130 Drittes Kapitel
er darauf hinwies, daß viele gemeine Lügen und Entstellungen über
das barbarische Auftreten der Deutschen in der fremden Presse berichtet
würden. Eins verbäte er sich mit allem Nachdruck, das sei die Verunglimpfung
des deutschen Offiziers, wie es leider im Ausland geschehen
sei. Die kurz und scharf gesprochenen Worte machten sichtlichen
Eindruck. «
Aus den Gesprächen mit den Herren ging hervor, daß Amerika
rüste, aber angeblich nicht gegen uns, sondern gegen Japan, auf das
die Herren nicht gut zu sprechen waren. Ein Krieg mit ihm galt ihnen
über kurz oder lang als unabwendbar.
Bevor es weiterging, hatte ich noch Zeit, mir die Stadt, besonders
die Kathedrale und das Museum, anzusehen. In diesem waren die
zahlreichen Kunstwerke des Malers Latour aufbewahrt. Es ist bezeichnend,
daß es einem deutschen Kunstgelehrten während der Besetzung
vorbehalten blieb, das erste größere Werk über diese hervorragende
Sammlung zu schreiben.
Als mit schweren Kämpfen um die Stadt gerechnet werden mußte,
wurden die Schätze verpackt und zur Sicherheit nach Deutschland gebracht,
um nach Friedensschluß dem Feinde wieder ausgehändigt zu
werden. Ob das die Franzosen in Deutschland getan hätten?
Ich besuchte dann die Stellung deo XVIII. A.K., insbesondere die
des hessischen Leib-Regiments. Unter Führung eines Gefreiten gelangte
ich sicher in die Schützengräben. Die Truppe machte einen ganz
vorzüglichen Eindruck, sie war zufrieden, hatte, wie die Leute behaupteten,
alles, was sie brauchte und brannte nur darauf, mit ihrem
Gegner abzurechnen.
Unterwegs konnte ich noch eine Stunde bei meinem Schwager,
dem Major Edler v. d. Planitz, weilen, der seine Stellung als Adjutant
S. K. H. des Kronprinzen des Deutschen Reiches mit der eines Abteilungskommandeurs
im Hess. Artl.-Regt. 25 vertauscht hatte. Er war
glückselig, in der Front zu sein. Damals ahnten wir nicht, daß es
unser letztes Beisammensein sein sollte. Er fiel am 11. Oktober bei
Vimy.
Das A.O. K. des Kronprinzen Rupprecht von Bayern in Lille und
das der 4. Armee in Thielt, an deren Spitze der Herzog Albrecht von
Wäörttemberg stand, bildeten die nächsten Jiele der Reise. Von letztgenanntem
Ort aus suchte ich die Stellungen des II. Bayerischen Armee-