VII
etwas, was sie sich nicht vorstellen können, weil sie es noch nicht gesehen
haben, als Utopie zu bezeichnen.
Kehren wir zu unserem Thema zurück. Die freie Konkurrenz regelt
alle Preise, bringt sie auf das richtige den Verhältnissen entsprechende
Maass und passt sie rasch und genau den jeweils bestehenden Umständen
an. Das allgemeine volkswirthschaftliche Interesse verlangt also, wie
für alle Leistungen so auch für die des Transportes die Ermöglichung der
freiesten Konkurrenz. Im Eisenbahnverkehre kann nun diese Wirkung
durch den Eisenbahnen parallele Strassen gar nicht, und durch Konkurrenzlinien
nur unvollkommen erreicht werden. Die Konkurrenz muss
auf die Schiene selbst hingetragen werden, wenn sie ihre volle Macht
soll entfalten können, und das Motto der Zukunft im Eisenbahnwesen
muss unserer Ueberzeugung nach nicht Konkurrenzlinie, sondern
Konkurrenz auf der Linie heissen.
Auch ein anderes Motiv als das der Konkurrenz muss zur Freigebung
des Verkehrs auf der Schiene führen; der Apparat einer Eisenbahnverwaltung
nach dem heutigen Systeme ist ausserordentlich komplieirt
und muss durch die in rascher Progression steigenden Anforderungen des
Verkehrs immer komplicirter werden, so dass es endlich nicht mehr möglich
sein wird, die ganze Leitung aller dabei in Betracht kommenden Geschäftszweige
in einer Hand zu vereinigen. Vernachlässigung, mindere Sorgfalt
oder ungleiche Vertheilung der Obsorge auf die einzelnen Zweige muss
daraus folgen, und ist wohl auch schon daraus gefolgt; da muss sich
endlich das unwiderstehliche Princip der Arbeitstheilung Bahn brechen,
und es wird zunächst wahrscheinlich jene Dreitheilung eintreten, welche
Herr Schüler selbst in richtiger Erkenntniss der Sachlage angedeutet hat.
Gegen die Durchführung der hier angeregten Idee sprechen vornehmlich
zwei Faktoren, nämlich: das Interesse der Eisenbahnunternehmung
und die technischen Betriebsschwierigkeiten. Auf beide Faktoren legen
wir jedoch kein grosses Gewicht. Das Interesse der Bahnunternehmung
besteht darin, dass sie als Eigenthümerin des Bahnkörpers diesen nach
Möglichkeit allein und monopolistisch ausbeuten möchte. Ob nun das ein
wahres Interesse ist, oder vermeintlich — weil gewohnt — darüber müssten
erst genaue Berechnungen angestellt werden. Wir unseren Theils sind
überzeugt, dass der Eigenthümer des Bahnkörpers durch Ueberlieferung
der Benützung des letzteren an die freikonkurrirende Transportthätigkeit
selbst den grössten Nutzen ziehen würde; wo man aber nur aus Vorurtheil
am Althergebrachten wird festhalten wollen, wird man bald genug Gelegenheit
haben, den eigenen Schaden zu spüren, und man wird es sich
endlich gefallen lassen müssen, dass die ewig siegende Wahrheit über
selbst gewollten Ruin dahinschreite; und wer der Logik der Gedanken
starren Widerstand entgegensetzen wird, den wird die Logik der Thatsachen
eines Besseren belehren — wenn es auch für ihn zu spätist. Was
aber die technischen Schwierigkeiten betrifft, so kann man heutzutage