer  Formationen
aufweisen  lönne,  während  die  Russen  ihr  ungeheures
  Menschenmaterial  fast  nur  zum  Ausfüllen
  der  Lucken  benußen  können.  Die  englische
  Presse  lonnte  aus  dieser  Konstatierung
etwas  lernen.  Auch  ander:  Vorgänge  verdienen
Beachtung.  Im  ruisischen  Hauptauartier
herrsche,  so  wird  berichtet,  eine  vollftändige
Prätorianerwirtschaft.  Es  würde  niemand  überraschen,
  wenn  der  Generalissimus  eines  Taes
von  einem  seiner  Offiziere  beseitigt  wür?
Die  von  ihm  beliebte  brutale  Behandlung  der
Offiziere,  die  von  ihm  Prügel  erhaiten,  hat
diese  Gärung  geschaffen.  Einige  Offiziere  seien,

——

Laudesverrat.

Roman  von  E.  Pb.  Oppesbelm.
Nachdruck  verkoten.

„Der  Brief  war  an  Sie  adrglücrn  aber  ich
machte  mir  kein  Geim  diraus,  ion  zu
ösinen  —  wie  es  mir  hichls  verschlug,  ihn  für
mich  zu  behalten,  als  ich  ihn  gelesen  hatte.

ch  trug  eine  kleine  elektrische  Toschenlampe
bei  mir,  die  ich  auf  so  unwirtsamen  Wegen
immer  mit  mir  fübrte,  und  es  gelang  mir,  das
Schreiben  bei  ihrem  Licht  zu  entzifiern.  Und
wahrend  der  ganzen  Zeit  stand  der  Elende
bebend  vor  mir,  sein  Ende  erwartend.  —  Lesen
Sie  den  Brief  —  jetzt  will  ich  ihn  Ihnen  nicht
länger  vorenthalten.“

reichte  mir  das  Schreiben.  Es  war

ein  veschäfismäßig  aussehender  Begen  mit  dem
Jirmen-Aufdruck  des  Savowehotele  in  Bukarest,
und  es  trug  kein  Datum.  Och  l

„Mein  lieber  Sobnn

Ich  verdiene  nicht,  daß  Du  weiter  als
diese  '  Wote  liest.  Ich  habe  so  wenig  ein
Rech:,  Dich  meinen  Sohn  zu  nennen,  als  Du
Verlangen  danach  tragen  wirst,  mich  als  Deinen
Vater  zu  begrüßen.  Und  doch  wage  ich  es,
—W  üte  ans  Deine  Verzeihung  anzurufen.
·  tchthnnh  rgekomnccn,uthr  die
9  r  eines  Menschen  aufzudrängen,  der
Dir  fremd  —  mehr  als  fremo  glein  muß.  25
bin  gekommen,  weil  ich  glaube,  daß  ich  5
nützlich  sein  kann.  Durch  eine  seltsame  Verr
bettung  von  Zufälligkeiten  habe  ich  erfahren,
daß  Du  durch  einen  Betrug  um  Dein  Ver- 



 

—□———————

so  wird  erzählt,  von  dem  Großfürsten  einfach
über  den  Haufen  geschossen  worden.  an
braucht  das  nicht  gerade  ganz  wörtlich  zu  nehmen.
  Aber  daß  der  russische  Generalissimus
eines  Tages  Rettung  suchen  muß  aus  seiner
Umgebung,  kann  bei  jeinen  Eigenschaften  und
der  Erfolglosigkeit  seiner  Kriegführung  angenommen
  werden.

Die  Kalmücken  als  Kosaken.

WTB.  Petersburg,  28.  Dez.  Der  Groh-=fürst
  Nilolai  telegr  aphi-  rte  an  den  Gouverneur
von  Astrachan,  der  Zar  wünsche,  daßz  die  Kalmücken
  dem  Kesalentande  zugeieilt  würden.

ri

Bon  den  öfterr.  Kriegsschuuplähen.

Die  öslerreichischen

Operationen.

