Metadata : Das Regenbogen-Buch - Die europäischen Kriegsverhandlungen.

224  29.  Juti

handlung  abgeben  sollte.  Seine  Exzellenz  hat,  als  er  die  Antwort
  empfing,  eine  Botschaft  nach  Wien  gesandt,  in  der  er  erklärt,
  dass,  obschon  seiner  Meinung  nach  die  serbische  Antwort
  eine  gewisse  Neigung  zeige,  den  österreichischen  Forderungen
  entgegenzukommen,  er  vollständig  verstände,  dass  ohne
einige  sichere  Garantien,  dass  die  serbische  Regierung  die  an
sie  gestellten  Forderungen  erfüllen  würde,  Oesterreich-Ungarn
  im  Hinblick  auf  die  Erfahrungen  der  Vergangenheit  sich
nicht  zufrieden  geben  könne.  Er  hätte  dann  weiter  gesagt,  dass
die  Feindseligkeiten,  welche  gegen  Serbien  eröffnet  werden
sollten,  wahrscheinlich  den  ausschliesslichen  Zweck  verfolgten,
sich  solcher  Bürgschaften  zu  versichern,  da  die  österreichischungarische
  Regierung  Russland  bereits  versichert  hatte,  dass
sie  keine  Gebietserweiterung  anstrebe.

Sollte  diese  Ansicht  richtig  sein,  so  rate  er  der  österreichisch-ungarischen
  Regierung,  sich  offen  in  diesem  Sinne  zu
äussern.  Eine  solche  Sprache  würde,  so  hoffe  er,  jedes  mögliche
  Missverständnis  beseitigen.

Bisher  habe  er  noch  keine  Antwort  aus  Wien  erhalten.

Seine  Exzellenz  hoffte,  dass  Sie  aus  der  Tatsache,  dass
er  in  der  Angelegenheit  so  weit  gegangen  sei,  diesen  Rat  in
Wien  zu  erteilen,  entnehmen  möchten,  dass  er  aufrichtig  entschlossen
  ist,  alles  was  in  seiner  Macht  läge  zu  tun,  um  die
Gefahr  europäischer  Verwicklungen  zu  bannen.

Die  Tatsache,  dass  er  Ihnen  diese  Mitteilung  mache,
sei  ein  Beweis  des  Vertrauens,  das  er  in  Sie  setze,  und  seines
Strebens,  Ihnen  zu  zeigen,  dass  er  sein  Möglichstes  tue,  um
unsere  Bestrebungen  im  Interesse  des  allgemeinen  Friedens
zu  unterstützen,  welche  Bestrebungen  er  aufrichtig  schätze.

Der  englische  Botschafter  in  Berlin,  Sir  E.  Goschen,  an  den
englischen  Staatssekretär  des  Aeusseren,  Sir  Edward  Grey.

Blaubuch  Nr.  76.

Berlin.
von  Jagow  ist  Ich  fand  heute  den  Staatssekretär  sehr  niedergeschlagen.
sche  Militär-  Er  erinnerte  mich  daran,  dass  er  mir  vor  kurzem  gesagt  habe,
un  wie  vorsichtig  er  sein  müsse,  wenn  er  Oesterreich-Ungarn  Rat
hist.  erteile,  da  jede  Vermutung,  man  wolle  auf  das  Wiener  Kabinett

einen  Druck  ausüben,  dasselbe  wahrscheinlich  zur  Ueberstürzung
  der  Dinge  und  zur  Schaffung  eines  fait  accompli  veranlassen
  würde.  Das  sei  nun  eingetroffen  und  er  sei  nicht
sicher,  dass  nicht  die  Uebermittlung  Ihres  Vorschlages,  die
serbische  Antwort  als  Diskussionsbasis  zu  behandeln,  die