Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1902. (93)

S.  6.

Die  Eigenthümer  der  einen  gemeinschaftlichen  Jagdbezirk  bildenden  Grundstücke
  werden  in  allen  Jagdangelegenheiten  durch  den  Gemeindevorstand  vertreten.
Werden  Grundstücke  aus  verschiedenen  Gemeindebezirken  zu  einem  Jagdbezirke
vereinigt,  so  bestimmt  die  Aufsichtsbehörde  denjenigen  Gemeindevorstand,  der  die
Vertretung  zu  übernehmen  hat.

S.  7.

Nach  Maßgabe  der  Beschlüsse  des  Gemeindevorstandes  kann  auf  dem
gemeinschaftlichen  Jagdbezirk  entweder

a)  die  Ausübung  des  Jagdrechts  gänzlich  ruhen,  oder

b)  die  Jagd  für  Rechnung  der  Grundstückseigenthümer  durch  einen  angestellten

  Jäger  beschossen  werden,  oder

J0)  die  Jagd  im  Wege  der  öffentlichen  Steigerung  verpachtet  werden.

G.  8.

Die  Pachtgelder  und  die  Einnahmen  von  der  durch  einen  angestellten  Jäger
beschossenen  Jagd  (S.  7)  werden  in  die  Gemeindekasse  gezahlt  und  nach  Abzug  der
etwa  entstehenden  Verwaltungskosten  durch  den  Gemeindevorstand  unter  die  Eigenthümer
  der  den  gemeinschaftlichen  Jagdbezirk  bildenden  Grundstücke  nach  dem
Verhältnisse  des  Flächeninhalts  dieser  Grundstücke  vertheilt.

Durch  Gemeindebeschluß  kann  bestimmt  werden,  daß  die  Erträge  der  Jagd
der  Gemeindekasse  verbleiben  sollen.  Der  Beschluß  ist  in  ortsüblicher  Weise
bekannt  zu  machen.  Er  bedarf  der  Genehmigung  des  Amtsausschusses,  wenn
innerhalb  zwei  Wochen  von  der  Bekanntmachung  ab  von  Seiten  auch  nur  eines
Eigenthümers  der  den  gemeinschaftlichen  Jagdbezirk  bildenden  Grundstücke  bei  dem
Gemeindevorstande  Widerspruch  erhoben  wird.

C.  9.

Jagdpachtverträge  sind  schriftlich  abzuschließen  und,)  sofern  sie  sich  auf
gemeinschaftliche  Jagdbezirke  beziehen,  in  den  für  Verträge  der  Gemeinden  vorgeschriebenen
  Formen  zu  vollziehen.  Sie  bedürfen  der  Genehmigung  des  Amtsausschusses.


Die  Verpachtung  der  Jagd,  sowohl  auf  den  im  F.  2  erwähnten  Grundstücken,
  als  auf  gemeinschaftlichen  Jagdbezirken,  darf  bei  Strafe  der  Nichtigkeit
des  Vertrags  niemals  an  mehr  als  höchstens  drei  Personen  gemeinschaftlich  erfolgen.

Die  Verpachtung  der  Jagd  darf  auf  keinen  kürzeren  Zeitraum  als  auf
sechs  Jahre  und  auf  keinen  längeren  als  auf  zwölf  Jahre  erfolgen.

S.  10.

Sowohl  dem  Pächter  gemeinschaftlicher  Jagdbezirke  als  auch  den  Eigenthümern
  der  im  F.  2  bezeichneten  Grundstücke  ist  die  Anstellung  von  Jägern  für
ihre  Reviere  gestattet.

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