Metadata : Diplomatische Aktenstücke.

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Nr.  119.

Sir  Edward  Grey,
an  Sir  F.  Bertie,  britischen  Botschafter  ın  Paris.

Foreign  Office,  den  31.  Juli  1914.
Ew.  Exzellenz  !

Herr  Cambon  bezog  sich  heute  auf  ein  vom  französischen
Botschafter  in  Berlin  gesandtes  und  Sir  Arthur  Nicolson  unterbreitetes
  Telegramm,  welches  besagte,  dass  «die  Ungewissheit
eines  Eingreifens  unserseits  ein  aufmunterndes  Element  in  Berlin
  bilde  und  dass,  wenn  Grossbritannien  sich  nur  bestimmt
dahin  erklärte,  es  stünde  auf  der  Seite  Frankreichs  und  Russlands,
  Deutschland  eine  friedliche  Haltung  einnehmen  würde.

Ich  sagte,  dass  die  Behauptung,  wir  hätten  Deutschland
zu  verstehen  gegeben,  wir  würden  uns  nicht  einmischen,  ganz
und  gar  falsch  sei.  Ich  hätte  verweigert,  auf  Versprechungen,
neutral  zu  bleiben,  einzugehen.  Nicht  nur  hätte  ich  ein  solches
  bestimmtes  Neutralitätsversprechen  zu  geben  abgelehnt,
sondern  ich  wäre  heute  Morgen  sogar  so  weit  gegangen,  dem
deuischen  Botschafter  zu  sagen,  dass,  wenn  Frankreich  und
Russland  sich  in  einen  Krieg  verwickelt  sähen,  wir  in  denselben
  ebenfalls  hineingezogen  werden  würden.  Das  sei  natürlich
  nicht  dasselbe,  wie  ein  Frankreich  gegebenes  Versprechen,
und  ich  sagte  dies  Herrn  Cambon  nur  in  der  Absicht,  ihm  zu
beweisen,  dass  wir  Deutschland  nicht  unter  dem  Eindruck  gelassen
  hätten,  Grossbritannien  würde  an  einem  Kriege  nicht
teilnehmen.

Herr  Cambon  verlangte  dann  eine  Antwort  auf  seine  gestrigen
  Ausführungen.

Diese  lautete  dahin,  dass  wir  im  heutigen  Ministerrat  zu
dem  Schluss  gekommen  seien,  wir  könnten  zur  Zeit  keine  Verpflichtung
  eingehen.  Da  wir  unsere  Politik  dem  Parlament  vorlegen
  müssten,  so  könnten  wir  dasselbe  nicht  im  voraus  verpflichten.
  Bis  jetzt  betrachteten  weder  die  grossbritannische
Regierung  noch  die  öffentliche  Meinnung  Englands  die  bestehenden
  Verträge  und  Zusagen  als  miteinbezogen.  Natürlich
dürften  weitere  Entwicklungen  die  Lage  durchaus  ändern  und
Regierung  und  Parlament  zu  einem  als  gerechtfertigt  angesehe-