Berlin.  28.  Dez.  Der  mirilérische  Sachver
ständige  der  „B.  Z.“  schreibe  :  Wenn  auch  das
Zurückgehen  der  ülerr.-3  na.  Heeresgruppen  in
südlicher  Riä#tung  an  und  für  sich  unerwünscht
ist,  so  liegt  doch  noch  kein  Grund  zu  Besorgnissen
  irgend  welcher  Art  vor.  Es  ill  zu  berücksichtigen,
  daß  die  eigentliche  Entscheidung  nicht
in  Galizien,  sondern  in  Westpolen  sallen  wird,
Wenn  dort  der  Gegner  entscheidend  geschlagen
und  zum  Jurüdgebe  n  in  das  Innere  des  Landes
  gezwungen  wird.  so  wird  dadurch  gleichzeilig
  das  Schidsal  von  Galizien  entscheiden.  Aus
diesen  Gründen  sind  die  Nachrichten  über  die
erfolgreichen  Fortschritte  unserer  Verbündeten
im  Bfura-Ramka  Abschnitt,  sowie  östlich  von
Tomaschow  be  deutungsvol.  er  und  wichtiger  als
das  Zurückgehen  der  Oeslerreicher  in  Galizien.

Der  amtlicke  ösrerreichische  B

WIIB.  Wien,  23.  Des-  Amtlich.  Nördlich
des  Dullapasses  wichen  unsere  Truppen  den
Angriffen  der  Russen  in  Stellungen  näher  am
Larpathenkamme  aus.  Zwischen  Biala  und
Dunajec  im  Raume  nordöstlich  Jallichon  wurden
  sehr  beftige  Angriffe  des  Feindes  abgewiesen.
  Sonst  ereignete  sich  an  unserer  Front
auf  dem  nordöstlichen  Kriegeschauplatz  nichts
Weientlickes.  Im  Süden  herrscht,  von  einigen
Greneplänkeleien  algesehen,  voillommene  Ruhe.
Die  Serben  sprengten  wieder  die  Semliner

ericht.

Die
Brüde.

##  ##  □  ·  «I'-.’·«.·-  „
Die  Türkel  im  Welkkeieg.
Die  Erfolge  der  Türken.
Konstantinopel,  28.  Dez.  Die  Türken
suchen  ihren  füngsten  Ersoig  bei  Olti  gut  ausennutzen.
  Wie  hieber  berichtet  wird,  entwikkeln
  sich  die  Dinge  an  der  russischen  Grenze  befriedigend.
  Die  persischen  Stämme  werden  in
sechs  Wochen  alles  beendet  haben,  um  in  den
Kampf  an  der  Seite  der  Türken  eingreifen  zu
können.  (3.)

Das  Seegefecht  auf  dem  Schwarzen
Meere

WITB.  Konstantinopel,
glaubwürdigen  Mitteilungen  sand  das  Seegesecht
  bei  Zunguldak  stalt.  Es  heißt,  daß  die
Russen  durch  die  Versenlung  von  Schiffen  den
Zugang  zum  Hafen  von  Zunguldak,  der  eine
Kohlenstation  ist,  veriperren  wollten,  aber  dank
der  Tapferkeit  der  osmanischen  Flotte  gelang
der  Versuch  nicht.

Vor  den  Dardanellen.
VIIB.  Basel,  28.  Dez.  Wie  die  „Vaseler
Nachrichten“  melden,  ist  das  verbündete  Geschwader
  vor  den  Dardanellen  neuerdings  ver-*



28.  Dez.  Nach

 

starlt  worden.  Es  besleht  jetzt  aus  40  Wimpeln,

mögen  gedracht  worden  bist.  Du  wirst  es
längst  verloren  gegeben  haben;:  ich  aber  glaube,
daß  ich  es  Dir  wiederverschaffen  kann.  Nur
müßtest  Du  mir  eine  Unterredung  bewilligen,
um  die  ich  Dich  herzlichst  bitte.  Sage  meinem
Boten,  der  mir  ein  Freund  in  der  Not  war
und  der  sich  mein  Vertrauen  ledlich  verdient
hat,  wann  und  wo  ich  Dich  tressen  kaun.
elot.  bin  hier  im  Hotel  abgesnegen  unter  dem
Nam  Giulio  Sturdza.

