Full text : Preußische Gesetzsammlung. 1918. (109)

—  310  —

selben  verschwenderisch  meist  nur  so  anfressen,  daß  sie  herunterfallen
oder  absterben  müssen  und  dann  gleich  an  neue  Blätter  und  Triebe
gehen,  um  es  mit  diesen  ebenso  zu  machen.  Durch  dieses  unstete  Fressen
wird  die  Nonne  in  so  furchtbarem  Grade  schädlich.  In  Kiefern  frißt
sie  häufig  mit  der  Forleule  und  Blattwespe,  in  Eichen  mit  dem
Schwammspinner  und  Goldafter,  auf  Rothbuche  mit  dem  Rothschwanz
zusammen.  Zuerst  zieht  sie  ältere  Stämme  vor,  bei  Ausbreitung  des
Fraßes  greift  sie  jedoch  alles  Holz  und  Unterholz  an.

Der  Fraß  dauert  meist  drei  Jahre  hintereinander.  Da  das  Insekt
auch  die  Knospen  angreift,  so  tritt  nach  Kahlfraß  meist  Absterben
der  Bestände  ein.

Gegenmittel.  1.  Das  Tödten  der  Raupen  kann  auf  Kulturen,
  Kämpen  und  zartem  Unterholz  vorgenommen  werden,  wohin  die
Raupen  bei  starken  Stürmen  und  Winden  von  den  benachbarten  befallenen
  Beständen  leicht  übergeweht  werden.  Man  zergquetscht  sie  am
besten  mit  Pincetten,  die  man  sich  selbst  aus  grobem  Draht  biegt.  Bis
Ende  Juni  sind  solche  Stellen  fort  und  fort  zu  revidiren  und  event.
abzusuchen.

2.  Das  Tödten  der  Weibchen.  Diese  sind  leicht  durch  Größe,
Farbe,  fadenförmige  Fühler  und  festes  Sitzenbleiben  kenntlich.  Man  sucht
sie  namentlich  in  solchen  dunklen  Bestandtheilen,  die  in  der  Nähe  von
lichten  und  kahlgefressenen  Orten  sind,  überhaupt  im  Schatten  auf  und
zerquetscht  oder  beschmiert  sie  mit  in  Raupenleim  getauchten  Lappen
an  langen  Stangen.  Etwa  5—6  Tage  nach  dem  Erscheinen  der  ersten
Schmetterlinge  sind  sie  dort  massenhaft  zu  finden.  Das  Tödten  der
Spiegel,  die  man  im  ersten  Frühjahr  gleich  nach  dem  Auskriechen  zerquetscht
  oder  besser  mit  Raupenleim  betupft,  ist  ein  gutes  Vertilgungsmittel.
  Als  natürliche  Feinde  haben  sich  namentlich  bewährt:  Kukuk,
der  Puppenräuber  (Calosôma  Sycophänta)  und  die  Nonnenraupenfliege
(Tachina  monächae);  Meisen  und  Baumläufer  decimiren  stark  die
Eier  und  Puppen.

Ein  durchschlagendes  Vertilgungsmittel  ist  uns  leider  noch  nicht
bekannt;  am  erfolgreichsten  ist  wohl  noch  das  Spiegeln.  Der  Erfolg
des  neuerdings  vielfach  vorgeschlagenen  Leimens  der  Bestände  genau
so  —  wie  gegen  den  Spinner  —  oder  da,  wo  oben  die  glatte  Rinde
beginnt  (Hochringeln),  ist  noch  nicht  genügend  bewährt.