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4,8, in Sachsen 10,8, in Elsaß-Lothringen 12,9, im Fürstenthum Lippe gar 18,7 mit
dem Tode. Je länger also im Durchschnitt die Kranken verpflegt wurden, d. h. je schwerer
die Krankheitsfälle waren, welche zur Behandlung kamen, um so höher war die
Sterblichkeit. Auch in Württemberg entsprach, wie in Bayern, eine relativ kurze Verpflegungsdauer
der Kranken (21.09—22,5 Tage) einer geringen Sterblichkeit (3,6%%).
Eine Ausnahmestellung nehmen, wie bereits früher erwähnt und zu begründen versucht
ist, die Verliner Krankenhäuser ein, wo die mittlere Sterblichkeit von 12,1%
den Durchschnitt überschritt, während die mittlere Verpflegungsdauer von 29,6 bis
29,7 Tagen unter dem Durchschnitt geblieben ist.
Die erwähnten, erheblichen und Jahr für Jahr in gleichem Sinne hervortretenden
Unterschiede der Krankenhaussterblichkeit lassen sich uur dadurch erklären, daß gewohnheitsgemäß
in jedem Staate 2c. andere Altersklassen und andere Krankheitsformen den Hauptzugang
der Heilanstalten bilden. Der einen Gruppe von Krankenhäusern gehen
vorzugsweise alte, sieche Personen zu, welche naturgemäß lange behandelt werden und
häufig in der Anstalt sterben, während in einer anderen Gruppe die jugendlichen Personen
überwiegen, deren durchschnittlich leichtere Erkrankungen meist nach kurzer Behandlung
zur Entlassung aus der Heilanstalt, aber selten zum Tode führen. Zur ersteren Gruppe
scheinen die Heilanstalten Elsaß-Lothringens zu gehören, in denen Altersschwäche,
allgemeine Entkräftung, chronischer Bronchialkatarrh u. dergl. besonders häufig als
Krankheitsdiagnose verzeichnet sind, zur letzteren Gruppe gehören u. a. die Heilanstalten
Bayerus, in denen Kranke mit Magenkatarrh, Mandelentzündung u. dergl. leichten
Erkrankungen die Hauptmasse des Zugangs bilden. Die ausnehmend hohe Sterblichkeit
in dem allgemeinen Krankenhause des Fürstenthums Lippe findet eine Erklärung darin, daß
hier mehr als 10 ⅝ aller Kranken an Tuberkulose bezw. Lungenschwindsucht litten, von
solchen Patienten aber in der Regel etwa die Hälfte im Krankenhause stirbt. Außer
bei der Lungenschwindsucht wurden besonders zahlreiche Todesfälle bei einigen Krankheitsformen
des ersten Kindesalters und bei der Altersschwäche beobachtet. Es starben
z. B. von den an Altersschwäche leidenden Kranken 57 %, von den an Atrophie der
Kinder und Diarrhöe der Kinder Behandelten 66 bezw. 43 % während die Gesammtsterbeziffer
in den allgemeinen Krankenhäusern nur 8% betrug.
Hinsichtlich der Berechnung der Sterblichfeitsziffern wird auf die Ausführungen
in Bd. IV der Arbeiten a. d. Kaiserl. Ges.-Amte S. 282 und 283 verwiesen; sie
werden grundsätzlich aus dem Gesammtabgange ermittelt, da nur solche Krankheitsfälle
für die Bestimmung der Sterblichkeitsziffer verwerthbar scheinen, deren
Ausgang nach Inhalt der Ausweise überhaupt bekannt ist. Die Sterblichkeits-(Letalitäts-)
ziffer in dieser Arbeit giebt immer an, wie viele von je 100 abgelaufenen Krankheitsfällen
tödtlich geendet haben, sie ist also nicht vergleichbar mit solchen Ziffern,
welche sich auf die Gesammtheit der behandelten Fälle beziehen.
B. Dir einzelnen Rrankheitsformen nach der Bäufinkeit ihres
Vursiummens und der durch sie veranlasten Sterbefällr.
I. Die Entwickel gskrankheiten
Die Gruppe der Entwickelungskrankheiten umfaßt a) die Krankheiten des frühesten
Kindesalters, angeborene Lebensschwäche, angeborene Mißbildungen, Atrophie
der Kinder, b) die Störungen normaler Vorgänge im weiblichen Geschlechtsleben,
Menstrnations-, Schwangerschafts= und Wochenbettsanomalien, ausschl. des