Inhaltsverzeichnis : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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Dienst,  den  ich  dem  Könige  leisten  kann,  ist  es,  wenn  es  mir  gelingt,  ihm  den
Frieden  zu  erhalten.“  —  So  war  es  deun  nicht  der  Genius  Napoleons,  der
Preußen  zu  Grunde  richtete,  sondern  Preußen  erlag  durch  seine  eigene  Schuld
und  Schwäche.  Es  bedurfte  nur  cines  äußeren  Anstoßes,  um  die  alte  Waffeuherrlichkeit
  Friedrichs  des  Großen  zusammenbrechen  zu  machen.

Bei  so  viel  Schwäche  und  Halbheit  thut  es  wohl,  einen  Mann  zu  finden,
der  noch  den  alten  Preußeumut  unentwegt  in  seiner  Brust  bewahrte,  der  über  alles
Elend  und  alle  Erbärmlichkeit  um  ihn  her  kühn  das  Haupt  erhob  und,  im  Vertrauen
  auf  seinen  blanken  Stahl,  klar  und  sicher  wußte,  was  er  wollte.  Ein  solcher
war  Prinz  Louis  Ferdinand  von  Preußen,  der  preußische  Alkibiades.

Zu  der  Zeit,  als  die  preußische  Hauptmacht  die  Stellungen  nördlich  des
Thüringer  Waldgebirges  von  Gotha  und  Erfurt  über  Weimar  bis  Jena  und
bis  zur  Saale  innehatte,  der  Fürst  von  Hohenlohe  mit  der  Armec  des  linken
Flügels  bei  Rudolstadt,  Orlamünde,  Kahla  und  Jena,  unmittelbar  am  linken
Ufer  der  Saale  stand,  war  die  ca.  8000  Mann  starke  Vorhut  der  letzteren
unter  dem  Generallieutenant  Prinzen  Louis  Ferdinand  über  Rudolstadt  bis
Saalfeld  vorgeschoben.  Das  kleine  Corps  des  Generals  Grasen  Tanentzien,
welches  auf  dem  äußersten  linken  Flügel  über  Hof  gegen  Nürnberg  und  Amberg
vorgeschickt  war,  hatte  sich  vor  der  herandrängenden  Ubermacht  der  Franzosen
am  8.  Oktober  auf  Saalburg  und  nach  einem  kurzen,  für  die  preußischen  Truppen
nicht  nurühmlichen  Gefechte  bis  Schleiz  zurückgezogen.  Saalfeld  war  durch
seine  Magazine  von  Bedeutung;  auch  schien  es  wichtig,  zu  einer  Zeit,  als  nach
den  Ansichten  im  Hohenloheschen  Hauptquarticr  die  preußische  Armce  auf  das
rechte  Ufer  der  Saale  übergeführt  werden  sollte,  diesen  Ubergangspunkt  zu
halten.  Der  Prinz  war  daher  entschlossen,  auch  nach  dem  Zurückweichen  des
Tauentzienschen  Corps,  welches  Befehl  hatte,  sich  in  die  Gegend  von  Dresden
zu  ziehen,  den  Posten  von  Saalfeld  zu  behaupten.

Der  Prinz  hatte  seit  dem  7.  Oktober  sein  Quartier  im  Schlosse  zu  Rudolstadt,
  wo  er  bei  dem  Fürsten  Ludwig  Friedrich  und  dessen  Gemahlin,  der  Fürstin
Karoline,  geborenen  Prinzessin  von  Hessen-Homburg,  die  liebenswürdigste  Aufnahme
  fand.  Am  9.  Oktober  abends  fand  im  Schlosse  ein  kleiner  Ball  statt,  bei
welchem  die  jüngeren  Offiziere  und  Damen  des  Hofes  sich  belustigten.  Der  Prinz
soupierte  mit  den  fürstlichen  Herrschaften  und  einigen  höheren  Offizieren  und  begab
sich  dann  in  die  Gemächer  der  Fürstin,  wo  er  sich  am  Klavier  niederließ  und  phantasierte.
  Sein  Spiel  war  tiefernst,  der  Ausdruck  eines  bewegten  Gemüts.  Vielleicht
vertraute  er  den  Tönen  die  düsteren  Ahnungen,  die  sein  Inneres  durchzogen.

Das  Tagebuch  der  Fürstin  sagt  über  diesen  Tag:  —  —  „Nicht  lange
danach  trat  der  Prinz  Louis  Ferdinand  in  meine  Stube,  der  Held  der  Helden
—  es  war  eine  hocherfreuliche  und  Vertrauen  erweckende  Erscheinung  —,  er
sprach  sehr  ernst  und  mit  großer  Erhebung  von  dem  wichtigen  Augenblick  und

v.  Köppen,  Hohenzollern.  2.  Aufl.  .12