onne  ein  Wort  legte  ich  den  Brief  auf  den
Tisch.  Er  hatte  sich  eine  Zigarette  gedreht,
während  ia  las,  und  entzuͤndete  jetzt  ein
Streichholz.  Geraume  Weile  mggten  er  auf
eine  Bemerkung  von  mir,  da  ich  jedoch  beharrlich
  schwieg,  fuhr  er  fort  zu  sprechen.
„Ich  begriff  den  Jusammenhang  der  Dinge
ofort.  Wie  er  es  damals  gewesen  war,  war
Ihr  Vater  heute  noch  der  bezahlte  Spion  irgendeiner
  ausländiichen  Regierung.  Er  wußte,  daß
Sie  Oifizier  gewesen  waren;  vielleicht  vermutete
  er,  Sie  hätten  damals  schon  mt  dem
Werk  in  Verbindung  vöestanbern,  das  hier  im
Gange  war.  Und  claubte  ein  bequemes
Werkgeug  für  seine  Iceahr  in  Ihnen  zu  haben.  —
Wie  gesagt,  ich  siecke  den  Brief  in  die  Tasche
und  behielt  ihn  dar  Ich  kannte  Sie  nicht,
aber  ich  kannte  Jören  Vater  wohl.  Und  es
ellchien,  mir  angebracht,  die  äußerfte  Vorsicht
Aber  ich  dachte  natürlich  nicht  daran,
4  Wort  wahr  zu  machen,  das  ich  dem  Boten
Ihres  Paters  einmal  gegeben  hatte.  Ich  könnte
wohl  einen  Menschen  töten  in  ehrlichem  Kampf
—  mit  diesem  jammervollen  Burschen  aber  wäre
es  ein  ehrlicher  Lampf  nicht  gewesen.  Und  ich
bedeutete  ihm,  d  fzae  sich  noch  einmal  ungestrast
  entfernen  1

 

—

darunter  fünszehn  Dreadnoughls  und  anderen
Schlachtschiffen.  Es  wird  ein  entscheidender  Angriff
  erwartet.  Das  französische  Schlachtschiff
„Waldeck  Rousseau“  mit  dem  kommandierenden
Admiral  an  Bord  ist  in  Saloniki  eingetroffen.
*#
——  *
Japan..
Tumult  im  japanischen  Parlament.
WTB.UH  Basel,  58.  Dez.  Nack  einer  Meldung
  aus  Tolio  ist  es  im  japanischen  Parlament
  vor  der  AuflösZ  ung  zu  Kürmischen  Szenen
getommen.  Die  Verteidiger  der  Inselpolitil  gerieten
  sogar  in  ein  Landgemenne  mit  den  Konlinenlairolitilern.
  Der  Deputierte  Schibawa,
ein  früherer  Minister,  wurde  so  zwischen  die
Bänle  gepreßt,  daß  er  schwere  innere  Vorlelzungen
  erlitt.

Sozlale  Rundschau.

 

#ünchen.  38.  Dez.  Im  Monat  November
1913  hat  die  Lage  des  Arbeitsmarkltes

  in  Bayern  eine  fuhlbare  Besserung  erfahren;
  dies  gilt  vor  allem  vom  mämlichen  Arbeitsmarlt.
  Während  in  den  beiden  Vormonaten
  auf  je  100  bei  den  bayer.  Arbeilsämtern
angemeldete  offene  Stellen  162  männliche  Arbeitsuchende
  trasen,  ist  diese  Zahl  im  November
  auf  151  zurüdgegangen.  Besonders  bemerenswert
  in  dies,  wenn  man  die  Dorjahre  zum
Vergleich  heranzient.  Sonft  pflegt  der  November
  regelmähig  eine  Erhöhung  der  Andrangszisser
  zu  bringen,  1913  trasen  im  Oktober
auf  100  offene  Stellen  130  mäm.liche  Arbeitsuchende,
  im  November  205,  in  diesem  Jahre
ist  sien  im  Gegenteil  gesunken  von  162  auf
151.  Die  Andrangsziffer  liegt  im  heurigen
November  so  tief,  wie  seit  1910  nicht  mehr.
Namentlich  gegenüber  dem  vorigen  Jahre  tritt
also  eine  sehr  beträchtliche  Besserung  zutage.
Auch  der  weibliche  Arbeitsmarkt  zeigt  gegenüber
  dem  Vormonat  ein  elwas  günstigeres  Bild;
im  Vergleich  zu  den  Vorfahren  scheint  allerdings
  noch  eine  Verschlechterung  vorzuliegen.
Zu  der  Besserung  im  Arbeitsmarkte  dürfen  vor
allem  die  umfangreichen  Militärlieferungen  beigetragen
  haben,  die  besonders  im  Metallverarbeitungsgewerbe,
  in  der  Lederindustrie  und  im
Belleidungsgewerbe  zahlreiche  Hände  in  Arbeit
setzten.  Ein  größerer  Rückgang  der  Beschäfligungsangelegenheit
  ist  für  die  Holzindustrie  u.
das  Baugewerbe  gemeldet.

