Metadata : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

wäre  es  Pflicht  und  Aufgabe  des  leitenden  Staats—
mannes,  des  Reichskanzlers  gewesen,  bis  zu  einem  ge—
wissen  Grade  unabhängig  von  den  Plänen  und  Ansich—
ten  der  militärischen  Führung,  dauernd  auf  politische
Schritte  zur  Beendigung  des  Krieges  zu  sinnen,  Füh—
ler  auszustrecken,  Verbindungen  hinker  den  Kulissen
des  Kampfes  zu  suchen  und  auszuwerten.  Mochten  die
Waffen  noch  so  glänzende  Augenblickserfolge  bringen,
der  weitschauende  Politiker  konnte  und  mußte  diese  wohl
als  Tritte  und  Griffe  für  sein  Vorwärtskommen  nutzen,
er  durfte  sich  aber  nicht  von  ihnen  blenden  lassen.  Er
durfte  nicht  der  O.  H.  L.  gegenüber  den  Skandpunkk  einnehmen:
  Macht  ihr  erst  eure  Arbeit  zu  Ende,  nachher
komme  ich  an  die  Reihe,  vorläufig  ist  für  mich  nichts
zu  kun.

Ich  möchke  nichk  ungerechk  gegen  den  zweifellos  guten
Willen  unseres  ersten  Kriegskanzlers  werden,  und  so
komme  ich  zu  der  Frage:  War  Herrn  von  Bekhmanns
Energie  denn  überhaupk  noch  fähig  zu  starkem  Wollen
und  starkem  Wagen?  Hakte  er  den  furchtbaren  Zusammenbruch
  seiner  England-Theorie  und  hakte  er  das  Harakiri
  seiner  Reichskagserklärung  vom  4.  August  1914  als
leelisch  inkakler  Mann  überlebt?  Jedenfalls  blieb  unser
polikisches  Schicksal  weiker  diesen  in  mißlungenen  Unkernehmen
  unsicher  gewordenen  Händen,  diesen  müde  und
resignierend  ausblickenden  Augen  anverkraut.  —  Urwergeßlich
  stellt  sich,  wenn  ich  Bekhmann  Hollwegs  Energelik
  suche,  eine  Episode  vor  mich  hin,  die  mir  ein  Hamburger
  Großreeder  im  Sommer  1975  mit  aller  Bürgschaft
  für  die  Wahrhaftigkeik  des  Vorganges  erzählke:
Ballin  sei  beim  Reichskanzler  gewesen  und  habe  dem

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