Full text : Gesetzsammlung für das Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. Fünfzehnter Jahrgang. 1854. (15)

Gefechte  genügen  dazu  nicht,  wie  überhaupt  in  jedem  anderen  Falle  die
dortigen  Hoffnungen  nicht  verwirklicht  werden  können.

All  alledem  folgt  zwingend:

I.  Daß  wir  alles  daran  setzen  müssen,  um  im  RKampfgebiet  an  der
Maas  vorwärtezubommen.

2.  Daß  wir  das  jetzige  Verfahren  entschlossen  aufgeben,  unter  möglichster
  Kräftebeschränkung  zum  schulmäßigen  Sappenangriff  übergehen
und  an  anderer  Stelle  die  Entscheidung  suchen  müssen,  sobald  wir  erbennen,
daß  auf  die  bisherige  Weise  das  nötige  Ergebnis  in  absehbarer  zeit  nicht
mehr  zu  erhoffen  ist.

Gewiß  wird  im  letzteren  Falle  gesagt  werden,  wir  hätten  die  Schlacht
vor  Derdun  nicht  gewonnen.  Das  wird  aber  alich  jetzt  schon  gesagt  und
kann  und  muß  in  Zauf  genommen  werden.

Gewinnen  wir  die  Schlacht,  so  steigen  unsere  Aussichten,  den  Krieg
bald  zu  beenden,  sehr.  Gewinnen  wir  sie  nicht,  so  wird,  schon  nach  dem
bisher  Erreichten,  das  siegreiche  Ende  zwar  verzögert  werden,  aber  nicht
beeinträchtigt,  wenn  wir  uns  rechtzeitig  entschließen,  uns  bei  VDerdun  nicht
nutzlos  festzubeißen,  sondern  den  Feinden  an  anderer  Stelle  das  Gesetz
vorzuschreibben  “

Die  Darlegungen  des  Generals  v.  Falkenhayn  waren  für  mich  in  den
Hauptpunkten  überzeugend.  Wenn  die  O.  S.  K.  auf  Grund  ihrer  unzweifel—
haft  umfassenderen  und  zutreffenderen  Kenntnie  der  Feindlage  die  Wirkung
unserer  Offensve  auf  den  Bräfteaufwand  der  Franzosen  geringer  einschätzte
  als  mein  Oberkommando  und  sich  außerstande  erblärte,  dauernd
unsere  Streitkräfte  und  Rampfmittel  auf  der  bieberigen  Söhe  zu  halten,
so  wurde  dadurch  die  von  uns  vertretene  Auffassung,  daß  sich  bei  Verdun
das  Schicksal  der  französischen  Armee  entscheiden  werde,  natürlich  stark
erschüttert.  Ich  stimmte  daher  ganz  mit  der  Absicht  des  Generals  v.  Falken—
hayn  überein,  von  dem  Ausgang  des  für  die  nächste  Zeit  geplanten  und
auch  von  ihm  gebilligten  Teilangriffs  auf  dem  Cstufer  die  Entscheidung
der  Frage  abhängig  zu  machen,  ob  die  Offensive  auf  Verdun  überhaupt
fortzusetzen  oder  abzubrechen  sei.  Mit  Genugtuung  glaubte  ich  aus  seinem
Schreiben  entmehmen  zu  können,  daß  die  frühere  Idee,  den  Feind  in  unaufhörlicher
  RKampfhandlung  „zum  Ausbluten“  zu  bringen,  offenbar  aufgegeben
  war  und  die  feste  Absicht  bestand,  einem  nutzlosen  Festbeißen  bei
Verdun  vorzubeugen.  Das  war  mir  ganz  aus  der  Seele  gesprochen.  Im

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