Bayerische  Rachrichlen.

Regensburg,  28.  Dez.  Bahnarzt  Dr.  Anton
  Lorenz  von  Kösering  wurde  am  Sonntag
in  Oberstraubling  vom  Zug  getotet.  Dr.  Lorenz
  war  mit  seinem  Automobil  trotz  geschlossener
  Schranke  auf  den  Bahnkörper  gefahren.

Kürnberg,  26.  Dez.  Eine  neue  Betriebskolonne
  für  Belgien  aus  etwa  3000  Eisenbahnbramten
  und  bediensteten  des  rechtorheinischen

Bayern  wurde  gestern  am  hiesigen  Hauptbahnhof
  zusammengestellt.  Eine  weitere,  ebe  nfojnatle
  Betriebstolonne,  bereits  die  fünfte,  sowie
  eine  eigene  Baukolonne  mit  zirka  500  Mann,
gleichsalls  für  Belgien  bestnmn.  wird  am  29.
Dezember  gebildet  werden.  Diese  Beamtenzuutendungen
  sind  dadurch  veranlaßt,  daß  am

1.  Januar  die  belgisch  en  Eisenbahnen  in  ihrem
ganzen  Umfange  wieder  in  Betrieb  genommen
werden  sollen.

Grafenwöhr,  28.  Dez.  Am  zweiten  Weihnachtsfeiertage
  kand  das  auf  dem  hiesigen
Truppenübungsplatz  erstellte  Barackenlager  seine
ersten  Gäste.  Nicht  neniger  als  10  000  Russen,
die  in  vier  Sonderzügen  von  Frankfurt  a.  O.
eingetroffen  waren,  fanden  darin  Unterlunft.

 

 

Jm  ganzen  sind  nunmehr  240000

gefangene

„„Sie  konnen  zu  Ohrem  ehrenwerten  Herrn
zurücktehren.“.  sagte  ich.  „„Und  richten  Sie
ihm  aus,  daß  Sie  mir  ben  zegnet  sind.  Ich  denke,
das  wird  genügen.  Sagen  Sie  ihm  aber  auch,
daß  ich  morgen  abend  in  Butarest  sein  werde;
und  wenn  sich  dann  jemand  im  Savoy-Hotel
aufhält,  der  sich  Giulio  Sturd,  nennt,  so  werde
ich  der  Polizei  zu  tun  geber

Der  Mensch  zögerte  durchaus  nicht,  meiner
Aufforderung  Folge  zu  geben.  Und  er  war  im
Dunkel  verschwunden,  als  hä:te  ihn  der  Boden
verschluctt.“

Ich  hatte  ihm  zuletzt  atemlos  gelauscht.
Jetzt  geif  ich  unwillkürlich  nach  seinem  Arm.

„Er  verschwand  im  Dunklen  —?“  stieß
ich  2  heroor.,  „So  haben  Sie  nichts  mit
seinem  Tod  —

„Lassen  Sien  mich  mit  cheiner  Erzählung  zu
Ende  tommen!  —  Wie  Sie  sich  vielleicht  erinnern
  werden,  kehrte  ich  iu  Ihr  Haus  zurück.
Ich  sagte  Ihnen  nichts  von  dem  Mann  und
nichts  von  dem  Brief,  und  wir  sprachen  von

