18. 1611 173
Schönburg! soll sich daher im geheimen zum König begeben,
unterwegs auf alles wol Acht haben und zu erfahren
suchen, wie der König sich erzeigt, ob es ihm Ernst ist und
er das Werk fortsetzen will oder ob er wegen der Religion
laviert, In jedem Fall hat Sch. sich bei Matthias in höchstem
Geheimnis anzumelden und vorzubringen : Polheim? wird dem -König
berichtet haben, wie wol wir gegen ihn gesinnt sind, der uns durch
vertrauliche Schickungen und Schreiben seinen Zustand entdeckt hat;
wir haben daraus abgenommen, dass des Königs Meinung auf die Wolfahrt
des Reiches und die Freiheit der Glieder desselben sowie auf Erhaltung
von Frieden und Vertrauen gerichtet ist. Darum haben wir und die
andern Unierten mit ihm ein Ziel und können mit ihm korrespondieren
und, da dem einen oder andern Teil von bösen friedhässigen Leuten
etwas übles zugedacht wird, wäre es für eine gemeinsame Sache zu
halten und hätte einer dem andern die Hand zu bieten. Polheim
hat uns zu solchen Verständigang nicht abgeneigt gefunden; wir
erwarteten nur Polheims Bericht, ob es auch dem König also gefiele,
damit wir sodann zu vertraulicher Unterredung jemanden von den
unsrigen an den König abfertigen könnten. Mit Rücksicht aber auf
den inzwischen erfolgten Ueberfall Prags haben wir nicht länger einhalten
wollen und haben schon jetzt Sch. an den König geschickt.
Wir zweifeln nicht, dass der König an dem barbarischen Beginnen
der Passauer ein besonderes Misfallen haben und mit den böhmischen
Ständen Mitleid tragen wird, die sich gegen ihren Kaiser und König
zu allem Gehorsam, Frieden und Einigkeit bequemt und ihm vertraut
haben; der König wird aber auch bedacht sein, sie aus dieser
Gefahr schleunig zu retten und den Makel, der also dem Hause
Oesterreich durch böse Leute zugefügt wurde, mit Hilfe des ganzen
Hauses zu tilgen. Da durch das passauer Volk ohne rechtzeitiges
Zutun des Königs der Zustand des Reichs verkehrt und alles mit
Tyrannei und Krieg erfüllt werden könnte, so bitten wir ihn, daran
zu sein, damit fernere Ungelegenheit und Vergiessung christlichen
Bluts gehindert und der ganzen Christenheit Ruhe geschafft werde.
Das beste Mittel hiezu ist, dass allentbalben de facto prozediert wird
und der König dem Mutwillen einiger weniger Leute nicht länger
zusieht sondern ihn mit königlicher Macht bricht. Es geht vielfältig
und unter dem gemeinen Kriegsvolk die Rede, dass es nach Eroberung
Böhmens in unsere Kur gewiesen werden soll; wir wüssten
ı Ueber ihn vgl. [Kazner], ‚Leben Hans Meynhards von Schönburg‘
en J. Mosers ‚Patriotischem Archiv für Deutschland‘, VI1I., 1788,
fl.
? Polheim war im Januar beim Kurfürsten gewesen. Der altenburgische
Kanzler D. Elias Förster schreibt am 2./12. Januar an die kursächsischen
geheimen Räte, gestern sei P. in Altenburg angekommen und wolle
weiter nach der Mark (Drs., 1. 8807, 20. B. jül. Sachen, f. 287; Or.). Vgl.
w Folteime Schickung an die Reichsstände oben no. 21, 8. 52, Anm, 2
20. 26.
März 3.