Full text : Geschichte Bayerns.

Albrecht  III.,  Herzog  von  Bayern-München.  57

der  alte  Vater.  Er  befürchtete,  es  möchte  nach  dem  Tode  seines
Sohnes  Albrecht  ein  verheerender  Krieg  in  Bayern  entstehen,
weil  die  Söhne  seiner  bürgerlichen  Gemahlin  Agnes  ihm  in
der  Regierung  des  Landes  nicht  würden  nachfolgen  können.
Daher  verlangte  er,  sein  Sohn  Albrecht  solle  sich  von  seiner
Gemahlin  wieder  trennen.  Dieser  war  aber  keineswegs  hiezu
geneigt,  sondern  ließ  sie  an  seinem  Hofe  in  Straubing,  wo  er
Statthalter  war,  als  Herzogin  mit  allen  ihr  gebührenden  Ehren
behandeln.  Agnes  hatte  daran  gar  kein  Wohlgefallen;  denn
es  lag  ihr  immer  schwer  auf  dem  Herzen,  daß  sie  die  Ursache
eines  so  großen  Zerwürfnisses  zwischen  ihrem  Gemahl  und
dessen  Vater  sein  sollte.  Sie  befürchtete  immer,  die  Sache
möchte  über  kurz  oder  lang  ein  schlimmes  Ende  nehmen.  So
war  es  auch!  Als  einst  sich  der  liebende  Gatte  von  Straubing
entfernt  hatte,  ließ  der  unversöhnliche  Herzog  Ernst  Agnes
schnell  gefangen  nehmen.  Der  Gefangenen  wurde  nun  kurzer
Prozeß  gemacht;  sie  wurde  wegen  fälschlich  ihr  angedichteter
Verbrechen  zum  Tode  verurtheilt.  Die  Unglückliche  flehte  um
Erbarmung;  —  doch  umsonst!  Agnes  wurde  in  die  Donaugeworfen
  und  ertrank  1436  den  12.  October.

Als  Ernst  die  an  Verzweiflung  grenzende  Trauer  seines
zurückgekehrten  Sohnes  sah:  da  gingen  ihm  die  Augen  auf;  da
schlug  ihm  das  Gewissen;  da  bekannte  er  öffentlich  sein  Unrecht;
  und  als  mit  der  Zeit  in  Albrechts  Herz  diese  Wunde,
die  ihm  geschlagen  wurde,  zu  vernarben  begann,  da  söhnten  sich
Vater  und  Sohn  wieder  miteinander  aus.  Albrecht  gab  nun
dem  Wunsche  seines  Vaters  nach  und  vermählte  sich  mit  Anna
von  Braunschweig.  1438  starb  Herzog  Ernst,  und  Albrecht
  III.  wurde  dann  Herzog  von  Bayern-München.

Bald  nach  dem  Antritte  seiner  Regierung  gab  er  eine
herrliche  Probe  edlen  Sinnes.  Die  Böhmen  kannten  ihn  nämlich
  schon  von  Ingend  auf,  weil  er  lange  am  Hofe  zu  Prag
sich  aufgehalten  hatte,  und  gewannen  ihn  lieb.  Als  nun  Herzog
Albrecht  V.  von  Oesterreich,  der  auch  König  von  Böhmen
gewesen,  starb,  und  erst  nach  seinem  Tode  dessen  Sohn  und