allen  möglichen  Dingen.  Es  war  spät,  als  ich
Sie  verließ.  Und  da  —  da  zeigte  der  Mann,
den  ich  nur  als  den  schnma  hdckiten  Feigling
gekannt  batte.  zum  ersten  Male  in  seinem  Leben
etwas  wie  Er  hatte  mir  ausgelauert.  weil
er  mich  beseluigen  wollte.  Er  wußte  ja,  daß
seine  und  Ihres  Vaters  Rolle  in  Rumänien
ausgespielt  war,  seildem  ich  von  lhrer  Anwesenbeit
  in  Bukarest  wußte.  Und  die  pekuniäre
Lage  bder  veiden  mochte  wohl  so  verzwelfelt
sein,  daß  sie  vor  nichts  mehr  zurückschreckten.
—  An  der  Stelle,  die  Sie  ja  kennen,  schlu
er  von  hinten  mit  einem  schweren  Stock  na
mir.  und  suchte  mich  dann  über  den  Rand  der
sieilen  Böschung  zu  drängen  r  es  war

 

—  —

 

 

natürlich  ein  wocbnwihce  Peginnen.  Ich

Mittwoch,  30.  dezember  1914

Franzosen  und  Russen  in  Grafenwöhr  „in  Aufenthalt“.


Würzwurs  23.  Dez.  Lebenvig  verbrannt
ist  in  Verobach  die  Landwirtstochter  Benkert.
Sie  kam  dem  Herdfeuer  zu  nahe,  so  daß  die
Kleider  Feuer  fingen.

Bawerliches  Oberlane.

Kußdorf,  28.  Dez.  Die  Beerdigung  unseres
Altburgermeisters  und  Ehrenbürgers  Wolsgang
Dettendorfer  gestaltete  sich  zu  einer  großen
Trauerkundgebung.  Die  zahlreiche  Beteiligung
aus  nah  und  fern  legte  zeugnis  ab  für  seine
Beliebtheit.  Der  Leichenzug  nahm  eine  große
Ausdehnung  an.  An  der  Spitze  marschierte
die  Schuljugend.  Ihr  schlossen  sich  der  Gewerbe-,
  Kranlennnterstützungs,,  Gebirgstrachten-,
  Veterauen=  und  Kriegerverein,  sowie  die
sreiwillige  Feuerwehr,  sämtliche  mitl  Fahne,  an.
Dann  folgte  die  Kgl.  Grenzwache  NuHdorf  und
Windehausen,  die  Gendarmeriestalion  Neu
beuern,  die  Bürgermeister  der  umliegenden  Gr.

meinden,  welche  sehr  zahlreich  erschienen,  dann
Gemeindeverwaltung,  Kirch  zenverwaltung,  Armenpfiegschaflsrat
  und  Naisseisenverein.  Der

reichgeschmückte  Sarg.  Kreuz  und  Kerzen  wurden
  von  den  Bürgermeistern  gelragen.  Am
Grabe  hielt  S.  H.  Pfarrer  Joseph  Lanz  eine
tiefergreifende  Nede,  in  der  er  auf.  das  unermüdliche
  Wirlen  und  die  großen  Verdienste
des  Verewigten  um  seine  Gemeindeangehörigen
mit  holber  Anerlennung  hHinweisen  konnte.  Die
Rede  hob  besonders  die  creligiöse  Gesinnung
des  Verewigten  hervor,  welcher  er  tren  blieb
bis  zum  Ende  des  Lebens.  Mit  22  Jahren
mußte  er  schon  das  Geschäft  übernehmen,  weil
sein  Valer  1802  bei  Windehausen  den  Tod
sand.  Mit  Gottvertrauen  fuhrte  er  das  Geschäft
  weiler  bis  180.J,  als  die  Schiffahrt  ihr
Ende  nahm.  Während  dieser  Zeil  hat  er  den
Betrieb  von  Kleinem  zu  Großem  eniporgearbeitet.
  Vor  drei  Jahren  hat  ihm  der  Tod
seine  Frau  entrissen.  Die  Muillapelle  erhöhle,
den  Traueralt  durch  ergreisende  Choralmusil.
Jahlreiche  Kränze  wurden  am  Grabe  nieder
gelegt.

Raubling,  23.  Dez.  Der  lath.  Arbeiterverein
  machte  am  Stephanitag  eine  „Wallfahrt
nack  Söwarzlac  bei  Brannenburg.  Dort  wurde
Kriegsa#dch  mit  Predigt  abgehalten.  Der
Verein  widmete  dem  Gnadenbilo  eine  große
Kerie.  Eine  großze  Menge  Gläubige  war  bei
der  erhebenden  kirchlichen  Feier  anwesend.  Möge
die  Gotleomutter  den  Bitten  und  Wünschen  der
Wallfahrer  gnädig  willfahren!

