Full text : Grundzüge der deutschen Schulgesetzgebung.

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handelte.  Späterysipel,  das  meist  in  wenigen  Tagen,  soweit  Nachrichten  vorliegen,  abheilte,
  ist  ebenfalls  einige  Male  beobachtet  worden;  ein  einziges  Mal  trat  tödtlicher
Ausgang  ein,  und  zwar  bei  einem  9-monatlichen  Knaben  in  Halle  a.  S.,  welcher  am
25.  August  von  Arm  zu  Arm  geimpft  worden  war.  Nach  Angabe  der  Mutter  war
wenige  Tage  nach  der  Lympheabnahme  eine  Anschwellung  der  linken  Achseldrüse  eingetreten,
  welche  vereiterte  und  deren  Absceß  auf  der  Poliklinik  geöffnet  wurde;  von
kdieser  Wunde  ging  späterhin  der  Rothlauf  aus,  wanderte  nach  und  nach  über  den
ganzen  Körper  und  führte  am  25.  Oktober  den  Tod  herbei.

Fälle  von  Rothlauf  ohne  Angabe  der  Zeit  des  Auftretens  sind  außerdem  in
mehreren  prenßischen  Kreisen  beobachtet,  ohne  daß  ein  übler  Ausgang  je  festgestellt  wurde.
In  Magdeburg  kamen  3  Fälle  von  Wanderrose  mit  Absceßbildung  vor,  welche  die
Impflinge  in  ernstliche  Lebensgefahr  brachten  und,  wie  der  preußische  Ministerialbericht
sagt,  den  dortigen  Impfgegnern  erwünschte  Gelegenheit  zur  Agitation  boten.  Bemerkenswerth
  sind  endlich  14  günstig  verlaufene  Fälle  in  der  Stadt  Wiesbaden  nach
Verwendung  thierischen  Impfstoffs  aus  dem  dortigen  städtischen  Schlachthaufe;  in  Folge
dieser  Erkrankungen  wurde  das  Impfgeschäft  für  einige  Wochen  ausgesetzt  und  alsdann
mit  Kasseler  Impfstoff  ohne  Zwischenfall  vollendet.

Aus  Bayern  wird  mitgetheilt  daß  es  in  einer  Angahl  von  Fällen  zu  den  höheren
Graden  der  reaktiven  Eutzündung  kam,  welche  bereits  als  erysipelatös  bezeichnet
werden  mußten.  Näheres  über  die  meist  bei  Wiederimpflingen  beobachteten,  fast  alle
Male  (bis  auf  2)  günstig  verlaufenen  Fälle  ist  im  Jahrg.  1800,  Nr.  46  der  Münchener
mediginischen  Wochenschrift  veröffentlicht.  In  2  Zällen,  je  ein  Mal  im  Impfbezirk
Wasserburg  und  in  Neustadt  a.  A.,  endete  der  Impfrothlauf  tödtlich.  Außer  diesen  beiden
Fällen  ist  im  gangen  Königreiche  Bayern  keine  Erkrankung  nach  der  Impfung
vorgekommen,  welche  nicht  in  normaler  Zeit  in  Genesung  ausgegangen  wäre.

Im  Königreich  Sachsen  war  Rothlauf,  insbesondere  in  der  Form  des  Spätrothlaufs
bei  Revaccinirten,  ein  nicht  seltenes  Vorkommniß,  dessen  nur  in  7  Bezirken  überhaupt
nicht  gedacht  wird.  In  der  Regel  war  die  Affektion  als  eine  unerhebliche  zu  bezeichnen,
  über  den  ganzen  Arm  ausgedehnte  oder  über  den  gangen  Körper  selbst
sich  ausbreitende  Erysipele  sind  nur  sehr  selten  vorgekommen.  Aus  dem  Med.-Beg.
Löbau  wird  eines  Falles  von  Bläschen-Bildung  wie  beim  herpes  Zoster,  ferner  eines
Falles  von  umschriebener  Fleckenbildung  gedacht,  sodaß  das  Kind  wie  getigert  aussah.
Ob  diese  Formen  auch  zu  dem  Nothlauf  gehören,  dürfte  zweifelhaft  sein.

Von  mehreren  Impfärzten  wird  der  Spätrothlauf  bei  Schulkindern,  sowie  auch
die  abnorm  starke  Nandentzündung  in  ursächliche  Verbindung  mit  dem  Tragen
gefärbter  oder  wollener  oder  aus  Barchent  bestehender  Leibwäsche  gebracht.  Auch  direkte
traumatische  Mißhandlung  der  Impfstellen  scheint  häufig  die  Ursache  gewesen  zu  sein.

In  einem  Falle  ist  der  tödtliche  Ausgang  einer  den  Verlauf  des  Impfvorgangs
komplizirenden  Erkrankung  zu  beklagen  gewesen:  In  Voigtlaide,  einem  kleinen  Dörfchen
bei  Glauchau,  war  am  23.  Mai  ein  Knabe  im  Alter  von  1  Jahr  2  Monaten  mit
Thierlymphe  geimpft  worden.  Bei  der  Nachschau  wurden  gut  entwickelte  Pusteln  ohne
sonstige  Gesundheitsstörung  vorgefunden.  Am  3.  Juni  entwickelte  sich  von  den  Impfstellen
  des  rechten  Armes  aus  ein  Erysipel,  dasselbe  breitete  sich  unter  hohem  Fieber
über  den  gangen  Körper  aus,  und  traten  meningitische  Erscheinungen  hinzu,  welchen
das  Kind  am  16.  Juni  erlegen  ist.

In  Württemberg  gelangten  im  Berichtsjahre  71  Fälle  von  Nothlauf  nach  dem
Impfen  zur  Kenntniß  und  zwar  26  Früh=  und  45  Späterysipele,  durchweg  mit  Ausgang
  in  Heilung.  Die  Häufigkeit  der  Nothlauffälle  geht  giemlich  parallel  mit  den
starken  Hautentzündungen  in  der  Umgebung  der  Pusteln.