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wohnen, bilden gleichsam das Mittelglied zwischen den Bewohnern
beider Länder. Der Grundzug der Holländer ist das Phlegma, jene
Stetigkeit und Zähigkeit des Charakters, die schwer zu erregen und
zu begeistern ist, aber mit um so größerer Ausdauer an dem einmal
Ergriffenen festhält. Mit unsagbarem Fleiffe haben sie ihr ebenes,
gleichförmiges und von den Reizen der Natur wenig bedachtes Land
dem Meere abgewonnen; sie schützen es vor seinem immer drohenden
Ungestüm durch Deiche, die mit der größten Sorgfalt gebaut sind und
imstand erhalten werden. Ganze Meeresteile baben sie ausgepumpt um
fruchtbares Land zu gewinnen, und Kanäle nach allen Seiten gezogen
um den Verkehr zu fördern. Denn auf den Handel, besonders den
Seehandel, ist der Holländer von jeher angewiesen gewesen, und wenn
auch die Holländische Flagge nicht mehr wie sonst stolz auf allen.
Meeren gebietet, so sind die großen Hafenplätze Hollands doch noch
Haupthandelsplätze für den überseeischen Verkehr. Den Ameisen
gleich in besonnener, ruhiger, aber steter Arbeit bewegt sich das
fleiige, stille Volk in seinem windmühlenbesäten, feuchtnebligen Lande.
Die Holländer machen wenig von sich reden, sie reden auch selbst
wenig. Die kurze Pfeife im Munde, steht in der Feierstunde der
Mann aus dem Volke am Hafen oder vor seinem netten Bäuschen
mit grünen Jalousien und lauscht den Erzählungen des wettergebräunten
Matrosen, der gestern auf dem großen Kauffahrteifahrer aus den
Kolonien zurückgekommen ist, oder erzählt von seiner Arbeit oder
dem Gewinn seiner Handelsunternehmung. Das Bier liebt der Hol--länder
weniger, dafür bevorzugt er den Tee. In den großen Restaurationsgärten
Amsterdams sitzen die Familien auch in der heifen
Nachmittagszeit am Teetisch; sie bereiten den Tee selbst, wozu sie
vom Wirt nur das nötige Geschirr und die Teeblätter geliefert erhalten.
— Bekannt, ja sprichwörtlich ist die holländische Reinlickkeit.
Wenn nun auch nicht in ganz Holland, so wie es in Broek geschehen
Soll, sämtliche Gerätschaften des mit Fliesen belegten und täglich
gescheuerten Kuhstalles so blank geputzt werden wie Tischgeschirr,
so scheuert die holländische Bürgersfrau doch wöchentlich Haus und
Straße gründlich, das mit Olfarbe gestrichene Haus auch von außen.
Selbst in Amsterdam ist diese Reinlichkeit bis auf die Hütten der
Armen herunter zu finden.
5. Der Engländer zeigt unter allen Völkern das größte Selbstbewußtsein.
Er- ist so stolz auf seine vaterländischen Einrichtungen
und Gewohnheiten, daft er sie auch im Auslande nicht missen will;
in das Fremdartige fügt er sich schwer. Die Flagge Englands ist auf
allen Meeren hochangesehen; seine Handelsverbindungen umspannen
die ganze Erde; seine Sprache ist die verbreitetste unter den europäischen.
Sehr entwickelt ist des Engländers Familiensinn; sein Haus
isf seine Burg. In der Familie feiert er vor allem seinen Sonntag,
auf dessen Heiligung viel strenger gehalten wird als bei uns. Am
Sonntag finden weder Konzerte noch Theatervorstellungen statt; selbst