Großholöhausen,  28.  Dez.  Ein  folgenschwecreso
  Unglück  ereignete  sich  in  Aich  bei  Großholzhausen.
  Dort  wird  beim  Anweien  Strenb
längs  des  Hauses  eine  Wasserleitung  gelegt.
Das  ausgehobene  Erdwerk  entzog  der  Mauer
den  Halt  und  der  vordere  Tei##des  Hauses
stürzte  ein.  Die  Trümmer  begruben  das  in  der
Wohnstabe  weilende  alte  Mutterl  Streub  und
einen  Arbeiter.  Leider  konnte  die  alte  Frau  nur
ale  Leiche  ans  den  Schuttmassen  geborgen
werden,  während  der  Arbeiter  ohne  ernstliche
Verletzungen  aus  seiner  Jwangslage  befreit.
werden  lonnze.  Das  alte  Matierl  saß  srrickend
am  Tisch.

Kolbermoor,  23.  Dez.  Der  Veteranen  u.
Kriegerorrein  Kolbermoor  hielt  am  Stephanitag
  im  Mareisfaal  seine  Chriftbaumfseier  ab.
Außer  gediegenen  Musikvorträgen  der  Kapelle
Kolbermoor  und  Gesangsvorträgen  des  Kirchenchors
  wurde  cin  Kindertheater  sowie  lebende
  Bilder  vaterländischen  Inhalts  geboten.
!  Die  einzelnen  Teile  des  Chriflbaumes  nebst
anderen  Geschenken  wurden  an  die  Kinder  der
Kriegsteilnehmer  verteilt.  Mit  dieser  Feier  war

schurtelte  ihn  ab  wie  ein  lasutges  Insekt,  und  ich
gab  ihm  den  Schlag  zurück.  Dann  aber,  als.
er  ein  Messer  zog,  anftatt  zu  entfliehen,  hob
ich  ihn  auf  und  Thlenderte  ihn  über  die  Klippe
in  die  Tiese.  —  Das  ist  mein  Anteil  an  seinem
ode.  Es  war  Notwehr  —  nichts  als  Notwehr,
  die  ich  vor  mir  und  vor  dem  höchsten
Richter  verantworten  kann.  Aber  freilich  —
die  Nacht  war  dunkel.  und  es  hat's  niemand
gesehen.  In  Bukarest  sitzen  mächtige  Lente,
die  mir  wenig  wohl  wollen,  und  unsere  Richter
sind  nicht  unempfänglich  für  einige  hundert
blanker  Lei.  *  habe  ich  geschwiegen  —
heute  bereue  ich  e
oUnd  der  angebliche  Giulio  Sturdza  —2“
atle  das  Hotel  verlassen,  als  ich  nach
Bukorest  ban.  Und,“  setzte  Suhzko  mit  grime
migenne  srrichet  binzu,  „er  hat  keine  Adresse
nterla
„Wenn  Eie  auch  gegen  alle  schwiegen  —
mir  hätten  Sie  vertrauen  sollen,  sagte  ich.
„Ich  hatte  zu  viel  Verrat  und  Niedertracht
ersahren  in  meinem  Vaterland.  Aber  wenn
ich  Sie  gekannt  hätte,  lie  nich  Sie  jetzt  kenne,
würde  ich  es  gewagt  hab
Es  kam  ein  #et  Shweigen  zwischen
Wir  sahen  un?  nicht  an;  so  slill  war
„  daß  wir  unsere  Atemgüge  hörten.  Auf  uns
Friden  lostete  die  Erinnerung.  Dem,  was  geagt
  war,  hatte  niemand  von  uns  etwas  hinzausügen.
  Und  wovon  sollten  wir  sprechen?
b  der  Oberst  den  Kopf  und  sah
lauschen  auf  die  Tür.  Ich  hörte  noch  nichts,
aber  Joan  Sutzko  besaß  schärfere  Sinne  als
ich.  Einen  Augenblick  Eöter  wurde  rasch  ein
paarmal  geklopft  —  elner  scheuen,  unruhlgen
  Art.

na

—  —

IEortlluag  folgt.  –